Die Hilfsorganisation mit Sitz in Freiburg hat im vergangenen Jahr mit 9,1 Millionen Menschen deutlich mehr Hilfsbedürftige als im Jahr zuvor unterstützt.
105 Millionen Euro standen Caritas International (CI), dem Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, für die Unterstützung der Hilfsbedürftigen zur Verfügung. „Das ist das zweitbeste Ergebnis in unserer Geschichte – ermöglicht durch die großartige Solidarität privater Spenderinnen und Spender, kirchlicher und öffentlicher Geber sowie langjähriger Partner“, berichtet Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Damit konnte CI 2024 weltweit 9,1 Millionen Menschen in Not unterstützten – das sind 1,6 Millionen Menschen mehr als im Jahr zuvor.
Doch angesichts der drastischen Kürzungen der Hilfsbudgets blickt der Verband mit Sorge in die Zukunft. Allein durch die Zerschlagung von „USAID“ fehlen weltweit rund 34 Millionen Euro. Auch die deutsche Bundesregierung hat ihre Mittel für humanitäre Hilfen um rund 50 Prozent auf eine Milliarde Euro gekürzt.
Rund 50 Millionen Euro weniger Hilfsbudget
Nach Caritas-Schätzungen kürzen Regierungen weltweit in diesem Jahr die humanitäre Hilfe um 60 Milliarden Dollar (rund 51 Milliarden Euro), das ist ein Rückgang um ein Drittel verglichen mit 2024. Aufgrund dessen mussten weltweit in den vergangenen Monaten 60 000 humanitäre Helfer entlassen werden, darunter mehr als 5000 Caritas-Mitarbeiter.
Die Kürzungen seien umso dramatischer, da angesichts der anhaltenden Krisen in der Ukraine, dem Gazastreifen oder dem Sudan die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen weiter ansteigen werde. Laut Schätzungen des Hilfswerks seien weltweit mehr als 300 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Das seien 80 Prozent mehr als noch 2020. „Durch die Kürzungen werden die Schwächsten zuerst getroffen“, erklärt Oliver Müller, Leiter von Caritas International. Beispielsweise würden rund zwei Millionen Menschen in Äthiopien keine Nahrungsmittel mehr erhalten, so Müller.
12 Millionen Ukrainer benötigen Hilfe
CI ist auch in der Ukraine aktiv. Mit 67 Hilfszentren und 29 Projekten habe CI 1,4 Millionen Menschen in der Ukraine erreicht, sagt der Caritasleiter. Aber insgesamt bräuchten 12 Millionen Menschen Hilfe. Zudem würden rund die Hälfte aller Ukrainer aufgrund des Krieges an psychischen Problemen leiden. Dreieinhalb Jahre Krieg hätten die Ukraine tief gezeichnet, erklärt Müller. „Die Menschen in der Ukraine sind müde und traumatisiert“, berichtet Müller von seinen Eindrücken von Besuchen in der Ukraine. „Die Ukrainer haben Sorge, vergessen und alleine gelassen zu werden“, ergänzt er.
Hilfsgelder besser verteilen
Auch im Gazastreifen sei die aktuelle Situation gravierend. Dort werde die humanitäre Hilfe politisiert. Das Aushungern der palästinensischen Bevölkerung durch Israel käme einem Kriegsverbrechen gleich. „Derzeit kommen rund 100 Lkw mit Hilfslieferungen am Tag durch“, erklärt Müller. Es bräuchte aber 500. Doch statt von Hilfsorganisationen und Partnern der Caritas vor Ort, werden die Hilfsgüter vom israelischen Militär verteilt. „Das ist ein Zustand, den wir nicht hinnehmen können“, unterstreicht Müller.
Ein weiteres Problem sei, dass rund 95 Prozent der Gelder nur an große internationale Hilfsorganisationen fließen. „Das ist aus unserer Sicht falsch“, sagt Müller. Die Caritas wolle sich dafür einsetzen, dass mehr Geld direkt an lokale Partner vor Ort gehe. Wenn mehr Hilfe vor Ort organisiert würde, könnte das bis zu 30 Milliarden US-Dollar (rund 25 Millionen Euro) im Jahr sparen und wäre zudem effizienter.