Sarah Stumpp und ihre kleine Schwester, Anna Sophie, haben Spaß in den Rottweiler Experimentierwelten. Foto: Ralf Graner

Seit die Experimentierwelten im Neckartal in Rottweil im Sommer vergangenen Jahres geöffnet haben, sind die beiden Mädchen Sarah und Anna-Sophie schon das ein oder andere Mal dagewesen, und sie kommen immer gerne wieder.

Rottweil - Die Halle wird gewärmt, dann rennen die zwei Kinder zur ersten Station. Es ist eine ihrer Lieblingsstationen. Eine gute Reaktion ist gefordert: im Sehen, Hören und Fühlen. Blinkt die Sirene auf, ertönt der Alarm oder bewegt sich ein Knopf unter der Hand, so muss schnell auf den Buzzer gehauen werden. "Ach so, der Sensor gibt den Impuls!", erkennt die zwölfjährige Sarah Stumpp und versucht gleich noch einen Durchgang. Die Maschine ist auf "random" gestellt, also auf Zufall. Auch ihre kleine Schwester, Anna-Sophie, versucht ihr Glück und eifert mit Anleitung ihrer Schwester nach. Ein schüchternes Lachen der Dreijährigen und sie dreht sich von der Station weg.

Geräte sind anschaulich

Die Exponate haben mit Naturwissenschaft, Physik, Technik und Handwerk zu tun – eigentlich ein untypisches Betätigungsfeld für Mädchen. Doch die Exponate sind so anschaulich gemacht, dass sich Kinder und Jugendliche, auch junge, erwachsene Auszubildende spielerisch weiterbilden können. Und das ist auch Sinn und Zweck der Experimentierwelten.

"Erleben. Ausbilden. Begeistern", so das Motto der Genossenschaft Campus Schule-Wirtschaft Rottweil, die die Experimentierwelten ins Leben gerufen und realisiert hat – und das innerhalb kurzer Zeit. "Ohne eine Vielzahl an Unterstützern wäre dies nicht möglich gewesen", betont Christine Schellhorn, geschäftsführender Vorstand. Das Herzensprojekt war aufgrund der Corona-Pandemie monatelang geschlossen.

Die mehr als 100 Mitglieder des Netzwerks Schule-Wirtschaft aus Industrie, Dienstleistung, Handwerk und Bildungseinrichtungen aus Rottweil und Umgebung hatten sich durch finanzielle Beiträge, Arbeitseinsätze, Sachleistungen, Organisation und sonstige Unterstützung eingebracht.

40 Exponate beherbergt

Fast alles lösen die Mädchen in der mit über 40 Exponaten gefüllten Halle gemeinsam. Meist nimmt Sarah ihre Schwester an der Hand und versucht, sie für die Dinge zu begeistern. Der "begehbare Bogen" wird zur Herausforderung. Es gilt, über einen aus Holzblöcken zusammengesetzten Bogen zu laufen.

Das in direkter Nachbarschaft zum Studienzentrum der Hochschule Furtwangen gelegene Gebäude der Experimentierwelten gewährleistet ein nachhaltiges Angebot, um die regionale Arbeitswelt und Hilfe zur Berufswahlentscheidung Kindern und Jugendlichen näher zu bringen.

Das außerschulische Bildungsangebot dient auch als Ergänzung zum Unterricht. Schulklassen, Gruppen und Auszubildende von Firmen können das Bildungsprojekt nutzen. So wird die Brücke zwischen der Jugend und Firmen geschlagen und kann künftige Fachkräfte für die Region gewinnen. Angebote aus einer Hand und Transparenz – das hat sich die gemeinnützige Genossenschaft Campus Schule-Wirtschaft vorgenommen anzubieten. Sie ist also über die Jahre zur ersten Anlaufstelle für junge Leute der Region geworden, denn sie misst Handwerk noch einen Wert bei und möchte diesen Schulen vermitteln.

Da Vincis Maschine

Die erstmals von Leonardo da Vinci (1452–1519) dokumentierte "Ewigkeitsmaschine" ist zum Beispiel unter den Exponaten der Experimentierwelten zu finden. Sie ist eine Zahnrad-Untersetzung, mit der sich exponentielles Wachstum veranschaulichen lässt. Die Idee: Die Drehzahl eines Antriebs wird so lange durch Getriebe untersetzt, bis das letzte Zahnrad praktisch "stillsteht" – nach 700 Jahren würde es sich aber dann doch drehen.

Sich weiterbilden und soziale und persönliche Kompetenzen stärken, ist noch ein Ziel und eine Stärke der Experimentierwelten. Dieses kann zum Beispiel an der Zahnradwand gebildet werden. Auch die beiden Mädchen versuchen sich daran. Anna-Sophie steigt dabei auf einen Hocker und ordnet die ersten beiden Zahnräder an, auf der Magnetwand schiebt ihre Schwester den Rest zusammen. In welche Richtung wird sich wohl das letzte Zahnrad drehen, wenn man das erste in Bewegung setzt? Gemeinsame Überlegungen sind gefragt.

Die Experimentierwelten sind nicht das einzige Projekt von Campus Schule-Wirtschaft, das die Attraktivität der Bildungs- und Wirtschaftsregion vermitteln und stärken will. Neben Denkanstößen, Vorträgen und Hospiztagen wohl aber das Projekt, das mit zu den attraktivsten in der Region in diesem Bereich zählt.

Info: Öffnungszeiten

Wo: Experimentierwelten Rottweil, Neckartal 89, 78628 Rottweil

Wann: An Wochenenden und Feiertagen sind die Experimentierwelten von 10 bis 17 Uhr geöffnet, für Gruppen ab 15 Personen auf Anfrage geöffnet

Preise: Erwachsene 8 Euro, Schüler/Studenten (mit Ausweis) 6 Euro, Familienpass 25 Euro, Schulklassen (ab 15 Personen) 5 Euro/Person, Gruppen 1 Euro ermäßigt pro Person (ab 15 Teilnehmer)

Kontakt: www.campus-schule-wirtschaft.de/kontakt, Telefon während Öffnungszeiten: 0152/37 30 03 02