Pflege zuhause: So geht’s im Schwarzwald-Baar-Kreis. Es gibt Ratgeber für Angehörige – welche Unterstützung es gibt, was sie kostet und wo es hakt.
Wenn der Vater nicht mehr alleine zurechtkommt, wird sein Alltag für seine Kinder nicht selten zur echten Herausforderung. Laut Studien gibt es deutschlandweit bis zu fünf Millionen von ihnen – pflegende Angehörige.
Die Dunkelziffer ist hoch, denn ganz viele Pflegesituationen sind vor allem eines: unsichtbar. Keiner hört sie, keiner sieht es, niemand bezahlt dafür. Und doch sind sie da, die Situationen, in welchen Pflegende ans Limit gehen. Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis.
Und die Hürden, welchen sie sich stellen, sind gewaltig – emotionaler, als auch physischer Natur. Nicht selten sogar finanzieller. Wo sie Hilfe erfahren, an welche Grenzen sie trotzdem stoßen, das ergründet unsere Redaktion bei der Recherche im Landratsamt.
Nur wenige in vollstationärer Pflege
Laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg gab es 2021 im Schwarzwald-Baar-Kreis 11 724 pflegebedürftige Personen, von denen 6026 ausschließlich durch Angehörige und 2134 vollstationär im Pflegeheim gepflegt wurden. Das entspricht dem Trend, denn von den etwa 4,1 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland (Stand 2021) werden lediglich rund 818 000, etwa 20 Prozent, in Pflegeheimen vollstationär versorgt. Der große Rest pflegt selbst oder lässt anderweitig pflegen und sucht nicht selten Hilfe – aus Kostengründen. Zwischen 3000 und 5000 Euro kostet ein vollstationärer Pflegeplatz im Schwarzwald-Baar-Kreis aktuell in etwa.
Alternative: die ausländische Pflegekraft
Im Schwarzwald-Baar-Kreis ist eine Anlaufstelle der Pflegestützpunkt Schwarzwald-Baar-Kreis. Auch 2024 wandten sich viele dorthin, in den allermeisten Fällen – 58,6 Prozent – waren es Angehörige, die diesen Schritt taten.
Die Fragen, die sie mitbringen, sind breit gefächert – ein Prozent erkundigte sich nach ausländischen Betreuungskräften. Warum so wenige, wenn man landläufig von so vielen im eigenen Umfeld weiß, die genau darauf setzen? Der Fall ist klar: Laut Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamtes, ist das die klassische Grauzone: „Wie viele pflegebedürftige Personen eine ausländische Betreuungskraft bei sich haben, kann so jedoch nicht nachvollzogen werden.“ In der Hilfe zur Pflege stelle die Versorgung durch eine ausländische Betreuungskraft eine Einzelfallentscheidung dar. Schätzungen gehen jedoch von 300 000 bis 600 000 ausländischen Betreuungskräften in deutschen Haushalten aus.
Entlastung für selbst Pflegende
Allen, die selbst pflegen, stehen wenigstens einige Entlastungsmöglichkeiten im Landkreis zur Verfügung: Tagespflege, ambulante Pflegedienste, Essen auf Rädern oder auch Betreuungsgruppen, haushaltsnahe Serviceangebote sowie Nachbarschaftshilfen gibt es.
Aber die Nachfrage ist laut Pflegestützpunkt enorm und übersteigt offenbar das Angebot. Nicht selten werde den Mitarbeitern rückgespiegelt, „dass Kapazitäten seitens der Anbieter fehlen“, schildert Frank.
Alleine im Pflegestützpunkt Schwarzwald-Baar-Kreis wurden die genannten Entlastungsmöglichkeiten 2024 zu circa 30 Prozent bei den Beratungen nachgefragt.
Für 131 Euro pro Monat, so hoch ist der sogenannte Entlastungsbetrag, dürfen Angehörige auch die anerkannten Unterstützungsangebote im Landkreis wahrnehmen. Eine ganze Liste davon hat das Landratsamt unter www.lrasbk.deusta.de zusammengefasst – hier gibt es etwa Betreuungsgruppen wie Café-Treffs für Menschen mit Beeinträchtigungen für beispielsweise 32,50 Euro pro Stunde zuzüglich einer Pauschale für einen eventuell notwendigen Fahrdienst dorthin, aber auch Nachbarschaftshilfen für beispielsweise zwölf Euro pro Stunde, häusliche Betreuungsdienste für Einkaufsfahrten oder Spaziergänge, aktivierende Hausbesuche für 25 Euro, Kegeltreffs für 30 Euro pro Veranstaltung oder einen Besuchsservice.
Hier gibt es Hilfe
Informationen
über die Pflegeversicherungsleistungen, Versorgungsmöglichkeiten als auch über die Angebotslandschaft im Schwarzwald-Baar-Kreis erhalten Ratsuchende beim Pflegestützpunkt Schwarzwald-Baar-Kreis – im Internet erreichbar unter www.lrasbk.de/pflegestuetzpunkt.
Broschüre
Gebündelte Informationen gibt es in der jährlich erscheinenden Informationsbroschüre „Alterszeit“ des Pflegestützpunktes – online abrufbar unter www.lrasbk.de/alterszeit
Anerkannte Unterstützungsangebote
Eine Liste der im Schwarzwald-Baar-Kreis angebotenen Hilfen gibt es unter www.lrasbk.de/usta.de – die Angebote sind nach Orten untergliedert. Abgerechnet werden kann ein solches Angebot über den Entlastungsbetrag, der bei 131 Euro monatlich festgesetzt worden ist. In der Übersicht wird auch dargestellt, welches Unterstützungsangebot wie viel kostet.