Wer seine Wohnung verliert, findet nur schwer in ein geregeltes ­Leben zurück. Foto: dpa/Paul Zinken

Das Projekt Hila – Housing First für Frauen, das sich um ein neues Zuhause für von Wohnungslosigkeit betroffenen Frauen kümmert, läuft seit Januar dieses Jahres in Freiburg. Das Konzept ist vielversprechend, doch es fehlt an geeigneten Wohnungen.

Dem Konzept „Housing First“, das seit einigen Jahren in deutschen Großstädten angewandt wird, liegt die Annahme zugrunde, dass ein frei verfügbarer Schutzraum ein Grundbedürfnis aller Menschen ist. Mit der Wohnungslosigkeit gehen oft weitere Probleme einher: Arbeitslosigkeit und Armut, Erkrankungen und auch Drogensucht. Der Ausstieg aus der Wohnungslosigkeit ist daher ein erster Schritt, aus diesem mehrdimensionalen Teufelskreis herauszukommen.

 

Bei wohnungslosen Frauen stellt sich die Situation noch problematischer dar, wie Katharina Buchheit und Paula Tümpel von der Freiburger Anlaufstelle für wohnungslose Frauen „Hila“ bekräftigen: „Frauen benötigen besonderen Schutz, weil sie besonders gefährdet sind.“

Obdachlose Frauen meiden die Öffentlichkeit

Rund ein Viertel aller wohnungslosen Menschen sind Frauen, allerdings sind diese in der Regel nicht „auf Platte“ anzutreffen. Oft werde die Obdachlosigkeit von den Frauen selbst versteckt – aufgrund der Gefahr von Übergriffen suchten sie alternative Lösungen und kämen beispielsweise auf Zeit bei Bekannten unter. Aber daraus resultierten neue Abhängigkeitsverhältnisse, die nicht selten mit Gewalt und Nötigung einhergingen, so Tümpel.

Zusammen mit dem übergeordneten Projekt Brückenschlag ist Hila ein Versuch, dieser Problemlage zu begegnen und von Wohnungslosigkeit betroffenen oder bedrohten Frauen eine neue Bleibe zu vermitteln.

Team ist gut aufgestellt

Der Start verlief vielversprechend. Nach der Zusammenstellung des Teams – neben den zwei Sozialarbeiterinnen Buchheit und Tümpel gibt es eine psychiatrische Krankenpflegerin sowie eine technisch-pädagogische Fachkraft –, haben die Sozialarbeiterinnen mit der Wohnraumakquise, der Anmietung von geeigneten und finanzierbaren Wohnungen in Freiburg und Umgebung begonnen.

Katharina Buchheit (links) und Paula Tümpel von Hila – Housing First für Frauen setzen sich für obdachlose Frauen in Freiburg ein. Foto: Jan Boller

„Das ist Schwerstarbeit, das Thema Wohnraumakquise ist zäh“, sagt Buchheit mit Verweis auf die Wohnungsknappheit. Mit der Vonovia und der Evangelischen Stiftung Schönau hat Hila mittlerweile zwei Partner an der Hand, von der Freiburger Stadtbau gibt es die Zusage auf Zusammenarbeit. Im Moment hat Hila drei Wohnungen akquiriert, eine in der Innenstadt, zwei in Teilorten Freiburgs. Dort ist es etwas einfacher, an Wohnungen zu kommen, allerdings sei es selten empfehlenswert, die Menschen aus ihrer vertrauten Umgebung herauszureißen.

In Freiburg wiederum kämpfen nicht nur Privatpersonen, sondern auch Einrichtungen um die wenigen Wohnungsplätze. Bei Hila ist laut Tümpel der Bedarf an Einzimmerwohnungen groß, das Angebot in Freiburg sei jedoch gering. Deswegen gestalte sich ihre Suche nach Wohnungen bei Frauen mit Kindern einfacher als bei alleinstehenden Frauen.

Private Vermieter haben oftmals viele Vorurteile

Welche Personen überhaupt im Sinne von Hila berechtigt sind, sei im Zweifelsfall Abwägungssache: „Die Medizinstudentin, die bisher noch keine Wohnung gefunden hat, ist aber sicher keine Adressatin“, so Buchheit.

Zum Konzept von Brückenschlag und Hila gehört auch, Überzeugungsarbeit bei privaten Wohnungseigentümern zu leisten. Das sei nicht immer einfach, berichtet Buchheit. Tiefsitzende Vorurteile hinderten Vermieter oft daran, ihre Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Tümpel verweist auf ein Paradox: Eben weil man Frauen auf Platte öffentlich kaum sehe, greife man immer wieder auf stereotype Vorstellungen von obdachlosen Menschen zurück. Mit der Realität habe das wenig zu tun: „Unsere zwei Wohnungen, die wir schon länger begleiten, sind beide in einem Top-Zustand“, stellt Tümpel klar.