Für obdachlose Menschen ist der Winter ein Überlebenskampf, deshalb stellt die Stadt jedem, der um Obhut bittet, einen Schlafplatz zur Verfügung.
Ihren Kälteschutz für Obdachlose hat die Stadt im zweiten Jahr hintereinander im früheren Buswartehäuschen vor dem Hallensportzentrum eingerichtet: ein kleines Gebäude in Betonbauweise, das man von der Seite betritt, wobei eine Tür in den Männer- und eine andere in den Frauenraum führt. Daneben stehen hinter einem Sichtschutz zwei mobile Klohäuschen.
Wie sieht es drinnen aus?
Das Zimmer für Männer bietet zwei Doppelstockbetten mit Matratzen, also vier Schlafplätze, sonst gibt es keinerlei Einrichtung. Als der Autor dort am Sonntagmittag die Tür öffnete, war der Raum leer. Drinnen war es sauber und warm.
Wer dort unterkommen will, muss indes Regeln beachten, ist einem Aushang zu entnehmen. Demnach ist Lärm zu vermeiden, Abfälle müssen ordnungsgemäß entsorgt werden, Rauchen ist ebenso verboten wie offenes Feuer. „Kein übermäßiger Alkoholkonsum“, heißt es außerdem in Fettschrift. Wer gegen die Vorschriften verstoße, müsse mit einem Hausverbot rechnen.
Der Frauenraum gleich daneben hat nach Auskunft der Stadt ein Doppelstockbett mit zwei Schlafplätzen und ist nur nach Anmeldung zugänglich, sprich er ist normalerweise abgeschlossen.
Wie viele Menschen suchen dort in der Kälte Unterschlupf?
In diesem Jahr habe man erstmals um eine Voranmeldung im Café Löffel gebeten, um einen Überblick über den Bedarf zu erhalten, teilt der städtische Pressesprecher Nicolas Scherger auf Anfrage unserer Redaktion mit. Allerdings würden auch Menschen ohne Voranmeldung im Kälteschutz Zutritt erhalten. Sprich es ist auch möglich, dass Wohnungslose sich dort aufwärmen und übernachten, ohne dass die Stadt davon erfährt.
„In der Weihnachtszeit war es ruhig im Kälteschutz, es gab keine bekannten Nutzungen. Davor war seit der Eröffnung ein Mann bis Mitte Dezember regelmäßig vor Ort sowie gelegentlich ein zweiter Mann“, so Scherger.
Wie werden die Menschen dort versorgt?
Das Diakonische Werk übernimmt die soziale Betreuung in der Form, dass ein Mitarbeiter bei der Öffnung des Männerraums und der Schließung vor Ort ist und als Bindeglied zum Café Löffel und der Stadt Lahr agiert. Die Öffnungszeiten des Kälteschutzes (täglich von 15 bis 9 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen durchgehend) sind dabei an das Café Löffel angepasst, wo einige der Menschen auch die Sozialberatung durch die dortigen Mitarbeiterinnen Birgit Hügel und Ann-Sophie Walter in Anspruch nehmen.
Das Angebot des Kälteschutzes selbst sei jedoch niedrigschwellig, betont Scherger: Es gebe keine weiteren Ansprechpartner oder dauerhafte Betreuung vor Ort. Die Menschen seien aber dankbar, dass es die Möglichkeit für eine Übernachtung in einem warmen und trockenen Raum überhaupt gibt.
Tagsüber können sich Wohnungslose außerdem eben auch im Café Löffel in der Tramplerstraße aufhalten, wo sie duschen und Wäsche waschen können sowie ein warmes Essen erhalten.
Gab es irgendwelche Zwischenfälle oder Reibereien im Kälteschutz?
„Es läuft sehr ruhig“, stellt Scherger fest. Konkrete Zwischenfälle seien nicht bekannt, außer einer Sachbeschädigung, bei der der Thermostat abgerissen wurde.
Wie viele Obdachlose gibt es eigentlich in Lahr?
Auf diese Frage vermag die Stadt keine konkrete Zahl zu nennen, sie hat lediglich Anhaltspunkte dafür: In den städtischen Unterkünften seien derzeit rund 250 Menschen eingewiesen, die sonst auf der Straße stehen würden, inklusive der Anschlussunterbringung für Flüchtlinge.
Sowohl dem Café Löffel als auch der Stadt seien freilich einige Menschen bekannt, die freiwillig auf ein Obdach verzichten und auf der Straße leben würden. „Die Dunkelziffer dürfte jedoch erheblich höher sein“, ahnt Scherger.
Wie geht es mit dem Kälteschutz weiter?
Er werde noch bis zum Frühjahr geöffnet sein, heißt es aus dem Lahrer Rathaus. Der Zeitpunkt der Schließung hänge von der Wetterlage ab. Das Angebot sei indes auch für die kommende Wintersaison im Buswartehäuschen in der Martin-Luther-Straße vorgesehen.
Welches (Zwischen-)Fazit zieht die Stadt?
„Wir sind froh und dankbar, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Ortenaukreis und dem Diakonischen Werk auch in diesem Jahr wieder einen Kälteschutz anbieten können“, sagt Lucia Vogt, Leiterin des Ordnungsamts.
„Auch wenn die Nutzerzahlen in diesem Jahr geringer als in den Vorjahren sind, soll das Angebot auch im kommenden Jahr aufrecht erhalten bleiben, um Schutz vor Kälte und Nässe in der Winterzeit anbieten zu können.“
Über den Kälteschutz hinaus stehen bei der Stadt Lahr ganzjährig Notunterkünfte für Menschen ohne Obdach zur Verfügung. Lahrer Obdachlose können sich bei der städtischen Abteilung „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“ in der Schillerstraße 16 (Telefon 07821/ 9 10 03 76) melden und kommunal untergebracht werden, teilt die Verwaltung auf ihrer Internetseite mit.
„Grundsätzlich hat jeder Lahrer Obdachlose die Möglichkeit, sich im Ordnungsamt zu melden, wo ganzjährig eine Einweisung in eine Gemeinschaftsunterkunft möglich ist“, so Scherger.