Die Bullen wurden über den Sandplatz geführt, damit die Käufer ihre Vitalität beurteilen konnten. Foto: Christoph Schennen

Beim „Hinterwälder Markt“ in Schönau präsentieren Rinderzüchter ihre Bullen und lassen sie anschließend versteigern.Der prächtigste Bulle kommt aus Aitern.

Beim „Hinterwälder Markt“ sind am Freitag elf Bullen, ein weibliches Rind und zwei männliche Jungbullen versteigert worden. Alle Tiere gehören der Rasse der Hinterwälder an. „Sie ist die kleinste europäische Rinderrasse“, sagt Ewald Klingele, Vorsitzender des Hinterwälder Zuchtvereins. „Die Hinterwälder sind sehr robust, trittsicher und kommen mit den Steillagen zurecht“, zählte er einige Eigenschaften der schwergewichtigen Vierbeiner auf. Die Rinder werden vor der Versteigerung gewogen. Sie müssen über den Ring an ihrer Nase in die schmale Großtierwaage gezogen oder getrieben werden. Dort wird auch die Widerristhöhe gemessen und sie bekommen eine Nummer. Danach werden sie einzeln in den Ring geführt, wo eine Jury sie begutachtet. Diesen Vorgang nennt man Körung.

 

„Bewertet werden die Bemuskelung, das Fundament, die Vitalität und die Gesamterscheinung“, sagt Lukas Kiefer, Professor für Landwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen. Die Experten entscheiden auch in welcher Reihenfolge die Tiere versteigert werden.

Als erster wurde der Körungssieger von Klaus Kiefer aus Aitern versteigert. Der Erstplatzierte ist das am besten bewertete Tier, was aber nicht heißt, dass für ihn der höchste Preis erzielt wird.

„Wunderbarer Kerl“

Fredy Preiser, Moderator der Versteigerung, bezeichnete den Körungssieger, der ein schönes braunes Fell hatte und sehr gepflegt war, als „wunderbaren Kerl“ mit „guter Milchleistung“ und einer „Top-Genetik“. Er stand auf der Wunschliste von Henner Böhm, einem Viehhalter aus dem Lahn-Dill-Kreis oben, aber ein anderer Viehhalter bot mehr, so dass der Hesse einen anderen Bullen erwarb. Böhm sagte, er achte beim Kauf auf die Bemuskelung, eine gute Zunahme und das Verhalten des Tiers. „Es muss ruhig sein“, sagt der Landwirt. Wenn ein Bulle gut zunehme, garantiere das „gut vermarktungsfähige Fleischteile“. Jüngst gab es Unruhe in seiner Herde, weil ein Wolf sieben Hirsche gegenüber ihrer Weide gerissen habe. „Meine Tiere waren danach nervös und außer Rand und Band“, sagte Böhm.

Jörg Johannes hat bekommen was er sich ausgesucht hat: ein weibliches Rind. Hier ist mit seinem Verkäufer Pirmin Kiefer (rechts) aus Fröhnd zu sehen. Foto: Christoph Schennen

Zu den Käufern auf dem Markt gehörte auch Jörg Johannes, ein Bio-Bauer aus Riedichen. Ihm es gelungen das weibliche Rind zu ersteigern, das ihm gefiel. Es soll die Herde ergänzen. Johannes hat zwei Mutterkühe und einen kastrierten Ochsen. Sein mittelfristiger Plan ist es, seine Herde auf Hinterwälder umzustellen. Denkbar ist es, dass ein Bekannter ihm einen Bullen verkauft und dass dieser Bulle dann zum Auftrieb dazukommt.

Markt lockt viel Zuschauer

Ein Mitglied der Jury zeigte sich erfreut über die große Anzahl an Zuschauern des „Hinterwälder Markts“. Mehrere Dutzend Männer und Frauen verfolgten die Versteigerung, die wieder auf der Pferdekoppel des Reit- und Fahrvereins Schönau durchgeführt wurde. „Es ist ja fast wie im SC-Stadion“, sagte er. Es sei erfreulich, „dass so viele gekommen sind.“ Für die Landwirte lohne sich der Besuch des Marktes, weil „wir auf dem Frühlingsmarkt eine gute Qualität“ haben. Nach jeder Ersteigerung machte er ein Foto vom Besitzer des Bullen und vom zukünftigen Besitzer.