Peter Weiger führt ein Leben zwischen München, Nusplingen und dem Rest der Welt. Der 20-Jährige arbeitet als Flugbegleiter bei Lufthansa und erzählt von seinem Alltag.
Peter Weiger lebt seinen Traum: Er reist um die Welt, erkundet exotische Orte und begegnet vielen unterschiedlichen Menschen.
Der Nusplinger arbeitet als Flugbegleiter bei der Lufthansa und liebt seinen Beruf über alles. „Es ist ein absoluter Traumberuf“, sagt der 20-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.
Dabei hat er zunächst einen ganz anderen Weg eingeschlagen und nach dem Abitur am Gymnasium Sigmaringen zunächst Politikwissenschaften studiert. Doch weil ihn die Fliegerei und das Reisen schon immer interessiert haben, bewarb er sich im vergangenen Jahr bei der Lufthansa.
Bei der Ausbildung geht’s auch um Sicherheit und Notfall
Nach verschiedenen Bewerbungsrunden und Tests im Assessment Center erhielt er schließlich die Zusage, am Schulungsprogramm teilzunehmen. Auch ein medizinischer Checkup, Impfungen und ein umfassender Verlässlichkeitscheck waren notwendig – „weil wir in sicherheitsempfindliche Zonen dürfen, wie etwa das Rollfeld“, erklärt Weiger.
Die Ausbildung ist keine im herkömmlichen Sinne und dauert wenige intensive Wochen. Sie ist in Blöcke aufgeteilt wie Sicherheit und Notfall, Crew Research, Kommunikation und Service. Seit März ist Weiger voll ausgebildeter Flugbegleiter auf Langstreckenflügen.
Jeder Flug wird bei Lufthansa besprochen
Einen regelmäßigen Arbeitsalltag hat Weiger nicht: Im Monatsplan sind die Flüge festgehalten, die er begleiten soll. Alle Umlaufflüge starten in München, der Heimatbasis des 20-Jährigen, der mittlerweile im nahe gelegenen Augsburg wohnt.
Die Destinationen, in die er in den vergangenen Wochen gereist ist, führten rund um die Welt: Johannesburg, Bangkok, Montreal, New York, Bangalore, Peking und viele mehr.
In der Regel ist Weiger rund zwei Stunden vor Abflug am Flughafen und meldet sich im sogenannten Flight Operation Center zum Dienst. Die Crew bespricht im Vorfeld alles, was für den Flug wichtig ist und auf welche Besonderheiten man achten muss – etwa ob Kinder oder Menschen mit medizinischer Beeinträchtigung an Bord sind, oder ob es beim Essen Spezialwünsche gibt. Auch mit der Cockpit-Crew wird gesprochen.
Sicherheit an Bord
Eine der wesentlichen Aufgaben eines Flugbegleiters ist es, die Sicherheit an Bord zu gewährleisten. Daher werden die Sicherheitsvorkehrungen vor jedem Flug auf ihre Funktion kontrolliert.
Vor dem Bording durchläuft die gesamte Flugzeugbesatzung genau wie die Passagiere einen Sicherheitscheck. Bevor die Gäste den Flieger betreten, wird darin alles auf Vollständigkeit kontrolliert. Während des Boardings sorgen die Flugbegleiter dafür, dass alles geregelt abläuft sowie dafür, dass jeder und alles zum Start an seinem Platz ist.
Schlafen während des Flugs
Bei Langstreckenflügen werden mehrere Servicerunden durchlaufen: Weiger und seine Kollegen servieren Getränke und Mahlzeiten und kümmern sich um die Anliegen der Passagiere. Die Arbeitstage sind vor allem bei Langstreckenflügen lang und zehrend. Daher haben die Flugbegleiter die Möglichkeit während des Flugs in einem abgetrennten Bereich Pause zu machen und zu schlafen.
Nach der Landung gibt es für die Crew nicht mehr viel zu tun. Sie verlässt zuletzt den Flieger, reist in das jeweilige Zielland ein und wird ins Hotel gebracht, wo die Fluggesellschaft Zimmer bereitstellt.
Abenteuer Layover
Mindestens 24 Stunden – manchmal auch ein paar Tage – verbringen die Flugbegleiter in der jeweiligen Zielstadt, bevor sie ihren Dienst für die Rückreise antreten müssen.
In dieser Zeit beginnt für Peter Weiger das eigentliche Abenteuer. Manchmal mit Kollegen, manchmal aber auch alleine erkundet er die fremden Kulturen. „Ich habe im vergangenen halben Jahr so viel gesehen wie noch nie“, schwärmt er.
Manchmal nimmt er sich Aktivitäten vor, manchmal läuft er einfach drauf los und lässt sich treiben. Weigers Highlight bisher: Bei seinem ersten Flug nach der Ausbildung war er Ballonfahren zum Sonnenaufgang an einem Montagmorgen.
Ein Moment, in dem ihm bewusst wurde, welche Chancen sein Beruf ermöglicht. „Das ist eine Riesenmotivation, für die man gerne Einschränkungen in Kauf nimmt“, erklärt er.
Denn der Beruf des Flugbegleiters kommt auch mit einigen Entbehrungen daher. Da es keine geregelten Arbeitszeiten gibt und er viel unterwegs ist, verpasst er zu Hause möglicherweise das ein oder andere. „Man muss seinen Alltag sehr flexibel gestalten“, erklärt er. Viele Hobbys sind nur schwer möglich. Weiger trainiert daher gerne im Fitnessstudio, weil dies nicht an feste Zeiten gebunden ist.
Jetlag als ständiger Begleiter
Weil Weiger immer zwischen den Zeitzonen lebt, ist der Jetlag sein ständiger Begleiter. „Ich versuche mich loszulösen von irgendwelchen Zeitkonzepten“, erklärt er. Stattdessen versucht er, auf seinen Körper zu hören. Isst, wenn er Hunger hat und schläft, wenn er müde ist – egal welche Tageszeit draußen ist.
Wichtig für ihn ist es, möglichst fit zu sein für den nächsten Flug. Denn er liebt nicht nur die Möglichkeit des Reisens, die sein Beruf mit sich bringt, sondern auch den Dienst an Bord. Besonders mag er den Kontakt mit den vielen Menschen – ob weit gereiste Kollegen oder Passagiere: „Es sammeln sich unfassbar viele Geschichten in einem Flieger.“
Seit Peter Weiger Flugbegleiter ist, ist die Welt für ihn ein Stückchen kleiner geworden. Mindestens vier zusammenhängende Tage zu Hause stehen jedem Mitarbeiter pro Monat frei, die man nach Möglichkeit beliebig legen kann.
Da der 20-Jährige seiner Familie einen hohen Stellenwert einräumt, kommt er so oft es geht ins heimische Nusplingen.
Auch wenn der Kontrast zum Frühstück in New York und dem Abendessen auf der Schwäbischen Alb oft krass ist, weiß Weiger seine Heimat trotz der vielen Eindrücke aus aller Herren Ländern noch zu schätzen. Während er sich früher fragte, ob sich die Anreise für einen Tag lohnt, sieht er das mittlerweile anders: „Wenn ich für einen Tag nach Toronto fliegen kann, dann kann ich auch für ein paar Stunden nach Nusplingen kommen.“