Beim Team D läuft es bei Olympischen Spielen nur im Eiskanal richtig rund. Schwarzwald-Präsident Manfred Kuner zieht eine kritische Zwischenbilanz und setzt auf heimische Asse.
Manfred Kuner hofft, dass Biathletin Janina Hettich-Walz (SC Schönwald, Lauterbach), die am Mittwoch nach einem auskurierten Magen-Darm-Infekt in der deutschen Staffel zusammen mit Franziska Preuß, Vanessa Voigt und Julia Tannheimer (DAV Ulm, Ex-Skiinternat Furtwangen) starten soll, und Skicross-Star Daniela Maier (SC Urach, Furtwangen) am Freitag aus Sicht des Schwarzwälder Skiverbandes (SVS) für Furore sorgen. Maier traut der SVS-Präsident sogar Gold zu.
Kuner verrät auch, weshalb er trotz Einladung nicht nach Italien gereist ist, weshalb der Triberger mit Lindsey Vonn und Franziska Preuß mitfühlt und weshalb das Team D die (hohen) Erwartungen bisher nur vereinzelt erfüllen konnte.
Manfred Kuner, verfolgen Sie die Olympische Spiele vor Ort?
Bislang habe ich die olympischen Wettbewerbe – fast komplett – am Fernsehschirm zu Hause verfolgt. Insbesondere natürlich die Wettbewerbe mit Schwarzwälder beziehungsweise BaWü-Beteiligung. Ein Besuch vor Ort – eine Einladung hierzu hatte ich – wäre möglich gewesen. Die Chance, in der Fasnachtswoche mit meiner Familie einen gemeinsamen Skiurlaub in Zermatt zu verbringen, konnte und wollte ich mir jedoch nicht entgehen lassen, zumal durch die unterschiedlichen und teilweise weit auseinanderliegenden Wettkampforte keine Möglichkeit bestanden hätte, all unsere Athletinnen und Athleten bei ihren Wettkämpfen anzufeuern.
Biathletin Janina Hettich-Walz (SC Schönwald) belegte im Einzel den starken achten Platz, danach musste Sie aufgrund von Magen-Darm-Problemen im Sprint und im Verfolger passen. Was trauen Sie der Lauterbacherin noch zu?
Janina hat im Einzel eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in ihr steckt. Ein achter Platz kommt nicht von ungefähr und ist das Ergebnis harter Arbeit, großer Disziplin und einer enormen Qualität am Schießstand wie auch in der Loipe. Dass sie im Sprint und in der Verfolgung aufgrund ihrer Magen-Darm-Infektion passen musste, ist natürlich sehr ärgerlich. Leider gehören solche gesundheitlichen Rückschläge zum Leistungssport dazu. Umso wichtiger ist es nun, dass Janina vollständig auskuriert und wieder zu 100 Prozent fit an den Massenstart geht. Ich traue Janina absolut zu, wieder in die Top 10 – und sogar darüber hinaus, zu kommen. Sie hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie bei Großereignissen ihre Leistung abrufen kann. Ein Platz auf dem Podium ist durchaus möglich, auch wenn die Französinnen und Norwegerinnen zum engsten Favoritenkreis zählen. Der SVS steht voll hinter Janina. Sie ist nicht nur sportlich, sondern auch menschlich ein absolutes Vorbild für unsere Jugend und ein riesiger Sympathieträger für unseren Biathlonsport auch und gerade im Nachwuchsbereich.
Snowboardcrosserin Jana Fischer (SC Löffingen) belegte die Ränge elf (Einzel) und sieben (Mixed, zusammen mit dem Lörracher Leon Ulbricht). Zufrieden?
Aus Sicht des SVS bin ich mit der Leistung – und mehr noch dem elften Rang im Einzel und dem siebten Platz im Mixed – mehr als zufrieden. Es zeigen diese tollen Ergebnisse, dass unsere Schwarzwälder Snowboarder absolut in der Weltspitze angekommen sind und mitmischen können. Damit haben die beiden Snowboardasse unsere Erwartungen und Hoffnungen mehr als übertroffen. Unsere fundierte Nachwuchsarbeit mit dem extrem engagierten Landestrainer Julian Sadleder zahlt sich immer mehr aus, trägt Früchte und lässt für die Zukunft hoffen.
Im Langlauf lief es nicht nur für die Schwarzwälder Janosch Brugger, Florian Notz und Pia Fink bisher nicht gut. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Bei unseren Langläufern fällt nicht nur mir eine plausible Erklärung zu den bislang nicht zufriedenstellenden Ergebnissen schwer. Allerdings trifft diese Aussage nicht nur auf unsere Schwarzwälder Langläufer und Langläuferinnen, sondern auf das gesamte Langlaufteam des DSV zu und wird auch von Bundestrainer Schlickenrieder geteilt. Neben – sicherlich auch strukturellen – Defiziten ist mir das nicht immer wettbewerbsfähige Material negativ aufgefallen.
Allgemein fällt auf, dass das Team D im Eiskanal – Rodeln, Skeleton und nun auch im Bob – einen Großteil der Medaillen holt. Im Schwarzwald gibt es bekanntlich nur Sommerrodelbahnen. Wie sehen Sie die bisherige deutsche Bilanz? Gerade im nordischen Bereich, trotz Gold für Skispringer Philipp Raimund, geht zu wenig.
Die bisherige sportliche Bilanz des Deutschen Skiverbandes bei den Winterspielen in Italien kann sicherlich nicht gänzlich zufriedenstellen. Weder im Langlauf, noch im Biathlon, im Damensprungbereich und in der Nordischen Kombination konnten die teilweise sehr hoch gesteckten Erwartungen bislang erfüllt werden. Die wunderbaren Erfolge von Philipp Raimund und Emma Aicher sowie von Kira Weidle-Winkelmann überstrahlen die ansonsten teilweise ernüchternden Ergebnisse im Skibereich. Als absoluter Gamechanger erweist sich wieder einmal der Eiskanal in Cortina mit den tollen Erfolgen der Rodler, Skeletonis und sicherlich auch unserer Bobfahrer und Bobfahrerinnen.
Die größte Medaillenhoffnung ist aus SVS-Sicht Daniela Maier vom SC Urach. Die Skicrosserin aus Furtwangen gewann 2022 in Peking Olympia-Bronze. Was trauen Sie Maier am Freitag in Livigno zu?
Dani Maier traue ich bei Olympia alles zu. Sie ist in der Form ihres Lebens und hat bei den letzten Weltcup-Rennen bewiesen, dass sie alle schlagen kann. Skicross ist zwar eine Disziplin, in der Kleinigkeiten entscheiden und in der Stürze oder unglückliche Rennverläufe immer möglich sind. Aber Dani bringt alles mit, was man für den Erfolg braucht. Erfahrung, taktisches Geschick, Nervenstärke und die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten Risiko und Kontrolle perfekt auszubalancieren. Wenn alles passt und sie jeweils gute Starts erwischt, ist sie ein heißer Medaillenkandidat. Die absolut mögliche Goldmedaille wäre die Krönung ihrer bisherigen Sportkarriere. Dani ist aktuell der absolute Leuchtturm im alpinen Rennsport in Deutschland und verkörpert – gemeinsam mit Emma Aicher – die alpine Zukunft im Leistungssport.
Gibt es schon erste Erkenntnisse nach gut einer Woche Winterspiele, die Sie bemerkenswert finden?
Neben einigen doch überraschenden und bemerkenswerten Ergebnissen und Favoritenstürzen ist mir aktuell natürlich die tragische Geschichte von Lindsey Vonn im Damenabfahrtslauf und der mehr als unglückliche Verlauf – insbesondere bei den letzten Schießeinlagen – bei den Biathlonrennen von Franziska Preuß im Gedächtnis. Sportpolitisch fällt natürlich die exzellente Erfolgsentwicklung im italienischen Wintersport auf. Mit aktuell 22 Medaillen – davon acht goldenen – liegt das Austragungsland auf Platz zwei des Medaillenspiegels. Dies unterstreicht – so ist meine Erkenntnis – ganz klar, welchen positiven Einfluss die jeweilige Olympiavergabe auf die sportliche Entwicklung, insbesondere auf die Nachwuchsförderung eines Landes nehmen kann. Umso mehr hoffe ich, dass die Bemühungen Deutschland in der näheren Zukunft wieder einmal Olympiaausrichter zu werden, von Erfolg gekrönt werden.