Tafelläden haben Probleme, der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Doch wie sieht es in VS aus?
Villingen-Schwenningen - Tafelläden sind soziale Läden, in denen gespendete Lebensmittel an Bedürftige günstig verkauft werden. Ehrenamtliche Mitarbeiter, so wie Günter Hirsch und Gabriele Pischedda in Schwenningen, helfen dabei die Waren einzuräumen und sie zu verkaufen.
"Die Nachfrage ist höher als zuvor", bezeugt Günter Hirsch. "Es gibt mehr Anträge auf Kärtchen, durch die hohen Energiekosten, Spritpreise und die kleine Rente." Seine Kollegin Gabriele Pischedda wirft ein: "Ohne Kärtchen kann man hier nicht einkaufen. Dieses muss jedes Jahr neu beantragt und die Berechtigung geprüft werden."
An einem Tag kommen um die 70 Personen
Energiekrise, Inflation, Krieg – im Krisenmodus ist die Zahl der Bedürftigen in Villingen-Schwenningen immens gestiegen.
Laut der Tafel gehören zu den Kunden unter anderem Menschen, die Arbeitslosengeld II, eine geringe Rente und Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. An einem Tag kommen um die 70 Personen zum Einkaufen. Doch die Zahl der Tafelkunden steigt, vor allem durch die geflüchteten Ukrainer. Früher solle es knapp die Hälfte gewesen sein, bekundet Pischedda.
Die Zahl der Bedürftigen wird auf über 300 geschätzt
Hinter den 70 Kundenkarten stehen meistens noch mehr Familienmitglieder die ebenfalls betroffen sind. "Eine Frau hat neun Haushaltspersonen auf ihrer Karte stehen", erläutert sie weiter. Die Zahl der Bedürftigen wird auf über 300 Leute, bei 70 Kartenbesitzern geschätzt. Dabei sind die Villinger und Schwenninger Tafel getrennt. Eine Farbe teilt mit zu welchem Laden man gehen kann. "Die Schwenninger Karte dieses Jahr ist gelb. Mit der kann man dann nur in Schwenningen einkaufen", erklärt Pischedda im Gespräch mit unserer Redaktion.
Neue Regelungen ab dem 1. Januar
Ab dem 1. Januar 2023 soll es laut Helgina Zimmermann, die erste Vorsitzende des Mach-Mit-Fördervereins, eine neue Regelung geben. Kunden können ab diesem Zeitpunkt nicht mehr alle drei Tage in der Woche, an denen die Tafel geöffnet hat, einkaufen, sondern bekommen einen bestimmten Tag zugeteilt.
Auch der bisher aktive Ukrainer-Tag sollen wegfallen, "um die Gruppen zu mischen", sagt Zimmermann. "Viele Ukrainer werden arbeitstätig oder springen ab", daher sei es nicht mehr notwendig einen extra Tag zu haben, äußert sie.
Man dürfe nicht in Panik geraten
Eine Einzelperson darf weniger einkaufen, als eine große Familie. Ein Kilo Brot, zwei Packungen Wurst, sechs Eier oder ein halbes Kilo Zucker dürfe eine Einzelperson in der Woche kaufen, erklärt Zimmermann. "Die Angebote kommen vom Discounter oder von Privatpersonen", berichtet die Vorsitzende. Ob die Spenden reichen? Sie blickt zuversichtlich auf die Situation: "Durch die Flüchtlingswellen wird immer mehr frequentiert, doch innerhalb eines halben Jahres normalisiert sich alles wieder. Da darf man nicht in Panik geraten." Im Moment reiche alles aus.