Nicht alle Gemeinden haben Facebookseiten mit Kommentarfunktion. Foto: Pixabay/Firmbee

Die Stadt Landau hat die Kommentarfunktion auf der Facebookseite abgeschaltet. Der Grund: Zu viel Hass. Wie gehen Lörrach, Steinen und Maulburg mit den Sozialen Medien um?

„Man kann es nie allen recht machen“, sagt Jessica Lang. Und daher kam es für die Maulburger Bürgermeisterin auch nicht unerwartet, dass sie seit ihrer Amtsübernahme auch negative und gehässige Kommentare zugespielt bekam. Dies allerdings nicht auf einem offiziellen Facebook-Kanal der Gemeinde, sondern über andere Gruppen in den Sozialen Medien. „Da gab es schlichtweg falsche Behauptungen, die mich besonders in der Zeit des Wahlkampfs in ein negatives Licht gerückt haben“, erzählt sie unserer Redaktion. Da habe es falsche Infos über ihre Person und ihre Vita gegeben, zum Teil auch „unter der Gürtellinie“.

 

Jessica Lang: „Man erreicht enorm große Zielgruppen.“

Dennoch ist sie für einen Auftritt ihrer Gemeinde in den Sozialen Medien. Denn: „Über Facebook und Insta erreicht man einfach eine enorm breite Zielgruppe.“ Das könne in bestimmten Fällen durchaus wichtig für eine Gemeinde sein. Zum Beispiel, falls es – wie kürzlich in Hausen – um einen Aufruf ging, das Trinkwasser abzukochen. Oder wenn eine Straßensperrung ansteht. So etwas laufe zwar auch über private Facebook-Gruppen. Ihr wäre es aber lieber, wenn dies über einen offiziellen Kanal laufe. Allerdings: „Wenn man so etwas macht, muss man es richtig machen.“ Will heißen: Ein Online-Auftritt muss regelmäßig bespielt und gepflegt werden. Dafür aber brauche es personelle und finanzielle Ressourcen. Ein solches Projekt müsse auch vom Gemeinderat mitgetragen werden.

Auch unerträgliche Kommentare

Nach Langs Meinung ist „social media“ Fluch und Segen zugleich. Ihre Mitarbeiter und sie lesen natürlich in privaten Facebookgruppe zuweilen unerträgliche Kommentare über die Gemeinde und die Verwaltung: „Da gibt es auch Hetze und heftige Diskussionen.“

Maulburgs Bürgermeisterin Jessica Lang Foto: Gabriele Hauger

Sie glaubt dennoch nicht, dass der Hass generell größer geworden ist. „Er ist nur auffallender.“ Jeder könne sein Statement blitzschnell posten, verlinken. „Das geht wie ein Lauffeuer.“ Natürlich fragt sie sich immer wieder: „Warum schreibt man solche Kommentare? Ich kenne diese Person doch gar nicht?“ Fertig machen lasse sie sich davon nicht. Ihr Motto: „Haken drunter.“

Verlässliche Informationsquelle

Sie würde den Maulburgern gerne auf „social media“ eine verlässliche Informationsquelle bieten. Doch noch sei die Gemeinde nicht so weit. Immerhin gebe es ja die offene Bürgersprechstunde.

Lörrach: „Hass und Hetze werden klar gelöscht.“

„Facebook und Instagram sind Dialog-Medien. Die Stadt Lörrach hat eine klare Etikette formuliert, wie weit Online-Äußerungen auf unserer Homepage gehen dürfen.“ Das sagt die städtische Pressesprecherin Susanne Baldus-Spingler. „Hass, Hetze und verfassungsfeindliche Äußerungen werden klar gelöscht.“

Ein Post ist schnell abgesetzt. Foto: Pixabay/Foundry

Sie hält die Sozialen Medien als Dialogforum für die Stadt aber für unverzichtbar. Diese müssten allerdings sorgfältig gepflegt werden. Die Lörracher Presseabteilung mache das im Team. Fast täglich poste die Stadt Beiträge, informiere und reagiere auch. „Wir wissen, welche Themen sensibel sind, und haben da ein besonderes Auge drauf.“

Heiß diskutiert werde immer das Thema Verkehr. „Da ist die Sprache leider öfter wenig differenziert“, drückt sie es zurückhaltend aus. Allerdings bekomme man auch mal ein „Dankeschön, das wusste ich nicht“, wenn man einen Sachverhalt richtig stellt.

Das Dialogforum spiegele wider, wie in der Stadt gedacht wird. Beispiel Rad- und Fußverkehr. „Da gibt es gegnerische Parteien, Argumente, die hin und her gehen. Aber wir bekommen auch immer wieder wichtige Hinweise, wo Problemstellen in Lörrach liegen.“

Abstellen? Nur im Notfall

Die Kommentarfunktion abstellen wie die Stadt Landau würde man in Lörrach nur im äußersten Notfall, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Gemeinde Steinen hat keinen eigenen Facebook oder Instagram-Auftritt. Bürgermeister Gunther Braun ist da vorsichtig. „So etwas geht nur, wenn es professionell eingerichtet und gepflegt wird.“ Dass es diesbezüglich viel zu tun gebe, merkt er schon an den vielen Nachrichten, die er auf sein Diensthandy bekommt. Er bewundere so manchen Bürgermeister, der quasi jeden Schritt online stelle. Sein Ding sei das nicht.

Steinens Bürgermeister Gunther Braun Foto: Hunn

„Ich gehe lieber unter die Menschen, besuche quasi jede Vereinssitzung, die Leute rufen bei mir an.“ Natürlich müsse er sich da auch Kritik anhören wie: „Lernt doch mal endlich, Dienstleister zu sein“, erzählt er. Aber es gebe auch viele positive Rückmeldungen.

Gunther Braun: „Der Ton ist rauer geworden.“

Dennoch findet er: „Der Ton ist rauer geworden. In den vergangenen rund zehn Jahren ist da was verrutscht.“ Er will sich den Sozialen Medien und der KI nicht verschließen. Doch die aktuelle Diskussion über die Handy-Nutzung von Kindern und Jugendlichen zeige, wie kritisch der „social media“-Konsum zu sehen sei. „Da steht so viel Müll drin.“ Gerade KI bringe viel Information und Wissen. „Aber man muss sich immer bewusst machen, dass man das kritisch gegenlesen muss und sich nicht darauf verlassen kann.“

Trotz mancher Diffamierung ein toller Job

Hetze habe auch er schon erlebt. „Ich wurde in der Corona-Zeit als Impfbetrüger diffamiert. Aus ganz Deutschland kamen Posts, ich solle mein Amt niederlegen“, erinnert er sich. Und wundert sich nicht, dass kaum einer mehr den Bürgermeister-Job machen will. „Sein Geld kann man tatsächlich leichter verdienen.“

Trotz mancher Mail unter der Gürtellinie liebt er seinen Job, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. „Der bedeutet große Verantwortung, aber auch viel Freude und Gestaltungsmöglichkeiten.“ Und darüber tauscht er sich am liebsten live aus.