Wo wird die Todtnauer Jubiläumsglocke bald läuten? Und wie klingt das dann? Diese und andere Fragen beantwortete Steffen Rees bei Führungen durch den Glockenturm.
Ursprünglich sollte die Glocke zum Todtnauer Stadtjubiläum, die von Weihbischof Christian Würtz geweihte Christusglocke, am vergangenen Samstag das neue Kirchenjahr einläuten. So war der Plan. Dann aber haben sich die Bauarbeiten verschoben. „Vielleicht klappt dies dann nächstes Jahr oder auch schon früher, etwa im Sommer“, sagt Initiator und Messner Steffen Rees, der den ganzen Samstag über Gruppen in den Glockenturm führte. „Wir haben jetzt keinen Zeitdruck mehr“, ergänzt er.
Interessierte konnten sich zuvor anmelden, um zu sehen, wo die Jubiläumsglocke künftig läuten wird, wie im Westturm die große Glocke 1 den Stundenschlag übernimmt und allerlei interessante Hintergründe erfahren. Es war wahrlich ein spannender Einblick hinter die Kulissen. Einige nutzten diese seltene Gelegenheit.
Glocken in Kanonen umgewandelt
Schon auf dem Weg zum Turm sind die ersten Vorbereitungen zu sehen – der 46 Kilo schwere Schlegel für die neue Glocke liegt schon bereit. Hier erzählt Rees Historisches, etwa, dass die aktuellen Glocken nach dem zweiten Weltkrieg 1949 eingebaut wurden. Denn ihre Vorgänger mussten 1942 abgebaut werden, sie wurden eingeschmolzen und zu Kanonen gegossen.
Dann blickte Rees wieder in die Zukunft: Die Jubiläumsglocke wird mit einem Gesamtgewicht von 1300 Kilogramm und einem Durchmesser von 1,27 Metern die Schwerste und Größter aller sechs Glocken sein und auf den Schlagton es1 gestimmt sein. Gemeinsam erklingt das sogenannte Vollgeläut jedoch nur an Feiertagen, macht Rees klar. Die neue Christusglocke wird künftig sonntags um 12 Uhr alleine erklingen und unter der anderen großen Glocke im Westturm hängen. „Das ist statisch machbar“, versichert Rees. Die alte Glocke wird dafür weiter nach oben versetzt.
Glockenstühle werden komplett saniert
Wohin die neue Glocke kommen wird, konnten die Teilnehmer aus nächster Nähe erfahren. Dafür geht es die steile Holztreppe hinauf.
Immer enger wird es, an manchen Stellen ist Bücken angesagt, am Motor für die Uhr vorbei, bis die Erwachsenen und die Kinder schließlich fast ganz oben ankommen – direkt bei der Glocke.
Für den Einbau müsse ein Steinmetz ran, um Platz zu schaffen für die nun etwas größere Glocke, und eine Holzdecke müsse nach oben versetzt werden. Gleichzeitig stehe dann aber auch die aufwendige Sanierung der Glockenstühle an. Denn: Bei einer Turmbegehung des Erzbischöflichen Glockeninspektors im September 2023 sei festgestellt worden, dass sich beide Glockenstühle in den Kirchtürmen in einem sehr renovierungsbedürftigen Zustand befinden.
Schlegel wird nach 400 Jahren versetzt
Interessantes verrät Rees, als sich alle rund um die Glocke verteilen. Der Hammer schlage die Uhrzeit, der Schlegel ist fürs Läuten verantwortlich. Und dessen Position werde erst nach 400 Jahren versetzt, damit er dann an einer anderen Stelle anschlägt – also um die Glocke so lange wie möglich zu erhalten. Dieser Schlegel musste also bisher noch nicht versetzt werden. Die Teilnehmer der Führung dürfen dann auch das 12-Uhr-Läuten aus dem anderen Turm hören und ihre Fragen stellen.
Auf dem Weg nach unten ergeben sich interessante Ausblicke nach draußen, die man nur hier erlebt.
Dann darf jeder mal mit einem Schlegel die Jubiläumsglocke, die aktuell noch neben dem Altar steht, erklingen lassen. Rees lässt dann eine Simulation des Vollgeläuts laufen und zeigt Videos zur Anlieferung und zum Glockenguss.