Hubert Haizmann (links) und sein Onkel Wilhelm Grimm im Brielhof in Hechingen im Jahr 2020 Foto: Kinder brauchen Frieden e.V.

Der Hilfsverein „Kinder brauchen Frieden“ hat aus dem Nachlass von Wilhelm Grimm eine Großspende von 140 000 Euro erhalten. Am 7. März wäre Grimm 90 Jahre alt geworden. Sein Neffe Hubert erklärt, warum sein Onkel den Hechinger Verein förderte.

Wilhelm Grimm war nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer in der Schuhindustrie, sondern auch ein Mann, der seine Wurzeln nie aus den Augen verlor. Trotz seines Wohnsitzes in Rosenheim in Bayern blieb seine Heimatstadt Hechingen stets ein zentraler Ort in seinem Leben. Gemeinsam mit seiner Frau Karin hinterließ er nach seinem Tod im Jahr 2021 ein Vermächtnis von 140 000 Euro, das bedürftigen Kindern zugutekommen soll. Die Spende ging an den Hechinger Verein „Kinder brauchen Frieden“. Hubert Haizmann, Grimms Neffe und enger Vertrauter, erzählt, wie es zu dieser Entscheidung kam und welche Botschaft damit verbunden ist:

 

Herr Haizmann, können Sie ein wenig über Ihren Onkel, Wilhelm Grimm, erzählen?

Wilhelm Grimm wäre dieses Jahr am 7. März 90 Jahre alt geworden. Leider verstarb er während der Corona-Pandemie im Jahr 2021 in seiner Wahlheimat Rosenheim. Er war der einzige Sohn von Anna und Albert Grimm und wuchs mit drei Schwestern in Hechingen auf der Lichtenau auf. Schon als Kind war er sportbegeistert: Sein Vater und dessen Bruder waren Deutsche Meister im Kunstturnen, und auch Willi – wie er genannt wurde – liebte den Sport, insbesondere den Fußball. Er spielte sowohl im Freizeitbereich als auch im Hechinger Fußballverein. Nach der Schule begann er eine Schusterlehre bei einem Schuhmacher in Hechingen – eine Entscheidung, die später den Grundstein für seine erfolgreiche Karriere legte.

Welche Bedeutung hatte die Stadt Hechingen für Ihren Onkel, obwohl er später in Rosenheim lebte?

Hechingen war immer seine Heimat. Selbst während seines Berufslebens, als er in der Nähe von Hannover lebte, fuhr er nahezu jedes zweite Wochenende die 600 Kilometer, um seine Mutter und seine Schwestern in Hechingen zu besuchen. Diese Besuche waren ihm wichtig, und er liebte es, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Auch später, als er mit seiner Frau Karin in Rosenheim wohnte, blieb Hechingen ein zentraler Punkt in seinem Leben.

Warum, glauben Sie, war es Ihrem Onkel so wichtig, etwas für Kinder zu hinterlassen, obwohl er selbst keine hatte?

Mein Onkel und meine Tante waren sich einig, keine eigenen Kinder zu haben, weil sie unabhängig bleiben und sich auf ihre beruflichen Ziele konzentrieren wollten. Trotzdem liebten sie Kinder über alles. Sie haben ihre Neffen, Nichten und deren Kinder immer unterstützt und sich großzügig gezeigt. Es war ihnen ein Herzensanliegen, Kindern in Not zu helfen, und sie wollten, dass ihr Nachlass genau diesem Zweck dient.

Was denken Sie, hätte Ihrem Onkel besonders an der Arbeit von „Kinder brauchen Frieden“ gefallen?

Das Ehepaar Grimm hatte in ihrem Leben viel Freude, aber auch schwere Zeiten. Mein Onkel war der Ansicht, dass man nicht nur gut verdienen, sondern auch geben sollte. In seiner Zeit als Manager bei der Gabor-Schuhfabrik in Persien setzte er sich dafür ein, dass die Firma für ihre 1200 Mitarbeiter eine gute gesundheitliche Versorgung und einen Kindergarten einrichtete. Er war stolz darauf, wenn er die zufriedenen Mütter und die glücklichen Kinder sehen konnte. Diese direkte Hilfe für Kinder, wie sie „Kinder brauchen Frieden“ leistet, hätte ihn sehr beeindruckt.

Wie kam der Kontakt zum Verein „Kinder brauchen Frieden“ zustande?

Ich hatte Hubert Rapp, der seit vielen Jahren sich aktiv für „Kinder brauchen Frieden“ einsetzt, früher schon ein paar Mal getroffen und ihn dann kontaktiert, um ihm die Idee vorzustellen. Er war sofort begeistert. Nach mehreren Treffen mit ihm und dem Vorstand konnten alle rechtlichen Details mit dem Testamentsverwalter geklärt werden. So stand der Umsetzung der Nachlassspende nichts mehr im Wege.

Hatte Ihr Onkel konkrete Vorstellungen, wie das Geld verwendet werden soll?

Er und seine Frau wollten, dass das Geld Kindern in Not zugutekommt und ihnen Freude bringt. Es war ihnen wichtig, etwas für die zu tun, die weniger Glück im Leben haben. Das Geld soll helfen, Leiden zu lindern und Kinder glücklich zu machen.

Wie hat es Sie persönlich berührt, seinen letzten Wunsch umzusetzen?

Es war für mich eine ehrenvolle Aufgabe, seinen letzten Willen umzusetzen. Mein Onkel war ein gläubiger Mensch, und ich glaube, er wusste, dass seine Zeit begrenzt war. Es war bewegend zu sehen, wie wichtig es ihm war, dass sein Vermächtnis Sinn stiftet. Auch wenn die Betreuung während seiner Krankheit und der Pandemiezeit schwierig war, habe ich alles getan, um ihm seine letzten Wünsche zu erfüllen.

Glauben Sie, dass die Geschichte Ihres Onkels andere inspirieren könnte, ihren Nachlass wohltätigen Zwecken zu widmen?

Ja, auf jeden Fall. Es gibt viele Menschen, die die Mittel haben, zu helfen, aber oft nicht wissen, wie sie es umsetzen sollen. Mein Onkel und meine Tante zeigen, dass ein Nachlass über den eigenen Tod hinaus Gutes bewirken kann. Ihre Geschichte könnte ein Ansporn sein, darüber nachzudenken, wie man mit seinem Vermögen etwas Sinnstiftendes hinterlassen kann.

Was möchten Sie Menschen sagen, die überlegen, ihren Nachlass einer wohltätigen Organisation zu hinterlassen?

Wir leben in einem Land mit Frieden und Wohlstand – das ist ein großes Glück. Es ist schön, wenn Menschen, die finanziell abgesichert sind, darüber nachdenken, etwas zurückzugeben. Kinder sind die Zukunft, und es lohnt sich, in sie zu investieren, ihre Not zu lindern und ihnen Freude zu schenken.

Gibt es etwas, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Durch die Spende meines Onkels habe ich den Verein „Kinder brauchen Frieden“ näher kennengelernt und mich entschieden, selbst aktiv zu werden. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass mein Onkel und meine Tante durch ihr Vermächtnis weiterleben und Gutes bewirken.