HGV-Vorsitzender Bernd Flohr sieht Balingen im Bereich Einzelhandel gut aufgestellt – trotz schwieriger Wirtschaftslage. Auch den Leerstand sieht er nicht so dramatisch.
Bernd Flohr ist seit 2011 Vorsitzender des HGV Balingen. Bis 2026 wird er dieses Amt mindestens bekleiden. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickte er auf das abgelaufene Jahr zurück und verrät, wie es um die Lage der Händler in der Kreisstadt bestellt ist.
„Das Jahr 2024 war insgesamt, so ist mein Eindruck, trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage für die meisten Händler zufriedenstellend“, bilanziert Flohr. Die Erwartungshaltung sei auch nicht mehr dieselbe wie noch vor 15 Jahren. So müsse man aktuell zufrieden sein, wenn die Zahlen stagnieren und nicht steil nach oben gehen.
Weihnachtsgeschäft hat sich gewandelt
Was sich laut Flohr ebenfalls geändert hat: das Weihnachtsgeschäft. „Noch vor Jahren war der Dezember der mit Abstand verkaufsstärkste Monat. Das ist mittlerweile nicht mehr so extrem.“ Allerdings hob der 58-Jährige im Jahr 2024 den 23. Dezember besonders hervor, „der bei manchen Händlern extrem gut verlaufen ist“, so Flohr.
Ein besonderes Highlight 2024 war für den HGV die Einführung der sogenannten Balingen Card, die die bisherigen Balinger Einkaufsgutscheine ablöst. „Hier war klar, dass wir den nächsten Schritt in Richtung digitales Angebot gehen“, erklärt der HGV-Vorsitzende.
Im nun angelaufenen Jahr wolle man dafür sorgen, dass die Balingen Card noch weiter an Akzeptanz gewinnt. „Aktuell haben wir gut 50 Partner. Beim vorherigen Gutscheinsystem waren es 90. Da wollen wir noch weitere Anlaufstellen hinzugewinnen“, sagt Flohr.
Flohr: brauchen Menschen in der Stadt
In der Gartenschau vor zwei Jahren, dem Christkindlesmarkt und den vielen Veranstaltungen, die in Balingen angeboten werden, wie etwa World Press, RV Bang und Kulturfestival, sieht Flohr das Fundament für die Attraktivität der Stadt Balingen.
„Wir brauchen Menschen in der Stadt“, betont Flohr. Durch die vielen Veranstaltungen kommen diese nach Balingen, „und davon profitieren dann wieder die Händler“.
Und parken diese potenziellen Kunden auch weiterhin kostenlos in Balingen? Flohrs Blick auf dieses Thema ist sehr realistisch: „Mir ist klar, dass in Zeiten klammer Kassen auch die Stadt schauen muss, wie sie Geld einnimmt.“
Parkgebühren sogar eine Chance?
Aus diesem Grund wird die Stadt nach seiner Einschätzung nicht drumrum kommen, irgendwann Gebühren einführen zu müssen. „Nur wenn das kommt, bitte ich darum, dass dieser Schritt nicht radikal vonstatten geht“, appelliert Flohr an die Stadt.
Er könne sich gut vorstellen, dass man immer noch die ersten drei Stunden kostenlos parkt und erst ab diesem Moment gezahlt werden muss. „Dadurch hat man sogar die Chance auf mehr Bewegung auf den Parkplätzen und einem höheren Austausch an potenziellen Kunden.“ Flohr sieht mögliche Parkgebühren also nicht als Belastung, sondern als Chance für noch mehr Käufer in der Stadt.
In Sachen Leerstand steht die Stadt Balingen aus HGV-Sicht nicht schlechter da als andere Kommunen – im Gegenteil. Flohr: „Ja, es kann schon vorkommen, dass Leerstände sich länger hinziehen als noch vor einigen Jahren, aber dafür ist eigentlich immer gewährleistet, dass ein Nachfolger gefunden wird und ein neues Geschäft wieder öffnet.“