Ein Mann mit Heuschnupfen Foto: Angelika Warmuth/dpa

Heuschnupfengeplagte klammern sich an jeden Strohhalm, der Linderung verspricht. Wir haben den Deutschen Wetterdienst und die Balinger Apothekerin Gabriele Seifert befragt.

„Aktuell sind vor allem Gräserpollen in der Luft“, sagt Christina Endler vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Es sei gerade deren Hauptblütezeit.

 

Was fliegt noch?

Dazu kommen weitere Pollen: Endler verweist hier auf die Wochenprognose der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. Und die besagt, dass dieser Tage auch Lindenpollen, die Pollen der Brennnessel und die der Esskastanie unterwegs sind.

Soweit dazu. Was man selbst tun kann, um Beschwerden zu lindern und was ein Antihistaminikum eigentlich ist, erklärt Apothekerin Gabriele Seifert.

Nasendusche kann Linderung bringen

Welche Hausmittel gibt es?

„Hausmittel gibt’s eher nicht, aber alternative Heilmethoden wie Spagyrik, Homöopathie oder Anthroposophie sind hilfreiche Ansätze“, sagt Seifert. „Wie auch die Akupunktur.“

Welche Verhaltensregeln sinnvoll sind.

Eine Nasendusche bringe Linderung sowie Pollenschutzgitter an den Fenstern. Und: „Wäsche sollte nicht draußen aufgehängt werden.“ Ebenfalls hilfreich sei Raumprophylaxe. Was man da tut? Die Fenster am Tag geschlossen halten, und nur morgens oder abends, wenn weniger Pollen fliegen, lüften. Nützlich sei auch ein Pollenflugkalender.

Was ist ein Antihistaminikum?

Man helfe den Heuschnupfenpatienten mit sogenannten H1-Antihistaminika. Seifert erklärt, wie diese Medikamente funktionieren: „Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der bei allergischen Reaktionen freigesetzt wird und Schwellungen, Rötungen und Juckreiz auslöst.“ Und so wirken die Medikamente: „Wie der Name schon sagt, helfen diese Medikamente gegen die Wirkung des Histamins, indem sie die Stelle blockieren, an dem das Histamin andockt. Somit werde die Histaminwirkung abgeschwächt oder sogar verhindert.

Übertriebene Hygiene kann sich nachteilig auswirken

Wie ist die zahlenmäßige Entwicklung der Heuschnupfen-Betroffenen über die Jahre?

„Die Entwicklung ist dramatisch“, sagt Seifert. Neben der Veranlagung sei unter anderem übertriebene Hygiene schlecht. Auch Feinstaub lasse die Pollen aggressiver werden: „Birkenpollen werden zum Beispiel durch Ozon um das Doppelte bis Dreifache aggressiver. Die steigenden Temperaturen durch die Klimaveränderung verlängern die Pollensaison.“ Und die erhöhte CO2-Konzentration in der Luft rege die Pflanzen zu vermehrter Pollenproduktion an. „Eingewanderte Pflanzen wie Ambrosia blühen von Mitte August bis Anfang Oktober.“ Ambrosia sei in den USA einer der Hauptauslöser.

Wie ist es mit Vererbung?

Das Risiko der Allergievererbung sei wie folgt. Wenn kein Elternteil betroffen ist, entwickele der Nachwuchs eine Allergie mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 bis 15 Prozent. Ist ein Elternteil betroffen, sei die Wahrscheinlichkeit 25 bis 30 Prozent hoch. Und wenn beide Eltern betroffen sind, liege die Wahrscheinlichkeit, dass der Nachwuchs eine Allergie entwickelt, schon bei 40 bis 60 Prozent. „Haben beide Eltern dieselbe Allergie, ist die Wahrscheinlichkeit sogar 60 bis 80 Prozent hoch.“

Was Eltern ihren Kindern Gutes oder Gesundes tun können, damit die Kleinen keinen Heuschnupfen entwickeln.

„Nicht rauchen“, ist der erste Rat, den Seifert formuliert. „Wenige – oder noch besser – keine Antibiotika einnehmen“, sagt sie weiter, und sie spricht sich für gesunde Ernährung aus.