Das Öffentliche Wohnzimmer in Oberndorf ist ein Treffpunkt, der seinesgleichen sucht. Die Senioren kommen dort gerne für gemeinsame Aktivitäten zusammen – und auch schon die eine oder andere Liebesbeziehung ist entstanden. (Archivfoto) Foto: Ulrich

Gibt es in Oberndorf genügend Heimplätze? Und wie werden Senioren unterstützt? Antworten darauf gab der Bericht des Seniorenbüros. Auch eine personelle Veränderung steht an.

63 offene Sprechstunden (davon 50 in Oberndorf), 108 Einzelberatungen in der „Linde 13“ und 267 Hausbesuche, davon 108 in der Neckarstadt: Die Seniorenbeauftragte Gabriele Schneider und ihre Kollegin Kathrin Armbruster hatten auch 2025 alle Hände voll zu tun. Was sie noch alles gestemmt haben, welche großen personellen Veränderungen anstehen, und was die Senioren in Oberndorf gerade bewegt, berichteten sie im Verwaltungsausschuss.

 

Im Seniorenbüro stehen Veränderungen an: Die Seniorenbeauftragte Gabriele Schneider, die seit März 2018 für die Verwaltungsgemeinschaft Oberndorf, Fluorn-Winzeln und Epfendorf zuständig ist, wird im Oktober in den Ruhestand eintreten. Dafür wird Sabrina Werner (Stellenanteil: 75 Prozent) ins Seniorenbüro wechseln.

Unterstützt wird sie von Lilli Wilke, aktuell noch DHBW-Studentin, die zu 25 Prozent im Seniorenbüro und zu 75 Prozent im Kinder- und Jugendbüro arbeiten wird. Denn auch dort stehen personelle Wechsel an: Christiane Bondzio hat zum 1. September gekündigt.

DHBW-Stelle eingespart

Die DHBW-Stelle Soziale Arbeit im Kinder- und Jugendbereich werde ab 1. Oktober nicht mehr besetzt werde, teilte Heidi Kuhring, Amtsleiterin für Kultur, Jugend und Senioren, im Verwaltungsausschuss mit und drückte Bedauern über die Sparmaßnahme aus. So viel zu den personellen Veränderungen.

In ihrem Bericht hatte Gabriele Schneider zuvor vom breiten Aufgabengebiet der Seniorenarbeit berichtet. Dazu gehöre etwa Hilfe bei Antragstellungen, die Unterstützung in der Vorsorgeplanung, die psychosoziale Begleitung in schwierigen Lebenslagen und die Kontaktvermittlung zu Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen.

Zunehmend Kriseninterventionen

Zunehmend seien auch Kriseninterventionen nach Hinweisen durch das Ordnungsamt, Nachbarn, Ärzte oder das Integrationsmanagement nötig, so Schneider. Sechs dieser Art aufgrund schwieriger gesundheitlicher oder persönlicher Situationen gab es 2025, alle in Fluorn-Winzeln.

Hinzu kamen neben Kontakten mit dem Kreisseniorenrat, dem Kontaktkreis Leben, Selbsthilfegruppen und weiteren Akteuren auch die Organisation und Durchführung von Ausflügen und Veranstaltungen wie der Seniorenfasnet und -weihnachtsfeier, zu der jeweils rund 120 Besucher kamen.

MIO bringt Generationen zusammen

Eine wichtige Rolle spielt auch die Begleitung und Kooperation mit der Mitmachinitiative Oberndorf (MIO), die bürgerschaftliches Engagement stärken will. Ihr gehören 52 Mitglieder an. 2025 wurden etwa 75 Begleitungen zum Arzt, Friseur, Einkauf oder Ähnlichem vermittelt. Mittlerweile gebe es neun solcher regelmäßigen Einkaufstandems.

Sehr beliebt sei das Generationentheater, das 2025 zwölf Mal mit dem Referat Prävention des Polizeipräsidiums Konstanz ein Theaterstück zu den Themen Enkeltrick und Schockanrufe sowie Liebes- und Bankbetrug aufführte. Die Altersspanne der Laienschauspieler reiche dabei von 32 bis 92.

Mehr als 6000 Besucher im Öffentlichen Wohnzimmer

Das „Juwel“ der Seniorenarbeit in Oberndorf – so nannte es SPD-Stadtrat Hans-Joachim Ahner – ist das Öffentliche Wohnzimmer im Generationenhaus Linde 13, das unter der Woche täglich von 9.30 bis 16 Uhr geöffnet hat. 2025 wurden rund 6200 Besucher dort begrüßt – und es kämen immer wieder neue dazu.

Mit dem Angebot, das von Kochen über Denksport bis zu Musik und Tanz reiche, wolle man vor allem der Einsamkeit entgegenwirken und Senioren einen Ort zur Begegnung bieten, erklärte Gabriele Schneider. Und der eine oder andere habe bei dieser Gelegenheit auch schon einen Partner gefunden.

Platz in Oberndorf ist nicht garantiert

FWV-Stadtrat Dieter Rinker wollte wissen, ob es aus Sicht der Seniorenbeauftragten genügend Heimplätze in Oberndorf gebe. „Einen Heimplatz im Landkreis bekommt man, aber nicht unbedingt in Oberndorf“, meinte Schneider dazu. Teilweise gebe es jahrelange Wartelisten.

Wenn auf dem Brauereiareal ein Heim gebaut worden wäre, hätte ihr das gut gefallen, bekannte sie. Aber es gebe auch viele Möglichkeiten, älteren Menschen weiterhin ein Leben in den eigenen, gewohnten vier Wänden zu ermöglichen.

Beim Thema Altern würden viele gleich an Pflege denken. Der Trend gehe jedoch dahin, ein ambulantes Angebot zu erhalten. So sei sie auch eine Verfechterin alternativer Wohnformen mit mehreren Generationen unter einem Dach, so dass man sich gegenseitig helfen könne. Denn manchmal komme ein älterer Mensch nur deshalb ins Heim, weil es niemanden gebe, der nach ihm sehe, erklärte Gabriele Schneider.

Das gäbe es in Wohngemeinschaften mit mehreren Generationen nicht. Solche wären aus ihrer Sicht zum Beispiel im obersten Geschoss der „Linde 13“ denkbar. Das ist aktuell noch eine Baustelle.

Unterstützung kommt vom Landkreis

Zuschüsse von Land oder Bund für die Seniorenarbeit gebe es nicht, antwortete Heidi Kuhring auf eine Frage von CDU-Stadtrat Thorsten Ade. Der Landkreis steuere jedoch etwas zu den Personalkosten bei und sei damit der einzige Landkreis in Baden-Württemberg und vielleicht sogar darüber hinaus, lobte Kuhring.

Der Betrieb des Öffentlichen Wohnzimmers in der Linde 13 komme im städtischen Haushalt übrigens quasi nicht vor. Alles, was man für die dortigen Aktivitäten benötige, werde über Spenden finanziert. Bei den personellen Kapazitäten könne man glücklicherweise auf die Unterstützung Ehrenamtlicher der MIO zählen.