Ob Höhenrettung, Adipositas-Einsatz oder Suche im Wald – die Bergwacht Rottweil ist vielseitig gefordert. Jetzt soll eine Drohne helfen.
„Mein Vater und mein Bruder waren schon in der Feuerwehr, deshalb hat es mich hierher gezogen“, verrät Ralf Banholzer, stellvertretender Bergwachtleiter, seine Motivation, sich bei der Bergrettung zu engagieren. Der 54-Jährige ist seit 1989 dabei.
Dass Rottweil eine Bergrettung hat, ist nicht jedem bekannt. Viele vermuten eine Bergwacht nur in Hoch- oder Mittelgebirgen. Die Bergwacht Rottweil gehört zum Verband Württemberg, ist eine gemeinnützige Rettungsdienstorganisation und Teil des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).
Zu den Hauptaufgaben gehören die Höhenrettung und Einsätze in unwegsamem Gelände. Doch auch bei der Luftrettung, der Suche nach vermissten Personen oder der sogenannten Adipositasrettung werden die Ehrenamtlichen alarmiert.
Wenn eine Person zu schwer für einen herkömmlichen Krankentransport ist, wird sie mithilfe spezieller Tragen und Seilzüge aus dem Wohnhaus in die Notaufnahme gebracht. Diese Einsätze seien keineswegs selten, sagt Banholzer. Meist werde die Bergwacht von der Feuerwehr angefordert, wenn deren Ausrüstung das zulässige Maximalgewicht übersteigt – ab etwa 230 Kilogramm. Im vergangenen Jahr wurde die Bergwacht zweimal in Sulz und einmal in Tuttlingen zu solchen Einsätzen gerufen.
Enge Kooperation mit Feuerwehr und DRK
Die Zusammenarbeit mit den Kollegen des DRK und der Feuerwehr sei sehr eng, berichtet Banholzer. Auch bei der geplanten Anschaffung einer Drohne stimme man sich eng mit der DRK-Wache in Rottweil ab.
Nicht nur Mitglieder der Bergwacht, sondern auch des DRK sollen an dem neuen Gerät geschult werden. Zwar seien Drohnen bislang nicht als offizielles Rettungsmittel anerkannt, dennoch sieht Banholzer großes Potenzial darin, die Hilfe im Notfall zu verbessern.
Hightech für die Rettung
Drei Jahre lang befasste sich eine interne Arbeitsgruppe mit dem Thema und wog das Für und Wider ab. Denn die Anschaffungskosten sind mit rund 30 000 Euro nicht unerheblich. Die Drohne ist unter anderem mit einer Wärmebildkamera, Nachtsichttechnik und Schutz vor Spritzwasser sowie Rotorvereisung ausgestattet. Sie kann Ziele in bis zu 1800 Metern Entfernung präzise anvisieren.
Man gehe davon aus, dass Einsätze mit Drohne bis zu eineinhalb Stunden früher erfolgreich abgeschlossen werden könnten. Vor allem die Suche nach vermissten Personen oder die Einschätzung des Geländes könnten so erheblich erleichtert werden. Bisher ist man oft auf ortskundige Helfer angewiesen.
Die Drohne wurde überwiegend über Spenden finanziert. „Wir sind der Kreissparkasse und der Firma Hermle sehr dankbar“, sagt Banholzer. Denn anders als die Feuerwehr, die kommunal bezuschusst wird, ist das DRK – und damit auch die Bergwacht – ein eingetragener Verein. Viele Ausrüstungsgegenstände, etwa Schuhe, zahlen die Mitglieder selbst.
Starkes Team – ehrenamtlich im Einsatz
Im Kreis Rottweil gibt es derzeit 28 Mitglieder, davon 18 vollausgebildete Höhenretter. Fast jeden Montag treffen sich die Freiwilligen, um miteinander zu üben. Die Weiterbildungen zum Höhenretter und zum Drohenpilot kommen dann noch dazu. Im vergangenen Jahr wurde die Bergwacht zu 31 Einsätzen alarmiert. Dabei entscheidet die Leitstelle stets nach dem Prinzip: Das nächstgelegene Fahrzeug wird alarmiert – daher kommt es auch zu Einsätzen in Nachbarlandkreisen.
Drei Fahrzeuge stehen im Kreisgebiet bereit – eines in der Kreisstadt, eines in Gosheim und eines auf dem Sulgen. Aus Gosheim würden mehrer Mitglieder der Bergwacht wohnen und deshalb sei dort einer der Einsatzwagen stationiert. Regelmäßige Übungen fördern die Koordination und das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Rettungskräften.
Jeder kann mitmachen – wenn der Wille da ist
„Wir bringen es jedem bei“, antwortet Banholzer auf die Frage, was man mitbringen müsse, um Teil des Teams zu werden. Zur Zusatzqualifikation „Höhenretter“ werden 20 Stunden benötigt. Eine Voraussetzung zur Prüfung ist das Klettern einer Strecke im Schwierigkeitsgrad fünf. Das sei anspruchsvoll, doch die Anwärter würden gut darauf vorbereitet.