404 Mal waren ehrenamtliche Dolmetscher der Stadt Kehl 2025 im Einsatz. Nesrin Demirkiran berichtet von ihrer Arbeit, erinnert sich an schöne und auch herausfordernde Momente.
Nesrin Demirkiran ist vor einem Jahr mit ihrer Familie aus Freudenstadt nach Kehl gezogen. Kaum in der Rheinstadt angekommen, meldete sie sich sodann bei den städtischen Integrationsbeauftragten. „Ich möchte mein Sprachwissen einsetzen und Menschen damit helfen“, erläutert die 48-Jährige in einer Mitteilung der Stadt Kehl.
Dieser Wunsch begleite Demirkiran schon lange. Zusammen mit drei Geschwistern ist sie in der Nähe von Freudenstadt aufgewachsen. Das Dolmetschen kenne sie bereits von Kindesbeinen an. Aus Erzählungen ihrer Eltern weiß sie, dass es ehrenamtliche Unterstützung in der Form wie sie selbst sie anbietet, damals nicht gab. „Unsere Mutter hat quasi durch uns Deutsch gelernt“, berichtet sie. Damit nicht genug, engagierte sie sich vor ihrem Umzug nach Kehl bereits zehn Jahre lang als Ehrenamtliche im Dolmetscher-Netzwerk in Freudenstadt. Nach ihrem ersten Jahr als Sprachvermittlerin in Kehl stellt sie jedoch fest: „Der Bedarf ist hier deutlich höher.“ Zehn Termine hatte sie bislang als Sprachvermittlerin in der Rheinstadt. Das entspricht zwar in etwa ihrem Pensum in Freudenstadt, aber „mich erreichen in Kehl viel mehr Anfragen“.
Oft geht sie mit Klienten zum Arzt oder zur Kita
Häufig gehe es darum, Menschen zu einem Arzttermin oder zur Kita-Anmeldung zu begleiten. Als Beispiel erzählt Demirkiran von einem Frauenarzttermin in Kehl, zu dem sie eine Klientin begleitete. Die Frau kam nicht etwa aus der Türkei, sondern aus der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang in China und sprach ein sehr altertümliches Türkisch. Dennoch begleitete Demirkiran die Schwangere zu einer Elektrokardiographie. „Es war ein sehr rührender Termin“, erinnert sich die Sprachvermittlerin. „Die Klientin war unheimlich dankbar, dass sie überhaupt jemanden an ihrer Seite hatte, der für sie übersetzen konnte.“ Allerdings verlaufen nicht alle Termine so harmonisch: Demirkiran berichtet von einem Fall, bei dem sie ebenfalls eine Klientin zu einem Arzttermin begleitete. Diese wollte oder konnte sich jedoch nicht mit der gestellten Diagnose abfinden. Es kam zum Streit mit dem Mediziner. Demirkiran fiel dabei die schwierige Rolle zu, zu übersetzen und zu vermitteln. „Aber ich habe da ein dickes Fell“, sagt sie. Dennoch überwiegt für die 48-Jährige das Positive. „Verständigung zu ermöglichen und dadurch Erleichterung für die Menschen zu schaffen – das erfüllt mich“, berichtet sie.
19 Fremdsprachen werden übersetzt
Diese Einstellung teilt die ehrenamtliche Dolmetscherin mit 32 weiteren, die im vergangenen Jahr 404 Mal in Kehl im Einsatz waren und in einer von 19 Fremdsprachen übersetzten, betont die Stadt. Die Kosten für den Sprachpool lagen 2025 bei 2975 Euro. Sprachvermittler erhalten für ihren Einsatz eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 15 Euro pro Einsatz. Nimmt dieser mehr als eine Stunde in Anspruch, erhalten die Ehrenamtlichen je weitere halbe Stunde fünf Euro. Wichtig ist: Die Sprachvermittler werden über Institutionen wie den Bürgerservice oder das städtische Integrationsmanagement, Beratungsstellen des Diakonischen Werks oder der Caritas, das Jobcenter, Schulen, Kitas oder Arztpraxen beauftragt – nicht durch Privatpersonen, betont die Verwaltung. Derzeit hat der Sprachpool Bedarf an Vermittler für die Sprachen Dari, Farsi, Paschtunisch und Arabisch sowie für Rumänisch.