Ein Frachtschiff fährt in Düsseldorf an einer Gefahrentonne vorbei, die auf dem Trockenen liegt. Die Pegelstände des Rheins haben nach wochenlanger Trockenheit teils historische Tiefststände erreicht.. Foto: dpa/Federico Gambarini

Der Klimawandel wirkt sich massiv auf die Gewässer aus. Und Abhilfe ist teuer, kommentiert Klaus Zintz.

Es ist schon bedrückend, wenn der mächtige Rhein von Tag zu Tag immer weiter schrumpft. Auch wenn Bilder von ausgetrockneten, rissigen Uferregionen nicht so beängstigend erscheinen mögen wie die von verheerenden Bränden im Mittelmeerraum, so senden sie doch dieselbe Botschaft: Der heiße und trockene Sommer 2022 fordert viele ökologische und wirtschaftliche Opfer. Dazu gehören auch Flüsse, Bäche und Seen. Dabei ist eine wirkliche Entspannung nicht in Sicht. Zwar erwarten die Meteorologen in den nächsten Tagen endlich wieder einmal Niederschläge. Doch die werden die angespannte Situation vorerst wohl nicht nachhaltig verändern können.

 

Für das Ökosystem Fließgewässer und seine Bewohner bedeutet eine Hitze- und Dürrewelle wie in diesem Sommer mit niedrigem Wasserstand zweifellos Stress – mit dem die Natur aber noch umgehen kann, solange das Gewässer nicht ganz austrocknet. Doch natürliche Flüsse gibt es in unserer hochzivilisierten Landschaft kaum noch. So sind die großen Wasserstraßen als wichtige Verkehrswege mit Schleusen verbaut und mit tiefen Fahrrinnen ausgestattet. Vor allem aber sind sie Abwasserautobahnen, die unsere Hinterlassenschaften ins Meer befördern. Die werden zwar in Kläranlagen herausgeholt – aber eben nicht vollständig.

Die Belastung der Gewässer ist immens

Damit sind immer noch viel mehr Nährstoffe, aber auch schädliche Spurenstoffe wie etwa Arzneimittelrückstände in einem Bach oder Fluss, als dies von Natur aus der Fall wäre. Das setzt zum einen die im Wasser lebenden Organismen unter direkten Stress, etwa wenn Mikroschadstoffe wie Hormone wirken. Zum anderen kurbeln die nach wie vor zu reichhaltig vorhandenen Nährstoffe das Algenwachstum an. Das belastet den bei Hitze ohnehin gestressten Sauerstoffhaushalt des Gewässers weiter. Wenn dann über unerlaubte Einleitungen Giftstoffe dazukommen, dann ist wegen der hohen Temperaturen und der mangelnde Verdünnung die Gefahr noch größer, dass es zu einer Katastrophe kommt. Beim Fischsterben an der Oder war das womöglich der Fall.

Im Zuge der Erderwärmung werden auch in Deutschland sommerliche Hitze- und Trockenperioden zunehmen. Dabei zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass die errechneten Szenarien noch schneller eintreffen als angenommen. Die rasche Senkung klimaschädlicher Emissionen ist also ebenso unerlässlich wie die Anpassung an die neuen Umweltbedingungen. Immerhin wird die Abwasserreinigung mit der Entnahme von unerwünschten Spurenstoffen in der vierten Reinigungsstufe immer besser.

Neue Schiffe kosten sehr viel Geld

Den Fracht- und Fahrgastschiffen hilft dies jedoch nicht. Hier müssen neue Wege gefunden werden, um den wirtschaftlich wie umweltpolitisch wichtigen Transport von Massengütern auf dem Wasserweg zu gewährleisten. Da wird dann schnell die Forderung gestellt, vor allem an neuralgischen Stellen die Fahrrinne auszubaggern. Unabhängig von den damit verbundenen ökologischen Belastungen für das Ökosystem Fließgewässer helfen solche Eingriffe aber nur begrenzt weiter, weil ja der gesamte Fluss zu wenig Wasser führt, um die Ladekapazitäten der Schiffe auszuschöpfen. So bleibt auf lange Sicht nur, dass mehr kleinere Schiffe mit geringerem Tiefgang den Transport übernehmen müssen. Oder es müssen noch breitere und längere Schiffe gebaut werden, bei denen die Fracht auf eine größere Fläche verteilt wird. Das wird in jedem Fall enorm teuer. Die Niedrigwasser-Misere zeigt in aller Deutlichkeit, wie sehr uns die Folgen des Klimawandels in Zukunft belasten werden – und das in Bereichen, über die man sich früher kaum Gedanken gemacht hätte.