Das Bild zeigt eines der wenigen wegweisenden Kunstwerke, das in Calmbach erhalten ist und – in den warmen Monaten und wenn keine Baustelle ist – an der Einmündung der Häberlen- in die Kleinenztalstraße steht. Foto: Schabert

Wer in den 1930er-Jahren die neu erbaute Enztalstraße befuhr, der stieß in den Kreisen Calw und Freudenstadt auf ein regelrechtes Freiluftmuseum der Bildhauerkunst. An der heutigen B 294 zeigten künstlerisch gestaltete Wegweiser, wo es lang geht. Vor allem in Calmbach sind davon noch einige wenige erhalten.

Bad Wildbad/Neubulach-Oberhaugstett - Geschaffen wurden die hölzernen Tafeln mit den farbigen, lebendig wirkenden kleinen orts- oder geschichtsbezogenen Figuren und Darstellungen von dem Holzbildhauer Fritz Roller (1902-1987). Dass in Calmbach einige erhalten blieben, ist vor allem Malermeister Gerhard Rommel zu verdanken. Seit fast drei Jahrzehnten setzte er sie immer wieder instand und konservierte sie gegen Wind und Wetter, so gut es ging.

Der im Ruhestand lebende Handwerksmeister hatte Freude daran, sich hier wie an anderer Stelle ehrenamtlich zu engagieren. Rommel hatte auch das Geschick, außer abzuschleifen und die richtige Farbe aufzutragen, wo nötig auszuspritzen und zu spachteln oder auch zu dübeln. Ob künftig eine Restaurierung noch möglich ist, muss offen bleiben. Zwar werden die Tafeln die Winter über von der Stadt abgenommen und verwahrt. Aber dennoch ist die Lebensdauer des verwendeten Lindenholzes nicht ­unendlich.

Immerhin haben die Blickfänge, die Autofahrer in dem Fünftälerort zum Halten und Fußgänger zum Verweilen anregen, so bereits um die 65 bis 70 Jahre überstanden. Sie kommen wohl aus der Serie der 1950er-Jahre. Denn die Beschilderung war im und nach dem Krieg Beute für manchen Besatzungssoldaten und wohl auch für manchen deutschen Landsmann, der "es nicht lassen konnte". Danach schlug der Calwer Landrat Fritz Geißler – er lenkte von 1949 bis 1955 die Geschicke des Landkreises Calw – zwei Fliegen mit einer Klappe. Er erhielt die Wegweisung und Kunst an der Straße durch Erneuerungsaufträge an Roller und leistete so gleichzeitig wertvolle Hilfe.

Aufträge aus dem Landratsamt waren für den Künstler wichtig

Diese war für den Gestaltungskünstler nötig: Er hatte während des Kriegs seine Frau durch eine schwere Krankheit verloren. Die Aufträge aus der Kreisbehörde bewirkten mit, dass er mit seiner zweiten Gattin und fünf Kindern aus erster Ehe über die Runden kam. Überhaupt war mit Kunst der Lebensunterhalt nicht leicht zu verdienen. Wie auch sonst wäre zu erklären, dass er am 19. Mai 1936 Folgendes im Calwer Tagblatt inserierte: "Mittwoch – Fischtag. Liebe Hausfrau, machen Sie doch einmal einen Versuch mit dem morgen frisch eintreffenden Sommer-Seefisch. Seine vitaminreiche Frische macht ihn zu einer idealen Sommer-Nahrung. Fritz Roller, Marktplatz 17." Am angegebenen Platz hatte der Holzbildhauer seit 1933 sein Atelier. Das Licht der Welt erblickt hatte er am 23. November 1902 in ­Effringen.

Sensibles Wesen und künstlerische Ader schon in Schulzeit erkennbar

Er war das älteste von acht Kindern einer Kleinbauernfamilie. In dem Buch "Heimat Geschichte Neubulach" ist in einem Beitrag von O.F. Lohmayer zu lesen: "Schon während der Schulzeit war zu erkennen, daß Fritz Roller ein besonders sensibles Wesen hatte, gerne zeichnete und auch sonst viel mit dem Bleistift hantierte." Den Holzbildhauer Roller auf die Straßenschilder zu reduzieren, würde ihm aber nicht gerecht. Er fertigte Skulpturen, Wappen, Grabkreuze, Weihnachtskrippen und Gasthausschilder.

In der Georgskirche von Bad Teinach-Zavelstein steht ein beeindruckend von ihm gestaltetes Kruzifix. Eine Krippe mit Figuren hat er unter anderem für die Calwer Stadtkirche gefertigt. Skizzen zu seinen Werken sind von inzwischen nicht mehr vorhandenen Hinweisschildern auf Gasthöfe im Calwer Kreisarchiv aus den Schömberger Ortsteilen Oberlengenhardt und Schwarzenberg sowie aus Enzklösterle erhalten. Eine Foto-Sammlung, die der in Neuenbürg lebende frühere Vermessungsingenieur Friedrich Hanselmann besitzt, sorgt dafür, dass die Erinnerung an die Kunstwerke im Freien erhalten bleibt.

Er hat die Fotos dem Kreisarchiv sowie Mitgliedern des Kreisgeschichtsvereins Calw zur Verfügung gestellt, die sie in digitaler Form verwahren. Außerdem wurden sie und die Lebensgeschichte des Kunstschaffenden, der in Calw wirkte und später viele Jahre in Oberhaugstett lebte, mit vielen Abbildungen zusammen im jüngsten historischen Jahrbuch "Einst & Heute" veröffentlicht. Ein spätes Werk – wahrscheinlich zu Rollers Oberhaugstetter Zeiten, also nach 1966 entstanden – ziert bis heute die Erwin-Sannwald-Brücke zwischen Hirsau und Calw.