Hermann Hesse wird vielleicht bald auf Ortsschildern zu finden sein. Foto: Stadt Calw

Jetzt ist es amtlich: Die Stadtverwaltung Calw wird sich darum bemühen, die Zusatzbezeichnung "Hermann-Hesse-Stadt" auf ihren Ortsschildern führen zu dürfen. Der Gemeinderat sprach sich in seiner jüngsten Sitzung einstimmig dafür aus.

Calw - Trotz Einigkeit war die Mehrheit indes knapp. Formell müssen drei Viertel aller 26 Mitglieder dafür votieren – also mindestens 20 Räte. Anwesend waren bei dieser Sitzung aber nur 22. "Ich war kurz vorher noch am Zittern, ob jemand krank wird", gestand Oberbürgermeister Florian Kling halb scherzhaft. Denn prinzipiell war eine Sorge unbegründet, das Gremium zeigte sich der Idee gegenüber aufgeschlossen.

Sehenswürdigkeit muss sich nicht mehr in unmittelbarer Nähe der Autobahn befinden

Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw) ging sogar noch einen Schritt weiter und regte an, sich auch um eines der großen braunen Schilder zu bemühen, die an Autobahnen auf Sehenswürdigkeiten oder Besonderheiten von Regionen hinweisen. Kling war sofort mit im Boot. "An der A 8 wäre mir am liebsten", meinte er dazu.

Bundesweit gibt es nach Angaben des ADAC mehr als 3400 dieser braunen touristischen Tafeln. Die Voraussetzungen, sie aufstellen zu dürfen, seien in den vergangenen Jahren lockerer geworden. 1988 durfte beispielsweise nur alle 20 Kilometer eine Hinweistafel stehen; heute alle zehn Kilometer. Zudem müsse sich die Sehenswürdigkeit nicht mehr zwingend in unmittelbarer Nähe der Autobahn befinden. Genehmigungen werden von den zuständigen Straßenverkehrsbehörde erteilt – oder gelegentlich auch abgelehnt, unter anderem, weil die Sehenswürdigkeit nicht relevant genug ist.

Sicher scheint, dass die Werbetafeln funktionieren. Nach Angaben des ADAC hatte sich die Hochschule Harz mit dieser Frage beschäftigt und im Juni 2019 eine Umfrage unter Autofahrern gestartet. Eines der zentralen Ergebnisse: Jeder Sechste folge spontan mindestens einmal dem Hinweis auf einer der braun-weißen Tafeln.