Timo Harpain (links) und Felix Hofmann haben in Bergfelden ein Paradies für Pferde geschaffen. Foto: Cools

Top-Fußballer vom FC Bayern, frühere Formel-1-Weltmeister und die Polo-Elite – sie alle vertrauen ihre Pferde Timo Harpain und Felix Hofmann an. Die beiden Männer haben in Bergfelden eine Wellness-Oase für die Vierbeiner geschaffen.­

Sulz-Bergfelden - Der eine laut und lebhaft, der andere ruhig und geduldig – Felix Hofmann und Timo Harpain wirken sehr unterschiedlich, ergänzen sich bei der Arbeit jedoch bestens. Was sie verbindet, ist, neben dem Humor, die Liebe zu den Pferden.

 

Mit Pferden aufgewachsen

Hofmann betreibt seit 17 Jahren eine Transportfirma für Pferde und sorgt dafür, dass diese, auch über Ländergrenzen und Ozeane hinweg, sicher von A nach B kommen. "Ich bin mit Pferden aufgewachsen", erklärt er. Früher war der 37-Jährige sogar ein erfolgreicher Springreiter und schaffte es bis in die Klasse S. Heute hat er noch sieben eigene Pferde – "darunter ein paar Rentner", wie er lachend sagt.

Passionierte Reiter sind auch Timo Harpain und seine Frau. 2017 kaufte der 38-Jährige, der zusätzlich noch eine Zimmerei hat, den heutigen Hof an der Oberndorfer Straße in Bergfelden. Da traf es sich gut, dass Hofmanns Kundenstamm gewachsen war und er mehr Platz für seine vierbeinige Kundschaft benötigte. So wurden die früheren Schweineställe in Pferdeboxen und Offenställe umgebaut. Und Harpain und Hofmann gründeten "HH-Services".

Kunden aus aller Herren Länder

Mittlerweile sind dort auf zwölf Hektar Fläche Pferde von Kunden aus aller Herren Länder untergebracht, derzeit rund 55. Die meisten von ihnen sind Polopferde, die über den Winter da sind und wieder abgeholt werden, wenn die Saison losgeht, wie Hofmann erklärt. Ihre äußerst betuchten Besitzer, die unter anderem aus den USA und Argentinien kommen, sind größtenteils Mitglieder des Poloclubs Zürich. Hofmann kümmert sich um Transporte aller Art – vom Umzug bis zum Weg zu Turnieren, Tierkliniken, Auktionen oder Rennen.

"Wir organisieren viele Transporte über die Schweizer Grenze. Da hat der Zoll aber immer nur von 7 bis 17 Uhr geöffnet. Wenn ein Pferd außerhalb dieser Zeit ankommt, bringen wir es deshalb über Nacht hier in Bergfelden unter", erklärt der 37-Jährige. Bei seinen Polo-Club-Kunden habe er meist nur mit den Managern der Pferdebesitzer zu tun. "Die Besitzer sind überwiegend wohlhabende Unternehmer. Manche reisen per Helikopter zum Spiel an", erzählt er.

Promis als Kunden

Zu Hofmanns Kunden gehören aber beispielsweise auch prominente Sportler, die ihm ihre eigenen oder die Pferde von Familienangehörigen anvertrauen. Dazu zählen unter anderem ein Stürmer und ein Funktionär des FC Bayern, aber auch ein bekannter Ex-Formel-1-Weltmeister.

Tausende von Pferden transportieren "HH-Services" jährlich. Der Wert reicht dabei von 20.000 Euro bis zu mehreren Millionen Euro, je nach Pferd. In Bergfelden sollen die Vierbeiner dann so eine Art Ferienprogramm erleben, wie Hofmann erklärt. Die Tiere werden in einem Offenstall gehalten, haben rund um die Uhr Zugang zu Futterplatz und Tränke und viel Platz, um sich draußen mit Artgenossen auszutoben. "Einige der Pferde kommen aus Argentinien. Die sind es gewöhnt, draußen in der Pampa unterwegs zu sein und genießen diese Freiheit", weiß Felix Hofmann.

Wöchentlich ein Flugzeug

Während die Vierbeiner sich entspannen können, hat Hofmann alle Hände voll zu tun. Ein Teil der Pferde wird bald nach England transportiert, ein anderer nach Mallorca. Parallel kommt wöchentlich ein Flieger aus den USA mit neuen Pferden an. Problematisch zudem: "Wenn wir hier ins Bett gehen, dann wacht der Rest der Welt auf. Deshalb wird es oft spät, weil man mit Kunden im Ausland telefonieren muss", sagt Hofmann.

Absprachen, Transporte organisieren, Termine beim Tierarzt einplanen, weil man für den Grenzübertritt eine Gesundheitsbescheinigung braucht – da ist es wichtig, den Überblick zu behalten, vor allem, wenn es zu Krankheiten oder Verletzungen kommt. Für den Pferdefreund kein Problem: "Ich kenne die Pferde, die hier untergebracht sind, ganz genau und bemerke sofort, wenn etwas nicht stimmt."

So sei das auch bei den Mitarbeitern, sagt Hofmann. "Alle, die bei uns arbeiten, sind entweder mit Pferden aufgewachsen oder Landwirte. Nur dann kann man wirklich einschätzen, ob mit den Pferden alles in Ordnung ist." Zwei Mitarbeiter sind bei "HH-Services" angestellt, weitere vier bei "Hofmann Pferdetransporte". Sieben Fahrzeuge stehen zur Beförderung zur Verfügung.

Markthalle in Oberndorf

Mit dem Hof, dem Pferdetransport und der Zimmerei haben Harpain und Hofmann alle Hände voll zu tun. Trotzdem läuft parallel noch ein weiteres Projekt. So hat das Duo Anfang 2021 das Oberndorfer Bahnhofsgebäude gekauft. Mehr als eine Million Euro investieren die beiden in den Umbau.

Oben sollen Wohnungen entstehen, im Erdgeschoss eine Markthalle mit ausschließlich regionalen Produkten. "Ich glaube, jeder möchte gern wissen, wo sein Essen herkommt", sagt Timo Harpain, der nebenbei auch Jäger und Landwirt ist. Dabei stehe vor allem das Tierwohl im Fokus. Eine Pächterin aus Bergfelden, die das Konzept im Sinne von Harpain und Hofmann umsetzen wird, ist auch schon gefunden.

Sozial engagiert

Neben all diesen Aufgaben und Plänen haben die beiden Männer auch noch Zeit gefunden, sich sozial zu engagieren. So hat Hofmann in Kooperation mit einer Tierklinik in der Schweiz einen Hilfstransport von Medikamenten in die Ukraine organisiert.