Für den Wiederaufbau im Ahrtal wird jeder Euro gebraucht – die Spende von Heckler & Koch hat die Aktion Deutschland Hilft dennoch abgelehnt. Foto: Tittel/dpa

Die von der "Aktion Deutschland Hilft" abgelehnte Heckler & Koch-Spende für die Flutopfer im Ahrtal hat viele Reaktionen hervorgerufen. Auch bei Birgit Müller-Stark von der Firma Chrom-Müller Metallveredelung in Oberndorf. Sie hat ihre Spende aus Protest zurückgezogen. Jetzt hat das Geld dennoch den Weg ins Ahrtal gefunden.

Kreis Rottweil - "Als ich von der Ablehnung der Heckler & Koch-Spende gehört habe, ist mir schier die Luft weggeblieben", sagt Birgit Müller-Stark im Gespräch mit unserer Redaktion. Kurz zuvor hatten sie und ihr Mann selbst privat 5000 Euro für die Flutopfer im Ahrtal an die "Aktion Deutschland Hilft" gespendet, nachdem sie einen entsprechenden Aufruf im Fernsehen gesehen hatten.

 

Rechtschaffene Bürger

Über die Ablehnung der Spende von Heckler & Koch seien sie dann aber entrüstet gewesen, berichtet Müller-Stark. "Vor allem, hat mich gestört, dass auch das Geld der Mitarbeiter zurückgewiesen wurde", sagt sie. Schließlich handle es sich um rechtschaffene Bürger und ein gesetzeskonform und legal agierendes Unternehmen.

Die Mitarbeiter von Heckler & Koch in Oberndorf hatten, wie bereits berichtet, 7500 Euro für die Flutopfer im Ahrtal gesammelt, das Unternehmen hatte den Betrag dann auf 15 000 Euro aufgestockt. Die Gesamtspende wurde von der Aktion Deutschland Hilft (ADH) jedoch zurücküberwiesen mit der Begründung, dass man aus ethischen Gründen von einem Kriegswaffen-Hersteller keine Spende annehmen könne. Der Oberndorfer Waffenhersteller hatte den Vorgang publik gemacht und sein Befremden geäußert. Auch in der Bevölkerung wurde viel Unverständnis laut.

Aus Solidarität mit Heckler & Koch und als Zeichen des Protests hat deshalb auch Birgit Müller-Stark die Spende über 5000 Euro an die ADH zurückgefordert. "Auch unser Einkommen kommt letztlich aus Geschäftsbeziehungen mit Heckler & Koch – zwar nicht nur, aber eben auch", sagt Müller-Stark. Die Firma Chrom-Müller Metallveredelung in Oberndorf hat rund 100 Mitarbeiter und ist in der Metallveredelung für verschiedene Branchen tätig, darunter die Automobil-Industrie, die Luftfahrt, Medizintechnik, Maschinenbau und eben Wehrtechnik.

Geld umgehend überwiesen

Genau dies habe sie dann an die ADH in ihrer Mail, in der sie die Rückzahlung der Spende forderte, geschrieben. Es sei ihr wichtig gewesen, dass dort bekannt wird, warum das Geld zurückgezogen wird. Die Reaktion sei recht schnell gekommen: Man bedauere die Entscheidung, die selbstverständlich im Ermessen der Spender liege und werde den Betrag zurückerstatten, erklärte die ADH. Zwei Tage später sei die Spende bereits zurücküberwiesen worden.

Und natürlich suchte Birgit Müller-Stark derweil bereits nach Wegen, die 5000 Euro direkt an die Betroffenen im Ahrtal zu spenden. Sie sei letztlich auf den DRK-Kreisverband Ahrtal gestoßen, wohin sie das Geld dann umgehend überwiesen habe. Bei Telefonaten mit Helfer-Institutionen im Ahrtal, so berichtet die Oberndorfer Unternehmerin, seien diese sprachlos gewesen, dass die ADH die HK-Spende über 15.000 Euro zurückgewiesen hatte. "Denn dort braucht man wirklich jeden Euro."