Die Gräserpollen fliegen derzeit – mehr als in den vergangenen Jahren. Foto: Klormann

Der Deutsche Wetterdienst bestätigt eine gegenwärtig hohe Konzentration von Gräserpollen – und das bleibt wohl vorerst so. Seit Jahren nimmt die Belastung wieder zu. Eine Expertin erklärt, welchen Einfluss das bisherige Wetter in diesem Jahr hat, und gibt Tipps, was Allergiker tun können.

Wer unter Heuschnupfen leidet, hatte in den vergangenen Tagen vermutlich wenig zu lachen. Wie für fast ganz Deutschland zeigt der Pollenflug-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes auch für den Kreis Calw aktuell die höchste Stufe der Belastung an. Momentan fliegen Gräserpollen, die bei bis zu 70 Prozent der Pollenallergiker Symptome verursachen. Mehr als sonst? Das meinen zumindest Betroffene aus der Region. Was steckt dahinter? Wir haben beim Deutschen Wetterdienst nachgehakt.

 

Ist der Pollenflug im Kreis Calw dieses Jahr besonders stark?

In Kürze: Ja. Für den Kreis Calw kann der Deutsche Wetterdienst zwar keine isolierten Aussagen treffen; die Daten stammen aus Messstationen in der Nähe von Heilbronn und Freiburg. Fest stehe aber, dass die Pollenkonzentration im Land in diesem Jahr tendenziell höher ausfalle als in den Vorjahren. Um diese Zeit sei die Belastung in jenen Vorjahren jedoch ebenfalls hoch gewesen, erklärt Christina Endler auf Anfrage unserer Redaktion. Endler ist promovierte Meteorologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Was sind die Ursachen?

Eine wichtige Rolle habe „das relativ kühle beziehungsweise nasse Frühjahr“ gespielt, berichtet Endler. Dieses sowie das aktuell sonnige Wetter seien „sehr gräserfreundlich“ gewesen. Teils böiger Wind, wie er momentan auftritt, komme ebenso hinzu wie die Tatsache, dass die Wiesen vielerorts noch nicht abgemäht wurden. „Da können viel Staub und viele Pollen aufgewirbelt werden“, führt die Meteorologin aus. Da es zudem seit einiger Zeit keinen Regen gab, der die Luft von Pollen hätte reinigen können, sei die Konzentration derselben hoch.

Viele Pollen, starke Heuschnupfensymptome – oder?

Jein. Zwar wirkt sich die Menge an Pollen verstärkend aus, allerdings kommt es auch auf den Allergen-Gehalt der Pollen an. Als Allergene werden Substanzen bezeichnet, die allergische Reaktionen auslösen. Jener Allergen-Gehalt, so Endler, könne sich von Jahr zu Jahr ändern. Derzeit werde unter anderem erforscht, welche Rolle das Wetter dabei spiele. Nachgewiesen sei indes, dass Schadstoffe wie etwa Stickoxide in der Luft Pollen immer „aggressiver“ machen, also mehr allergieauslösende Stoffe produziert werden.

Gibt es stärkere und schwächere Jahre?

Bei manchen Pflanzen trifft das zyklisch zu. So gibt es bei bestimmten Bäumen die sogenannten Mastjahre, in denen besonders viele Samen produziert werden, was auch mit starkem Pollenflug einhergeht. Für Gräser, die meist einjährig sind, können andere Ursachen eine Rolle spielen. Beispielsweise, wie viel Fläche versiegelt sei, meint Endler. Aus den Daten der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst gehe jedenfalls hervor, dass die Gräserpollenkonzentration von 2001 bis 2011 eher zurückging. Seitdem steigen die Werte beinahe kontinuierlich an. Das könne ein Zeichen von Naturschutz und Biodiversität sein.

Wie ist die Pollen-Prognose für die nächste Zeit?

Eine Entwarnung für Allergiker ist vorerst nicht in Sicht. „In den kommenden Tagen bleibt die Gräserpollenkonzentration hoch“, erklärt die Wissenschaftlerin. Die Hochdruckwetterlage halte weiter an. Die Hauptblüte der Gräser werde zudem in Mai und Juni verortet, in Juli und August bewege sich der Pollenflug hingegen „tendenziell auf einem mäßigen Niveau“.

Was können Allergiker tun?

Wie schlimm die Heuschnupfen-Beschwerden werden, hängt mindestens teilweise von den Betroffenen selbst ab. „Als Allergiker kann man das auch ein bisschen steuern“, erklärt die Mitarbeiterin beim Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung. Beispielsweise sollten blühende Wiesen eher gemieden, dafür der Wald aufgesucht werden, wenn es nach draußen geht. Nach Niederschlägen, wenn sie denn kommen, sei es ebenfalls besser. Sonnenbrille und Kopfbedeckung könnten vor Pollen in Augen und Haaren schützen. Kleidung, die den Tag über getragen wurde, sollte aus dem Schlafzimmer verbannt, Wäsche nicht draußen getrocknet werden. Viel Wasser trinken helfe, die Schleimhäute feucht zu halten, wodurch diese weniger anfällig seien. Darüber hinaus seien tägliche Duschen empfehlenswert.