Seit Jahren schicken Diana Kravchuk und ihr Mann Unterstützung aus Tuningen in die Ukraine. Nun steht ihre nächste Lieferung auf der Kippe – aus einem ernüchternden Grund.
Seit über drei Jahren herrscht Krieg in der Ukraine – ein Ende ist nicht in Sicht. Darunter leiden vor allem die Ukrainer, die dringend auf Spenden angewiesen sind. Eine Hilfslieferung aus Tuningen sollte längst gestartet sein. Warum das nicht der Fall ist – wir haben nachgefragt.
Die geflüchteten Ukrainer Diana Kravchuk und ihr Ehemann Viacheslav Tarasov leben bereits seit drei Jahren in Tuningen und organisieren seitdem immer wieder Hilfslieferungen. Etwa alle drei Monate konnten sie bisher mit einem Lkw dringend benötigte Waren in ihre Heimatstadt Winnyzja und Umgebung bringen, von wo sie in die ganze Ukraine verteilt werden – doch nun kommt die 13. Lieferungen ins Stocken.
Der 40-Tonner habe schon losfahren wollen, doch es gebe zu wenig Hilfsgüter, berichtet Christine Ritzi, Integrationsbeauftragte der Gemeinde Tuningen. Erst 60 Prozent des Lastwagens seien gefüllt, erläutert Kravchuk mithilfe der Tuninger Gemeindedolmetscherin Lydia Obergfell.
Zurückgegangene Spendenbereitschaft
Die Spendenbereitschaft der Menschen in Deutschland sei zurückgegangen, meint sie und erklärt: „Man gewöhnt sich an die Nachrichten vom Krieg.“ Meldungen über Angriffe, zerstörte Gebäude und das Leid der Menschen in der Ukraine seien längst zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden.
Und damit schwinde auch das Bewusstsein dafür, dass es den Menschen im Kriegsgebiet weiterhin am nötigsten mangele, vermutet Kravchuk.
Drei weitere Abgabetermine
Nun soll es im November noch einmal drei Abgabetermine geben, um Produkte wie Schmerzmedikamente (in Originalverpackung), Hygieneprodukte, Haushaltsgeräte, Kerzen, Streichhölzer, Taschenlampen, Campingkocher, Bettwäsche, Handtücher und haltbare Lebensmittel sowie Klappbetten und Matratzen zu sammeln.
Tarasov, der häufig noch nach der Arbeit noch von Haus zu Haus fährt und angemeldete Hilfsgüter einsammelt, hebt hervor, wie wichtig gespendete Werkzeuge seien. Denn die Häuser und Wohnung seien oft stark reparationsbedürftig und so könnten die Menschen die Verbesserung ihrer Unterkünfte selbst in die Hand nehmen.
Auch Geldspenden seien dringend nötig, meint er. Denn jeden Transport mit den Kosten unter anderem für die Reise und die Anmietung des Lastwagens muss das Ehepaar selbst übernehmen.
Windeln und hochkalorische Nahrung sind Mangelware
Da die Hilfsgüter vorwiegend an Menschen mit Behinderung, Kriegsversehrte, an alte Menschen und Kinderheime gehen, seien Windeln für Kinder – und Erwachsene, die Waren, die am dringendsten benötigt werden, betont Kravchuk – ebenso wie hochkalorische Nahrung. Auch Rollatoren, Rollstühle, Toilettensitze und Krücken seien immer Mangelware.
Obwohl Kravchuk und Tarasov nicht alle Waren und Güter persönlich an die Orte ausliefern können, an denen sie gebraucht werden, besuchen sie dennoch wiederholt einige Menschen und Familien auf ihrer gefährlichen humanitären Reise.
Spenden bedeuten ein Stück Hoffnung
Darunter befinde sich auch eine 37-Jährige mit zwei Kindern, die seit einem Autounfall vor vier Jahren ans Bett gefesselt sei, erklärt Kravchuk. Die Spenden werden von ihr und anderen Bedürftigen in diesem Dorf mit Freudentränen entgegengenommen.
Denn jedes Stück, dass gespendet werde, bedeute für die Empfänger ein Stück Hoffnung, erklärt sie und fügt dankbar hinzu „ohne Hilfe und Verständnis könnten wir das nicht machen.“
Hilfslieferung Ukraine
Weitere Abgabetermine
sind am Donnerstag, 6. November, von 16 bis 19 Uhr, Freitag, 7. November, von 16 bis 19 Uhr und Samstag, 8. November, von 10 bis 15 Uhr am Begegnungszentrum e5 in der Ehrenschopfstraße 5 in Tuningen.
Geldspenden
können auf das Spendenkonto des AK Asyl bei der Sparkasse Schwarzwald-Baar (IBAN DE 06 6945 0065 0001 3025 20, BIC SOLADES1VSS) mit dem Verwendungszweck „Hilfslieferung Ukraine“ überwiesen werden.
Weitere Informationen
gibt es bei Christine Ritzi unter der E-Mail-Adresse integrationsbeauftragte@tuningen.de.