Blau leuchtende Augen bei den Pulverturmhexen. Foto: Moosmann

Mit eigener Symbolik und viel Engagement startet die junge Zunft der Pulverturmhexen vom Neckartal in die heiße Phase.

Die Rottweiler Fasnetslandschaft erhält Zuwachs: Ein neu gegründeter Hexenverein bereitet sich derzeit auf seine nächsten Auftritte vor. Entstanden aus einer geselligen Runde, hat sich ein Verein mit klarer Haltung, festen Strukturen und Respekt vor den gewachsenen Traditionen der Stadt entwickelt.

 

Die Idee zur Gründung entstand im Sommer 2024 bei einem Grillfest. Beim gemütlichen Zusammensitzen kam der Gedanke auf, gemeinsam eine eigene Zunft ins Leben zu rufen. Die erste Vorsitzende Barbara Mossmann berichtet, dass alles zunächst „aus Jux und Tollerei“ begonnen habe. Bald sei jedoch deutlich geworden, dass man bewusst einen eigenen Weg einschlagen wolle. „Wir wollten nicht Rottweil im Namen haben“, erklärt sie und ergänzt: „Das Neckartal zieht sich ja weit“. Im August 2024 wurde der Verein dann gegründet und eingetragen.

An der Spitze des Vereins steht Barbara Mossmann, die zugleich die Rolle der Oberhexe übernimmt. Sie beschreibt sich selbst als „strenge Oberhexe“. Ihr Führungsstil sei konsequent, denn „nur so bekommt man einen sauberen Verein hin“. Diese Haltung präge die Vereinsarbeit und solle sich sowohl im internen Miteinander als auch im öffentlichen Auftreten widerspiegeln.

Eine Würdigung der Geschichte

Zentrales Symbol der neuen Zunft ist der Pulverturm. Als Kulturdenkmal stehe er für regionale Geschichte und die Wertschätzung des Bestehenden. Auch die historische Umgebung habe das Interesse der Mitglieder geweckt – darunter der frühere Gottesacker, die Geschichten rund um den Turm sowie die Tatsache, dass dieser nur selten dargestellt wird.

Das Zunftsymbol schmückt das Häs

Das Häs der Hexen ist in Türkis und Schwarz gehalten. Der Pulverturm als Zunftsymbol ist auf Kopftuch und Schürze gestickt. Der Verein zählt derzeit 18 erwachsene Mitglieder sowie fünf Kinder. Diese benötigten, so Moosmann, bis zum Alter von 16 Jahren keine Maske und sind beitragsfrei.

Die Häser sollen einheitlich werden

Die Kostüme werden von einer Vereinsnäherin vor Ort gefertigt. Die hölzerne Maske wird in Triberg von Holzbildhauer Samuel Kammerer geschnitzt. Ziel ist es, bewusst überschaubar zu bleiben: Ab etwa 60 Mitgliedern soll es zunächst einen Aufnahmestopp geben.

Friedliches Nebeneinander

Großen Wert legt der Verein darauf, bestehende Traditionen nicht zu verletzen. So wird bewusst nicht angestrebt, durch das Schwarze Tor zu ziehen, das den Rottweiler Narren vorbehalten ist. Streit oder Provokation seien nicht das Ziel. Das Selbstverständnis der Zunft fasst das Motto „jedem Narr sei Kapp“ zusammen.

Klare Regeln für die Gemeinschaft

Interessierte müssen vor einer Aufnahme ein „Bewerbungsgespräch“ mit dem ersten und zweiten Vorsitzenden führen. Dabei werden Regeln erläutert, klare Ansprechpartner benannt und Erwartungen formuliert – darunter, nicht betrunken an Umzügen teilzunehmen und Grüppchenbildung zu vermeiden.

Kulinarische Hexentaufe

Nach erfolgreicher Aufnahme folgt eine Hexentaufe. Jede neue Hexe erhält einen personalisierten Vierzeiler von der Oberhexe. Anschließend wird ein Hexentrunk aus dem Hexenschuh gereicht, der sich aus verschiedenen Weinen, etwas Chili, Knoblauch und weiteren Zutaten aus der Hexenküche zusammensetzt. Als Nachtisch serviert der Verein eine Süßspeise – in der Vergangenheit stand dabei auch schon ein Pudding aus Heringswasser auf der Tafel.

Praktische Aufgaben werden gemeinschaftlich angegangen: So durfte ein neues Mitglied gleich zu Beginn den Bollerwagen besprayen, mit dem künftig eine Musikbox transportiert wird. Diese soll bei Umzügen für die musikalische Begleitung mit klassischen Fasnets- und Après-Ski-Hits sorgen. Auch außerhalb der fünften Jahreszeit wird die Gemeinschaft gepflegt, etwa bei gemeinsamen Unternehmungen im Sommer wie einem Elfmeterturnier.

Ein straffer Terminplan steht an

In den anstehenden Fasnetstagen steht für den Verein ein dichtes Programm an: Am Schmotzigen wurden die Hexen privat nach Oberndorf eingeladen. Am Fasnetssonntag geht es tagsüber nach Lackendorf zur Baronen-Gilde, abends zum 20-jährigen Jubiläum der Turmhexen Aach im Landkreis Konstanz. Es folgen Auftritte am Fasnetsmontag in Epfendorf und am Fasnetsdienstag bei der Narrenzunft in Harthausen.