Der Werkzeug- und Formenbau in Deutschland steht zwar selten im Rampenlicht, muss sich aber beleibe nicht verstecken: Darin war sich ein Runder Tisch mit Vertretern des VDWF um Präsident Thomas Seul (links; Mitte) und dem Mittelstandsbeauftragten der Bundesregierung, Thomas Bareiß (rechts), einig.Foto: VDWF Foto: Schwarzwälder Bote

Wirtschaft: Verband der Werkzeug- und Formenbauer trifft sich bei Firma Biesinger in Hart zum Runden Tisch

Der Werkzeug- und Formenbau ist womöglich die technologieintensivste und innovationsfreudigste Branche Deutschlands. Nirgends auf der Welt wird eine solche Qualität erreicht wie bei den deutschen Werkzeugmachern.

Der Werkzeug- und Formenbau ist womöglich die technologieintensivste und innovationsfreudigste Branche Deutschlands. Nirgends auf der Welt wird eine solche Qualität erreicht wie bei den deutschen Werkzeugmachern.

Haigerloch-Hart. Doch die Branche ist trotz ihrer Schlüsselposition in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Das hat nach Einschätzung von Thomas Seul, Präsident des Verbands Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF), einen bestimmten Grund: "Unsere Produkte sieht man nicht im öffentlichen Leben."

Um die Politik für die Bedeutung der Branche zu sensibilisieren, fand deshalb in Hart beim Werkzeugbau-Unternehmen Biesinger ein runder Tisch statt. Dort sprach in einer zweistündigen Diskussionsrunde der Parlamentarische Staatssekretär und CDU-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Zollernalb-Sigmaringen, Thomas Bareiß, in seiner Funktion als Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung mit Vertretern und Mitgliedern des VDWF.

Ein großes Problem für die häufig 20 bis 30 Mitarbeiter zählenden Unternehmen der Werkzeug- und Formenbauerbranche ist nach den Worten von Präsident Seul die Vorfinanzierung, in welche sie gehen müssen. Man müsse Waren einkaufen und benötige die passenden Maschinen, die üblicherweise rund 600 000 Euro kosten.

Damit sei die Herstellung eines Werkzeugs ausgesprochen teuer. Weil die Endprodukte der Kunden erst zeitverzögert in Produktion gehen, müsse ein Werkzeug- und Formenbau-Betrieb deshalb auch mal über ein Jahr auf seine letzte Teilzahlung und somit auf den Gewinn aus einem Projekt warten. Entsprechend verringere sich die Handlungsfähigkeit bei neuen Aufträgen.

Auch der internationale Wettbewerb und der dabei entstehende Preisdruck macht den vielen kleinen Unternehmen der Branche zu schaffen. Dass ausländische Konkurrenz – etwa aus Asien – Werkzeuge und Formen deutlich günstiger auf den Markt bringen können, liegt laut VDWF nicht nur an niedrigeren Arbeitslöhnen, oder an der Tatsache, dass Werkzeugbau-Unternehmen weltweit oft Großbetriebe oder Konzerne sind. Es sind vor allem die staatlichen Förderprogramme in anderen Ländern, die den Wettbewerb verzerren: Um die Subventionierung der Branche kümmert sich in China ein eigenes Ministerium, in Portugal erhalten Werkzeugmacher Unterstützung beim Kauf ihrer Produktionsmaschinen und in Kanada hilft der Staat den Unternehmen mit Bürgschaften bei der Vorfinanzierung der materialintensiven Projekte.

Darüber hinaus wurde bei der Firma Biesinger in Hart auch über Themen wie Ausbildung, Forschung Energiekosten, Export und Internationalisierung gesprochen.

Für den parlamentarischen Staatssekretär Thomas Bareiß leistet der deutsche Werkzeug- und Formenbau einen wichtigen Beitrag zur deutschen Wirtschaft. Daher gelte es, für die Bedürfnisse der vielen "Hidden Champions" dieser Branche zu sensibilisieren.

Um die Diskussion weiter in Schwung zu halten, lud Bareiß die Teilnehmer zu einem Treffen in Berlin ein. Dort soll das Gespräch in einer größeren Fachrunde fortgeführt werden

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