Nach Ruanda und Kenia ging es für eine Gruppe des Hechinger Hilfsvereins „Kinder brauchen Frieden“.
Um die Osterzeit reisten Heinz Wolfram, Julian Pandtle und Matthias Holzmann im Rahmen der Projektarbeit von „Kinder brauchen Frieden“ nach Kigali in Ruanda. Ziel der Reise war, den aktuellen Stand der Projekte vor Ort zu evaluieren sowie die Zusammenarbeit mit den lokalen Partnerorganisationen weiter zu vertiefen. Ergänzend führte die Reise nach Nairobi in Kenia, wo seit 2025 ein Day Care Centre aufgebaut und kontinuierlich unterstützt wird.
Wie die Vereinsmitglieder berichten, befindet sich die internationale Entwicklungszusammenarbeit in einem grundlegenden Wandel. „Steigende globale Krisenlasten, verschobene politische Prioritäten und begrenzte öffentliche Haushalte führen dazu, dass klassische Hilfsstrukturen zunehmend unter Druck geraten.“ Gleichzeitig verändern große internationale Organisationen ihre Strategien. In diesem Kontext rücken kleinere, flexibel agierende Akteure wie „Kinder brauchen Frieden“ noch stärker in den Fokus.
Hilfsstrukturen verschieben sich
Organisationen wie das World Food Programme und der UNHCR haben ihre Unterstützungsleistungen neu ausgerichtet. An die Stelle klassischer Sachleistungen – vornehmliche Nahrungsmittelrationen – treten zunehmend Bargeldtransfers. Ziel dieses Ansatzes ist es, lokale Märkte zu stärken und Eigenverantwortung zu fördern.
„Dieses Vorhaben ist vom Ansatz her vielleicht nicht ganz falsch, jedoch zeigt sich in der Praxis ein differenziertes Bild: In strukturschwachen Regionen mit begrenzter Marktverfügbarkeit und schwacher Kaufkraft stoßen monetäre Hilfen schnell an ihre Grenzen“, schreiben die Verantwortlichen von „Kinder brauchen Frieden“. Beträge von umgerechnet wenigen Euro pro Monat würden häufig nicht ausreichen, um eine verlässliche Grundversorgung sicherzustellen. Die Folge sei eine wachsende Versorgungslücke.
Eben dieses Problem herrscht im ruandischen Kiziba Refugee Camp. Hier werden von der UNHCR lediglich rund 3,50 Euro pro Monat pro Kopf investiert – ein Betrag, der den Lebensunterhalt nirgends sichern kann! „Aus diesem Grund ist es leider unumgänglich zum wiederholten Mal mehrere Tonnen Lebensmittel zu liefern um für etwa 200 besonders bedürftige Menschen, darunter Menschen mit Behinderungen, mangelernährte Kinder und junge Mütter, akute Abhilfe zu schaffen“.
Lokale Ansätze
„Kinder brauchen Frieden“ begegnet diesen Herausforderungen mit einem zweigleisigen Ansatz. Neben kurzfristiger Unterstützung zur Sicherung der Grundversorgung setzt der Verein gezielt auf langfristige Strukturentwicklung.
In enger Zusammenarbeit mit der ruandischen Partnerorganisation „Sinapisi“ werden Projekte umgesetzt, die auf Selbstversorgung und wirtschaftliche Stabilisierung abzielen. In Jali, im Umland von Kigali, werden kleinste landwirtschaftliche Initiativen umgesetzt, die es Familien ermöglichen, Teile ihres Nahrungsbedarfs eigenständig zu decken. Diese Initiative wurde in Zusammenarbeit mit der neu etablierten Schulpartnerschaft der Internationalen Deutschen Schule Sharjah initiiert. Außerdem kommen Mikrokreditprogramme zum Einsatz.
Bildung stabilisiert
Neben der materiellen Versorgung gewinnen Bildungs- und Betreuungsangebote an Bedeutung. In urbanen Armutsräumen wie Nairobi unterstützt „Kinder brauchen Frieden“ seit 2025 eine Einrichtung, die frühkindliche Betreuung ermöglicht. Speziell für alleinerziehende Mütter eröffnen solche Angebote Handlungsspielräume. Auch aktuellen Entwicklungen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, aber auch die weiterhin bestehenden Unterschiede in Räumen verdeutlichen die Notwendigkeit differenzierter und zugleich praxisnaher Ansätze.
Entscheidend bleibt für „Kinder brauchen Frieden“ die kontinuierliche Anpassung an lokale Gegebenheiten – denn nachhaltige Entwicklung ist „kein statisches Ziel, sondern ein dynamischer Prozess, der verlässliche Partnerschaften und langfristiges Engagement erfordert“.
Besonders für das Conny Day Care Centre im Nairobier Stadtteil Kawangware sind „Kinder brauchen Frieden“ und ihre lokalen Partner weiterhin auf Spenden angewiesen. Derzeit erhalten dort rund 50 Mütter mit ihren Kindern Zugang zu einer verlässlichen Betreuung.
Mit einem Betrag von etwa 1,20 Euro pro Kind und Tag wird eine regelmäßige warme Mahlzeit, frühkindliche Förderung sowie soziale Zuwendung durch qualifizierte lokale Fachkräfte sichergestellt.
Spenden
Wer helfen will, die Arbeit des Vereins zu unterstützen: Spendenkonto bei der Sparkasse Zollernalb, IBAN: DE69 6535 1260 0079 2340 34Alle Infos zu „Kinder brauchen Frieden e.V.“ gibt es im Internet unter www.kinder-brauchen-frieden.de