Die vom Hochwasser betroffenen Menschen leiden noch immer unter der enormen Zerstörung. Karin Kohl unterstützt das Ahrtal bereits zum zehnten Mal mit Sachspenden.
Villingen-Schwenningen - Karin Kohl aus Schwenningen hat die vom Hochwasser betroffenen Menschen von Beginn an unterstützt. Am 10. August fährt sie ein weiteres Mal ins Ahrtal.
Noch weit von Normalität entfernt
"Zum Jahrestag der Flut war wieder viel mediale Aufmerksamkeit zu erkennen, doch darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass durch die Ukraine-Krise und deren Folgen, weiterhin Unterstützung nötig ist", schreibt Kohl. Zuletzt sei die Schwenningerin am 17. Juli im Ahrtal gewesen. "Die Stimmung im Ahrtal ist gemischt", schildert sie.
Viele seien erschöpft, vor allem aufgrund der noch fehlenden Gelder der Versicherungen. "Manche haben immense Kosten durch die Tatsache, dass ihre Kinder weiter in die alten Schulen gehen, doch die Wohnung (die als Notunterkunft oder Zwischenlösung gefunden werden musste) fast 40 Kilometer entfernt liegt", schreibt sie. Daher müssten die Kinder von den Eltern zur Schule gebracht werden, weil diese Strecken nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen seien.
Eine Katastrophe nach der Katastrophe
Von Normalität seien die Menschen im Ahrtal jedenfalls noch weit entfernt und teils am Rande der Erschöpfung und Verzweiflung. Grund sei auch die Schließung der Versorgungslager, die Ende Juli ihre Türen dicht gemacht hatten. "Und das, obwohl viele erst jetzt dazu kommen, die Renovierungen vorzunehmen, nachdem viele Monate lang die Häuser trocknen mussten", kritisiert Kohl. Die meisten seien nach wie vor auf kostenlose Baumaterialien angewiesen. Kohl schreibt: "Es ist eigentlich eine Katastrophe nach der Katastrophe."
Betroffene haben noch immer mit der Zerstörung zu kämpfen
"Was wir lernen ist Geduld", schildert eine Kollegin der Schwenningerin aus Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Die Keller seien noch nicht fertig und "das Haus im Garten, in das wir eine Woche vor der Flut einziehen wollten, muss erst komplett renoviert werden. Das war wieder ein kompletter Rohbau, bis auf den ersten Stock", beschreibt sie die nach wie vor schlimmen Zustände. Auch die Terrasse sei schlichtweg fortgespült worden und müsse neu gebaut werden. "Aber die Hauptsache, wir haben überlebt, der materielle Schaden ist enorm, aber irgendwie kriegen wir das im Laufe der Zeit hin", versucht sie sich zuversichtlich zu zeigen.
Menschen sind für Unterstützung dankbar
Die Menschen seien für die Unterstützung dankbar, schildert die Schwenningerin, das habe sie durch ihre dort bisher gepflegten Kontakte vielfach erfahren. Kohl ist froh, dass sie bisher ihren Caddy immer voll bekommen hat, auch für ihre nächste Fahrt haben sie wieder genug Spenden erreicht. Ihren Schwerpunkt habe sie inzwischen auf Sachspenden für Kinder und Jugendliche gesetzt. "Ich gehe aber davon aus, dass die Spendenbereitschaft nachlässt", vermutet Kohl und führt die hohen Nebenkosten und Spritpreise als Grund an. Durch ihre Arbeit im DRK Familientreff sei sie nun auch mit ukrainischen Müttern und deren Kinder konfrontiert und habe schon einige Sachspenden für sie organisiert, wie beispielsweise Schulranzen und Schultüten sowie Fahrräder und Kleinmöbel. "Was so nebenbei einfach möglich ist", schreibt Kohl. Jetzt freut sie sich aber zunächst darauf, zahlreiche Sachspenden am 10. August ins Ahrtal bringen zu können.