Das Feuer ist gezähmt, die mutigen Hexen springen über die Flammen. Das Team um Feuermeister Boris Dold hat gute Arbeit geleistet – und freut sich auf den Hexensonntag am 4. Februar. Foto: Dagobert Maier

Die Bräunlinger Urhexen fliegen am Besen über die Flammen auf dem Kelnhofplatz. Feuermeister Boris Dold gibt beim Hexensonntag die Kommandos.

Die beiden Hexenfeuer auf dem Kelnhofplatz in Bräunlingen sind bei jeder Fasnet ein begeisterndes Spektakel, das mit den Sprüngen der Hexen über das lodernde und Funken sprühende Feuer seinen Höhepunkt findet.

 

Doch wer ist dafür verantwortlich, dass die Hexenfeuer richtig vorbereitet sind und es bei den Sprüngen keine bösen Überraschungen gibt? Das große Bräunlinger Fasnetereignis wird alljährlich akribisch vorbereitet. Feuermeister Boris Dold ist der Herr der Flammen.

Er erzählt von den monatelangen Vorbereitungen. „Wir binden jedes Jahr beim Rieswellemachen viele Reisigbündel, in denen auch dünne Äste und Stöcke bis 30 bis 40 Zentimeter zusammengebunden werden“, sagt er. Für ein Feuer werden rund 50 Bündel benötigt, die über ein Jahr im Rieswelleschopf gelagert sind und gut austrocknen. Dann sind die Nadeln meist weg. „Dadurch wird das Feuer noch intensiver und knistert sehr stark, was die Zuschauer gerne hören“, sagt der Feuermeister der Urhexen.

Sprung aus Druidenstein

Die Bündel werden auf der Feuerstelle kompakt zusammengelegt und geschichtet. Kompakt ist wichtig: „Wir müssen genau darauf schauen, dass das Feuer später nicht zu breit wird, damit das Überspringen gut möglich ist“, erklärt der Feuerfachmann. Vor dem Anzünden geht Dold kurz um den großen Reisighaufen herum und steckt an verschiedenen Stellen einfaches Papier in den Randbereich des Reisighaufens.

Hexenfeuer brennt zwischen 20 und 30 Minuten

„Wenn die Urhexe aus dem Druidenstein springt, dann ist das für mich das Signal, die kleinen Papierstreifen anzuzünden“, sagt er. „Ich muss genau darauf schauen, dass das Anzündpapier auch gut brennt, damit das Feuer relativ gleichzeitig in die Höhe und von außen nach innen brennt.“ Er müsse immer darauf achten, dass viel Reisig im Holzhaufen ist, denn dies brenne sehr schnell an und ziehe nach oben. Manche kleineren Stämme werden auch aufgestellt, damit ein Kamineffekt entsteht und das Feuer mit den glühenden Funken nach oben strebt und weniger in die Breite. Ein Teil der Hölzer werde verlegt und einige daraufgestellt, weshalb das Feuer dann langsamer brennt und die Hexensprünge einfacher sind. In der Regel brennt das Hexenfeuer dann zwischen 20 und 30 Minuten und hinterlässt etwas Glut.

Eine gute Abstimmung sei nach dem Anzünden und dem schnell immer größer werdenden Feuer bei der an einem Seil über das Feuer schwebende Hexe notwendig, so erklärt Dold: „Wenn das Feuer zu groß wird und anfängt zu lodern, dann wird es für die Seilhexe ungemütlich und sie muss mit einem Seil schnell vom Feuer weggezogen werden.“ Viel Kenntnis über die Feuersituation sei notwendig. Das Reisig sei hoch aufgeschichtet, um immer die Möglichkeit zu haben, die Seilhexe aus dem oberen Feuerbereich herauszuziehen.

„Ich warte dann ab, bis das Feuer eine Höhe hat, bei der das Hexenspringen alleine, im Duo und im Trio möglich ist. Dann gebe ich ein Zeichen.“ Und wenn es stark regnet? Dann muss der trockene Reisigholzhaufen vorher gut abgedeckt werden. Wenn die Hexen kommen, wird mit einem normalen Anzünder das Feuer zum Brennen gebracht, was bisher nur wenig vorkam und nicht einfach sei, da bei Regen eine starke Rauchentwicklung entsteht.

„Bei meinem ersten Hexenfeuer regnete es, und ich habe es fast nicht geschafft, das Holz zum Brennen zu bringen, was natürlich etliche närrische Kommentare meiner Hexenkollegen zu Folge hatte“, berichtet Dold. Bei Schneefall wäre die Situation ähnlich. Die Rieswellebündel werden immer erst zwei Stunden vor dem Feuer aufgelegt, damit sie beim Anzünden relativ trocken sind. Vor einigen Jahren hätte es sogar beinahe eine Absage des Feuers gegeben, denn es war ein starker Sturm angesagt, der dann eventuell das Feuer unkontrollierbar gemacht hätte.

Spannung bei Besuchern

Dolds Auftritt ist immer derselbe. „Grundsätzlich stehe ich unten in der Grotte drin und komme dann zum richtigen Zeitpunkt mit zwei Fackeln zum hohen Holzhaufen heraus und brenne das Papier an, was bisher fast immer einwandfrei funktioniert hat.“ Er freut sich darüber, wie er von den Zuschauern gesehen wird. „Wenn ich als erste Urhexe am Hexenfeuerort am Abend auftauche, dann höre ich oft die Worte ‚Jetzt kommen die Hexen, jetzt geht es los’ und die Spannung steigt stark an“, freut sich Dold.

Orientierung nicht einfach

Grundsätzlich entscheidet jede Hexe selbst, wann sie über das Feuer springt, doch immer von der Mauerseite und über die linke Seite weg wieder zur Mauer zurück. Dieser Kreislauf soll einen Zusammenstoß verhindern, denn beim Springen ist die Sicht durch die Flammen versperrt, was die Orientierung nicht einfach mache. Es sei schon vorgekommen, als ein Fotograf zu nahe am Feuer Bilder machte und die Sprunghexe ihn nicht sah, dass die Hexe weg gestolpert ist.

In der Regel werde schon im Vorfeld vereinbart, welche Hexen über das Feuer springen, die dann mehrmals anlaufen. Die anderen Hexen unterhalten die zahlreichen Zuschauer und reden mit den Kindern. Meist wird der Besen aufgestellt und dann über das Feuer gesprungen. Es sei auch schon passiert, dass der Besen gebrochen ist und die Hexe mit den Strohschuhen auf der Glut im Feuer stand. Für den Ernstfall sei man gerüstet. „Wir haben immer eine Löschdecke mit dabei, falls eine der Hexen stolpert, direkt ins Feuer fällt und eventuell sogar das Häs leicht anbrennt“. Alle stehen auch parat, um den Springer herauszuziehen. Auch die Feuerwehr ist für den Notfall immer am Kelnhofplatz.

Sprung hinterlässt Spuren

Auch wenn alles gut geht: Die Sprünge hinterlassen Spuren. Etliche Röcke der Hexen sind durch die Hitze und das Feuer schon ganz spröde sowie hart, und immer wieder muss am Stoff nachgebessert oder sogar ein neues Häs besorgt werden. Das Gleiche gelte für die Strohschuhe und Socken, die ausgetauscht werden müssen, wenn Brandlöcher im Schuh sind. Deshalb stampfen die Hexen nach dem Sprung, um die Glut am Schuh oder an den Socken abzuschütteln.

Manchmal kommt sogar Glut in den Schuh. Zur Beseitigung der Brandstellen und Löcher im Hexenhäs ist Näherin Ursula Gehringer eine gute Adresse. Nach dem Ereignis wartet die Feuerwehr, bis das Hexenfeuer abgebrannt ist, und löscht dann die Glut. Der Bauhof transportiert die Asche ab.

Hexensonntag

Der Ablauf
Als Fasnachts-Hochburg ist Bräunlingen für ihre spektakulären Hexenfeuer bekannt. Das nächste Hexensonntag-Feuer gibt es am Sonntag, 4. Februar. Bei dieser Brauchtumsvorführung läuft das Spektakel etwas anders ab, denn die Krummen Hexen sind mit dabei und die Urhexen versammeln sich in der Grotte. Sie kommen dann später heraus. Danach tanzen die Hexen ihre Hexenpolka. Matthias Reichmann, die so genannte „gelbe Hexe“, brennt schließlich das große Feuer an. Eine Schar von Zuschauern verfolgt jedes Jahr das spannende Spektakel der Hexen.