Statt dem Papa mitten im Leben ist da nun ein Grab. Kinder trauern anders, oft still, weil Anlaufstellen fehlen. Doch hier gibt es die Regenbogenbrücke. Foto: © udra11 – stock.adobe.com

Wut, Angst, Trauer: Wenn Kinder einen geliebten Menschen verlieren, sind sie oft allein. Eine besondere Gruppe in VS gibt Halt und die Gewissheit: „Ich bin nicht allein!“

Wohin mit der Wut? Und wohin mit der Angst, den Sorgen, der tiefen Trauer, wenn Mama, Papa, Bruder oder Schwester sterben?

 

Diese Frage trieb auch Ines Flückiger um. Sie ist als Ehrenamtliche beim Hospizverein in Villingen-Schwenningen tätig und wusste nicht, wohin mit all den Bedürfnissen. Es war wieder mal einer dieser Fälle, die schon für Außenstehende schwer zu verdauen sind: Eine Mutter mit vier Kindern, das kleinste drei Monate, das älteste gerade einmal sechs Jahre alt – und plötzlich fehlt der Vater. Verstorben. Nicht mehr da.

Schwere Kost oder kaum aushaltbar

Was für Außenstehende schon eine schwere Kost ist, ist für die Familie selbst zunächst kaum auszuhalten. „Das war ein großer Schock, die Familie brauchte Begleitung“, war für Ines Flückiger deshalb klar. Doch die nächste Trauergruppe für Kinder und Jugendliche, in der sich die Kinder hätten öffnen können, wo sie hätten Anschluss finden und spüren können, „ich bin nicht alleine – es gibt auch andere, die keinen Papa mehr haben“, war in dem Moment weit weg. „In Rottweil gab es eine Gruppe“, erinnert sich Flückiger. Zu weit für diese und viele weitere Familien im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Ihr Entschluss stand fest: Auch hier sollte eine solche Trauergruppe für Kinder und Jugendliche eingerichtet werden und als Anlaufstelle dienen, wenn man nicht mehr weiß, wohin mit sich und dem ganzen Chaos in sich drin samt all der bohrenden Fragen.

Flückiger bekam schließlich den Tipp, dass ein Trauerbegleiter der katholischen Seelsorgeeinheit an der Eschach Ähnliches im Sinn habe. Der Plan wurde Wirklichkeit: Gemeinsam entstand 2020 die erste Trauergruppe für Kinder und Jugendliche in Villingen-Schwenningen: die Regenbogenbrücke.

Das Angebot traf einen Nerv. „Die Gruppe wird wirklich gut angenommen“, freut sich Ines Flückiger. „Ich habe neulich erst eine mega Rückmeldung von einer Mama erhalten, die erzählt hat, das sei der Termin im Monat, auf den ihr Kind hinarbeitet.“

So laufen die Treffen ab

Alle vier bis sechs Wochen kommt die Trauergruppe des Hospizvereins zusammen, der quasi das ehrenamtliche und finanzielle Rückgrat des Hospizes Via Luce von Maria Noce bildet, die sich seit Jahren in der Hospizarbeit engagiert und auch für das Kinder- und Jugendhospiz Sternschnuppe stark macht.

Wie so ein Gruppentreffen abläuft? „Wir treffen uns jetzt nicht und sagen, ’jetzt sind wir mal alle traurig und reden darüber’“, klärt die Hospiz-Mitarbeiterin auf. Klar gebe es Rituale – Kerzen für die Verstorbenen werden angezündet, ihre Namen werden ausgesprochen, da ist Raum für Erinnerungen und Gedanken.

Aber auch für ganz viel mehr: „Wir machen sehr oft auch etwas Kreatives, basteln zum Beispiel“, erzählt sie und schildert, wie Erinnerungsstücke für das Grab des geliebten Menschen entstehen oder besonders gestaltete Ziegel, die an einem festen Platz zum Innehalten und Erinnern einladen. Es darf gelacht und geweint werden gleichermaßen – und manchmal platzt ein Knoten und Kinder stellen Fragen oder erzählen von einem Erlebnis mit dem Verstorbenen, das noch immer an ihnen nagt. „Ein Kind hat mir dann zum Beispiel vom letzten Streit der Eltern untereinander erzählt“, sagt Flückiger und blickt selbst nachdenklich drein. Die richtigen Worte zu finden, das sei nicht immer leicht.

Deshalb ist die Gruppenleiterin auch froh, im Hintergrund auf eine Kinder- und Jugendpsychologin zählen zu dürfen, die signalisiert hat: „Ich bin immer und sofort da, wenn ihr mich braucht“ – so wie die Trauergruppe eben auch, ganz egal, wie lange die Kinder und Jugendlichen ihren Trauerweg in dieser Gemeinschaft gehen möchten.

Die Regenbogenbrücke

Die Trauergruppen
In zwei Gruppen können Kinder und Jugendliche Anschluss finden – eine für Kinder von sechs bis zwölf Jahren und eine zweite für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren, die sich gerade noch im Aufbau befindet.

Die Termine
Auf der Homepage des Hospizvereins www.hospizverein-vs.de stehen regelmäßig die aktuellen Termine für die Gruppentreffen.

Kontakt
Wer Infos oder Anschluss sucht, kann sich an Ines Flückiger wenden, per Mail an kinder@hospizverein-vs.de oder unter der Mobilfunknummer 0152/04 31 85 63.