Von seiner letzten Fahrt in die Ukraine mit Hilfsgütern ist Michael Maier mit seinem Transporter nach Albstadt zurückgekehrt. Es ging dorthin wo es kracht und brennt – und zu Kindern in Waisenhäusern, denen er eine kleine Weihnachtsfreude bereitet hat.
Zum 104. Mal war Michael Maier eigenen Angaben zufolge in der Ukraine – dort wo der „Film“ flimmert. Mit 400 Geschenken für Kinder in Schuhkartons hatte er sich vor dem Weihnachtsfest auf den Weg gemacht; von der Firma Möbel Rogg gab es für die Kinder zusätzlich hauseigene Adventskalender.
Begleitet wurde er von einen kanadischen Reporter, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt wird. Der Journalist berichtete über Geschehnisse am jeweiligen Ort, aber auch über die gemeinsame Fahrt.
„Ich mache Fotos, damit die Menschen sehen, was hier wirklich geschieht“
Auf einem Zwischenstopp in Kiew wurde es extrem unangenehm: Keine fünf Fußminuten von seiner Unterkunft entfernt schlug eine Rakete in einen Straßenzug ein. Das Haus bebte, die Fenster flogen fast aus dem Rahmen.
„Normalerweise hätte ich nicht an den Einschlagsort hingehen sollen. Des Öfteren schon ist ein zweites Geschoss eingeschlagen, um die Rettungskräfte zu treffen. Aber in meiner Verzweiflung machte ich Fotos, damit die Menschen zuhause sehen, was hier wirklich geschieht.“
Lange bleibt er an dieser Erzählung stehen. „Es war schon ein wenig verrückt. Mit Mut hat das überhaupt nichts zu tun.“ Im Bereich von Bachmut hatte er schon vorher direkten Sichtkontakt zu einem russischen Kampfjet und Hubschraubern, die über ihn dahin rasten. „Es war Glück, dass sie nicht auf mich geschossen haben“.
In Charkiw angekommen kontaktierte er die örtliche Regionalregierung, die ihm die Anschriften von drei Waisenhäusern mitteile. Ohne funktionierendes Handynetz und ohne GPS begann die Anfahrt. Schlaglöcher und Einschlagskrater konnten jederzeit bei Nichterkennung die Fahrt stranden lassen.
Die Freude der Kinder ist eine persönliche Entschädigung für den Albstädter
Endlich angekommen ist die Beschenkung der Kinder „seine persönliche“ Entschädigung. „Vor Ort habe ich dann erfahren, dass die Kinder aus Charkiw stammen, aber auch aus besetzten Gebieten dorthin verbracht werden mussten“, sagte Maier.
In einer Phase der persönlichen Umorientierung schlug der Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine in das Leben von Michael Maier ein. Zu Beginn seiner Tätigkeit kam er mit Hilfsgütern zunächst an die ukrainisch-rumänische Grenze.
Hier begann er ohne jegliche Erfahrung den geflüchteten Menschen helfen. In was er sich jedoch wieder fand, war ein völlig unkoordiniertes Anfangschaos. Bis zum Menschenhandel und Ausplündern von Flüchtlingen bekam er vieles mit. So wurden Geflüchteten etwa Mitfahrgelegenheiten angeboten und im nächsten Wäldchen beraubt. Frauen erging es schlimmer.
In allem Chaos mietete Maier Wohnungen an; der Supermarkt auf der rumänischen Seite wurde seine Einkaufsquelle, um Grundnahrungsmittel zu beschaffen. Durch sein Wirken in der Anfangsphase entstand allerdings der Eindruck eine große Hilfsorganisation dar zu stellen.
Vitali Klitschko lädt Michael Maier zu einem persönlichen Empfang ein
Inzwischen hat er ein großes Informationsnetzwerk aufgebaut – von Kleinspendern, über Tierfreunde, Freundeskreise und Organisationen bis in das Innenministerium der Ukraine hinein.
Eine nette Episode erreichte ihn noch vor seiner letzten Fahrt: Seine Tätigkeit für ukrainische Geflüchtete blieb dem Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, nicht verborgen. Eine Einladung mit persönlichem Empfang folgte.
Beide ließen sich miteinander auch fotografieren, wobei Klitschko auch das Abzeichen von Maiers Hilfsorganisation ProMa an seinem Kampfanzug trug. Die Hilfsprojekte sind inzwischen mit ProMa Human und ProMa Animal als gemeinnützige UG eingetragen.
Michael Maier will derweil kurzfristig etwas kürzer treten, um etwas für seine Gesundheit zu tun. Die Anstrengungen seines Engagements haben sichtbare Spuren bei ihm hinterlassen.