Christiane Herlein-Schmiedel arbeitet in ihrem Coaching-Büro am Hausacher Klosterplatz nicht nur mit Sprache, sondern auch mit Gegenständen wie einer Wage, wo die Kunden einordnen können, was sie belastet. Quelle: Unbekannt

Ukraine-Krieg, Energiekrise, Corona-Pandemie: "Wir leben in einer Zeit der großen Verunsicherung", sagt Christiane Herlein-Schmiedel. Sie hilft mit ihrem Coaching-Angebot am Hausacher Klosterplatz vielen Menschen bei persönlichen Krisen.

Hausach. Wer zu Christiane Herlein-Schmiedel am Klosterplatz kommt, merkt sogleich den Kontrast zum eigenen Befinden. Ihre Kunden kommen mit Sorgen und Nöten – das Coaching-Büro von Herlein-Schmiedel soll mit seiner Einrichtung das Gegenteil darstellen. "Hier soll man sich wohlfühlen", so die Coachin. Denn Wertschätzung beginne schon beim Reinkommen.

Gegenüber von Christiane Herlein-Schmiedel könne dann jeder Platz nehmen. Sie hilft bei Burn-Out-Zuständen wie auch bei Beziehungsproblemen. Ein Großteil ihrer Arbeit besteht zwar im Business-Coaching, ihr ist es jedoch wichtig zu betonen, dass ihre Arbeit keine "Elite-Veranstaltung" für Führungskräfte ist. "Coaching muss professionell gemacht werden. Aber die Stundensätze, die dafür vom Deutschen Bundesverband für Coaching empfohlen werden, nehme ich hier nicht. Ich arbeite ja nicht für die Unternehmen, sondern für die Menschen in den Unternehmen."

Der Krieg, die Energiepreise sowie die Corona-Lage verbindet, weil man persönlich nichts direkt an dieser Entwicklung in der Welt ändern kann. Das bedrückende Gefühl der Machtlosigkeit kann sich einstellen. "Dann ist es wichtig, klar zu trennen und auch zu wissen, was man beeinflussen kann und was nicht. Manchmal muss man auch radikal akzeptieren", rät Herlein-Schmiedel. Man könne aber zum Beispiel den Ukraine-Flüchtlingen in Hausach helfen, um sich auch selbst besser zu fühlen.

PR-Agentur vor Umzug nach Offenburg aufgegeben

Dass Coaching im Gegensatz zur Therapie nicht von der Krankenkasse übernommen wird, ist Herlein-Schmiedel ein Dorn im Auge, ebenso, dass der Begriff "Coach" rechtlich nicht geschützt ist. Das sorge dafür, dass in ihrer Branche auch viele Anbieter nicht sonderlich professionell agieren und sorge für einen schlechten Ruf.

Herlein-Schmiedel hat ihre Profession mit der Ausbildung zum "Senior Coach International Organization for Business Coaching" (IOBC), zum "Senior Coach des Deutschen Bundesverbands Coaching" (DBVC) sowie durch ein abgeschlossenes Studium zur Heilpraktikerin der Psychotherapie nachgewiesen – dass daraus aber mal das Coaching Kinzigtal entstehen würde, war einem Zufall geschuldet. "Ich habe mit meinem Mann in Bayern gewohnt und wir hatten einen Wasserschaden in der Wohnung. Das habe ich als Zeichen gesehen, dass wir woanders hinziehen sollten", erinnert sich Herlein-Schmiedel, die gebürtig aus Aachen kommt.

Sie gab ihre PR-Agentur auf, zog zunächst nach Offenburg, dann nach Biberach und schließlich nach Hausach. Ihr Mann sei "im ersten Leben" Bauingenieur gewesen und habe sich mittlerweile beruflich ebenfalls verändert. Er hat eine Grafik-Galerie in Biberach. Das Ehepaar hat drei Töchter.

Ihr Weg vom Marketing zum Coaching begann in der niedersächsischen Stadt Celle. "Dort hatte ich eine Marketing-Abteilung aufgebaut. Mein Geschäftsführer war Engländer und hat mich immer mehr ins Management des Unternehmens integriert. Dann hat er mir für diese menschlichen Prozesse einen Berater-Vertrag angeboten. So kam ich vom Marketing weg." Die anschließende Business-Coach-Ausbildung habe sich, auch für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung, gelohnt, "auch wenn sie sehr teuer war."

Auch wenn Herlein-Schmiedel nicht aus der Region kommt, identifiziert sich die 53-Jährige mit dem Kinzigtal. "Ich will da helfen, wo ich wohne. Und ich wohne gerne in Hausach." Als in Haslach Ende des vergangenen Jahres eine Hilfsaktion für die Menschen im Ahrtal angelaufen ist, griff sie zum Telefon und kontaktierte Geschäftsleute, um Material für die Hilfsbedürftigen nach der Flut zu sammeln.

Christiane Herlein-Schmiedel berichtet im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten von einer Kundin, die aufschreiben sollte, in welchen Rollen sie agiert. "Sie kam dann richtig in Fahrt und hatte schließlich 19 Rollen aufgeschrieben. Zum Beispiel als Mutter oder Schwester." Nur die Rolle des eigenen Ichs fehlte auf der Liste.