In Bad Herrenalb gibt’s bald eine sozialtherapeutische Jugendhilfeeinrichtung in Vollzeit für Mädchen. Hierzu wird eine denkmalgeschützte Jugendstilvilla hergerichtet.
Im Bad Herrenalber Bauausschuss stand vorigen Monat das Vorhaben „Umnutzung Villa zu Jugendhilfeeinrichtung“ auf der Tagesordnung. Es gab keine Wortmeldungen, das Gremium stimmte zu.
In der Sitzungsvorlage wurde informiert: Die geplante Umnutzung betreffe die Einrichtung einer Jugendhilfeeinrichtung für Mädchen. Die bestehenden Räumlichkeiten böten ausreichend Platz für Wohngruppen, Freizeit- und Therapiebereiche.
Kaum verändert Die Villa „Friedenshöhe“ sei eine denkmalgeschützte Jugendstilvilla mit einer Wohnfläche von circa 850 Quadratmeter auf einem 2200 Quadratmeter großen Grundstück. Ursprünglich sei sie als Erholungsheim für Diakonissen errichtet und seither baulich kaum verändert worden.
Da die Villa über eine Vielzahl an Zimmern verfüge, seien nur geringfügige bauliche Veränderungen notwendig: So sollen in zwei großen Räumen Trockenbauwände zur Unterteilung in kleinere Zimmer errichtet werden. Bestehende Wanddurchbrüche würden geschlossen, um eine bessere Raumaufteilung zu ermöglichen. Und Türen angepasst, um eine „bessere Zugänglichkeit zu gewährleisten“.
Sinnvolle Nutzung
Historischer Charakter Im Sanitärbereich würden minimale Umbaumaßnahmen vorgenommen. Die Maßnahmen erfolgten im Einklang mit den Vorgaben des Denkmalschutzes und seien auf ein Mindestmaß beschränkt. Die geplante Nutzungsänderung der Villa „Friedenshöhe“ sei mit dem Ortsbauplan Friedenshöhe in Bad Herrenalb vereinbar. Durch die minimalen baulichen Eingriffe werde der historische Charakter des Gebäudes bewahrt, während man gleichzeitig eine sinnvolle Nutzung für eine soziale Einrichtung ermögliche. Die infrastrukturellen Voraussetzungen des Standorts unterstützten das Konzept, wodurch die Einrichtung „einen positiven Beitrag zur lokalen Gemeinschaft leisten kann“.
Je sechs Mädchen Zur sozialtherapeutischen Jugendhilfeeinrichtung im Landkreis Calw wird jetzt gegenüber unserer Redaktion mitgeteilt: Die fairWandlung gGmbH sei ein neuer freier Träger der Jugendhilfe, gegründet von den vier Pädagoginnen und Therapeutinnen Andrea Strauch, Barbara Strohmer, Marion Pliske und Kristin Strohmer (wohnhaft im Kreis Calw).
Für 24 Bewohnerinnen
Die sozialtherapeutische Wohngruppe für Mädchen im Alter von zwölf bis 18 Jahren befinde sich zukünftig in Bad Herrenalb und werde mit zwei Gruppen – je sechs Mädchen – voraussichtlich am 1. Juni starten. „Das Konzept ist für insgesamt 24 Bewohnerinnen in vier Gruppen ausgelegt. Die Mädchen, die in diesen Wohngruppen leben werden, können aus unterschiedlichen Gründen nicht oder nicht mehr in ihren Familien leben“, heißt es weiter. Viele von ihnen hätten in ihrem bisherigen Leben Erfahrungen gemacht, die sie herausfordern und belasten – sei es durch schwierige Lebensumstände, belastende Beziehungen oder Momente, in denen sie sich nicht gesehen und verstanden fühlten. Sie hätten in ihrem Umfeld häufig Abwertung, Ausgrenzung manchmal auch Gewalt und Missbrauch erlebt.
Besondere Unterstützung
Besondere Unterstützung „Bei manchen Mädchen entstanden Traumata, die zu Problemen und Auffälligkeiten in ihren Verhaltensweisen führten. Ihre Integrität wurde verletzt, ihre Bedürfnisse nicht gesehen und ihr Vertrauen in andere Menschen ist möglicherweise verloren gegangen“, so die Information.
Gerade junge Menschen sehnten sich nach Anerkennung und Zugehörigkeit und benötigen besondere Unterstützung. fairWandlung schaffe „mit erfahrenen und liebevollen pädagogischen Fachkräften sowie qualifizierten Therapeuten und Therapeutinnen ein geeignetes Umfeld“, in dem sich diese Mädchen wohl fühlten und sich gut entwickeln könnten.
„Die Mädchen leben (in der Regel) rund um die Uhr in der Wohngruppe, die für sie ein sicheres Zuhause sein soll. Eine Rückführung in die Ursprungsfamilien wird angestrebt, dies ist jedoch nicht in allen Fällen möglich. Deshalb können sie (auch) bis zu ihrer Verselbstständigung in der Einrichtung leben“, wird des Weiteren erklärt. Ziel sei es, den Mädchen neue Perspektiven zu eröffnen und ihnen den Glauben an sich selbst und ihre Zukunft zurückzugeben.
Neue Perspektiven
Geschützter Raum Die Jugendhilfe in Deutschland leiste viel, doch sie stehe derzeit vor großen Herausforderungen. Es fehlten Plätze, „die Anliegen und Bedürfnisse junger Menschen werden komplexer“ und Themen wie die Integration geflüchteter Jugendlicher oder die gelebte Inklusion forderten zusätzliche Aufmerksamkeit. Genau hier wolle fairWandlung ansetzen – und jungen Menschen einen geschützten Raum bieten, in dem sie wieder Vertrauen fassen und neue Perspektiven entdecken könnten.
Abschließend heißt es: „Die Idee zu fairWandlung entstand nicht am Schreibtisch, sondern auf einem gemeinsamen Spaziergang – im offenen Gespräch, mitten in der Natur. Es war ein Moment des Innehaltens, in dem der Wunsch wuchs, selbst etwas zu verändern. Aus einer zunächst vagen Idee wurde eine klare Vision. Eine Jugendhilfeeinrichtung, die mehr ist als ein Dach über dem Kopf – ein faires und behütendes Zuhause.“
www.fairwandlung-wohngruppe.de