Die Obernheimer Hexenzunft hat sich alle Optionen bis zuletzt offen gehalten. Spätestens seit dem Erlass der aktuellen Corona-Verordnung steht fest, dass es keine Fasnetsveranstaltung im Narrenfreistaat Oberhan geben wird.
Obernheim - "Wir dätet gern was a dr‘ Fasnet mache, aber wir dürfet net wia ma wellet" – so meltete sich die Obernheimer Hexenzunft zu Beginn der heißen Phase der Fasnet mit einer Stellungnahme zurück. Bereits im Dezember sagte die Hexenzunft alle Großveranstaltungen wie den Umzug und den Showtanzabend ab – aber unter Vorbehalt, dass es je nach Coronalage noch kleinere, närrische Alternativen geben wird.
Doch diese Hoffnung währte nur kurz: "Bis zuletzt haben wir versucht, für euch eine Veranstaltung durchzuführen. Zwar in anderer Form, aber zentral mit Elementen unserer Hexenfasnet, als Freiluftveranstaltung im Pfarrgarten." Doch der Plan ist mittlerweile Makulatur. Nach ausgiebiger Diskussion im Zunft- und Hexenrat hat sich die Zunft Anfang Februar dazu entschlossen, die Idee nicht weiter zu verfolgen.
2G und FFP2
Grund dafür ist – man kann es sich denken – die aktuelle Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg, die das Sozialministerium am 27. Januar auf den Weg gebracht hat. Diese definiert nämlich, wie Fasnet möglich sein kann – und das ist in der Tat nicht leicht durchsetzbar. Die Vorschriften sehen unter anderem eine strikte 2G-Regelung mit Einlasskontrolle vor; außerdem eine FFP2-Maskenpflicht im Freien. Zudem darf es keine Durchmischung mit nicht zugelassen Gästen stattfinden. Oben drauf dürfte nur eine begrenzte Anzahl an Fasnetsfreunden in den Pfarrgarten gelassen werden. Die Anordnung des Sozialministeriums untersagt auch das Tanzen und Singen – laut der Hexenzunft ist das gerade das, wovon die Fasnet lebt. Das Konzept müsse niet- und nagelfest sein – denn mit Kontrollen durch die Behörden sei jederzeit zu rechnen und für alle möglichen Eventualitäten ein Konzept aufzustellen.
Eine große Unbekannte ist und war, mit welchem Ansturm die Hexenzunft rechnen müsste – und ob sie diesen in den Griff bekäme.
Enge Abstimmung mit Bürgermeisteramt
Die Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte (VASn) und die Arbeitsgemeinschaft der Narrenvereinigungen im deutschen Südwesten (ARG e) habe sich bis Ende Januar bemüht, eine Lösung für die Durchführung einzelner Veranstaltungen der Fasnet in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium und dem Sozialministerium zu finden. Das Ergebnis waren die neuen Auflagen zur Durchführung von Veranstaltungen.
Die Hexenzunft hat dann in enger Absprache mit dem Bürgermeisteramt die Möglichkeiten für Obernheim erörtert. "Hier hat uns die Gemeinde und die Pfarrgemeinde auf das Beste unterstützt", heißt es aus der Hexenzunft. Die Entscheidung, alle Fasnetsveranstaltugnen abzusagen und auch keine alternative, coronakonforme Veranstaltung anzubieten, sei niemandem leicht gefallen, diene aber dem Wohle aller.
"Auch der finanzielle Aspekt darf bei solchen Entscheidungen nicht außer Acht gelassen werden", heißt es weiter. "So hätten wir für die Einlasskontrolle auf Fachpersonal einer Sicherheitsfirma setzen müssen, was nicht unerhebliche Kosten verursacht hätte."
Hechel wird an der Haustür verkauft
Aber es gibt auch erfreuliche Nachrichten zur Fasnet 2022: Am Samstag und Sonntag, 26. und 27. Februar, wird die Hexenzunft eine Familien-Rallye für Jung und Alt im Ort durchführen. Zudem ist ein Online-Backkurs für Fasnetsküchle geplant.
Und natürlich muss die Fasnet nicht ausfallen, nur weil das gemeinsame Feiern flach fällt. Die Hexenzunft ruft dazu auf, dass Obernheimer, die ein Instrument beherrschen, gerne Fasnetsmusik live auf der Straße darbieten dürfen.
Und auch der Hechelverkauf muss nicht ausfallen: Wie im vergangenen Jahr werden die Mitglieder der Hexenzunft von Haus zu Haus ziehen, und den Hechel coronakonform vorbeibringen.
Zum Schluss bricht die Hexenzunft eine Lanze für die Fasnet: "Die Fasnet ist nicht abgesagt, wir feiern sie nur in anderer Form, denn die Fasnet kann man nicht aus dem Kalender streichen."