Das Hesse-Museum – einst ein regelrechter Touristenmagnet in Calw – ist seit inzwischen rund zwei Jahren zu. Die Sanierung, die in dieser Zeit beginnen sollte, geht nicht so voran, wie geplant. Von der Preisentwicklung ganz zu schweigen.
Calw - Rund zwei Jahre ist es her, dass das Hermann-Hesse-Museum in Calw geschlossen wurde. Ursprünglich wegen eines Corona-Lockdowns, wurde wegen diverser Untersuchungen und Arbeiten seitdem nicht mehr geöffnet. Auf der Internetseite der Stadt Calw heißt es dazu, es bleibe "wegen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen bis ins Jahr 2024 geschlossen". Eine lange Zeit. Und ob dieser Termin eingehalten werden kann, steht in den Sternen.
Erste Schritte
Im Mai 2020 hatte der Gemeinderat die Generalsanierung des Museums inklusive einer Neukonzeption der Ausstellung beschlossen. Schon damals galt das mit einer Investitionssumme von rund 2,85 Millionen Euro als absolutes Mammutprojekt. Wobei der Bund die Hälfte der Sanierungskosten tragen sollte und die Wüstenrot-Stiftung ankündigte, 250 000 Euro zur Neukonzeption beizusteuern.
Doch noch bevor die Sanierung richtig losgehen konnte – zunächst mussten das Haus Schüz leergeräumt, formelle Prozesse durchlaufen und diverse Gutachten vorgenommen werden – verteuerte sich das Projekt schon deutlich: Im April diesen Jahres sprach Hochbauamtsleiter Andreas Hailer von rund 4,55 Millionen Euro an Kosten. Warum? Ebenjene Gutachten hatten einiges zutage gefördert und zwar nicht nur Gutes. Da wären zum Beispiel Schimmelbefall, Schädlinge, Baustoffe, die in Verdacht stehen, gesundheitsschädlich zu sein und – nicht zu vergessen – die aktuelle Lage in der Baubranche.
Preissteigerung
Doch auch dabei wird es wohl nicht bleiben. Die Kosten für die Sanierung des Hesse-Museums sind erneut in die Höhe geschnellt. In der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltauschusses der Stadt Calw war von rund 6,3 Millionen Euro die Rede.
"Da braucht man gar nicht lange zu reden, die Kosten sind gestiegen", erklärte Patrick Humpert vom Architekturbüro Humpert & Kösel-Humpert in der Sitzung. Die Gründe dafür sind teilweise altbekannt: der Krieg in der Ukraine, explodiernde Energie- und Rohstoffpreise, Lieferengpässe.
Einige, so fügte der Fachmann hinzu, seien aber auch projektbedingt. Beispielsweise müsse das Fachwerk komplett freigelegt werden, um zu überprüfen, welche der Balken instabil und/oder von Pilzen befallen sind. Im Grunde müsse somit fast das ganze Haus entkernt und wieder neu aufgebaut werden. Humpert räumte ein daher auch ein, dass die Sanierung "um einiges komplizierter ist, als wir uns das gedacht haben".
Schäden durch Hausschwamm ("nicht ganz der wilde, aber so ein halbwilder", meinte Humpert) und Feuchtigkeit, Asbest im Boden, Probleme mit der energetischen Sanierung der Fassade – die Probleme sind zahlreich. Bei letzterem habe man "noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden", meinte Humpert. Die Schwierigkeit dabei: die verzierte Fassade, die es zumindest außen praktisch unmöglich macht, eine Dämmung anzubringen – zumindest, solange diese erhalten bleiben soll. Da sie auf alten Fotografien noch nicht auftauche, könnte sie aus Gründen des Denkmalschutzes sogar entfernt werden. Optisch wäre das jedoch ein Verlust, da waren sich auch die Gemeinderäte schnell einig.
Nachhaltigkeit
Freilich kommt heuzutage kein Projekt mehr ohne den Gedanken an Nachhaltigkeit aus. Doch auch das ist bei Hesse-Museum leichter gesagt als getan. So wurden laut Sitzungsvorlage der Einsatz von Photovoltaik und Wärmepumpe untersucht und diskutiert. "Leider eignen sich weder Dach noch Fassade für die Belegung mit PV-Modulen. Für eine Wärmepumpe sind die räumlichen Bedingungen durch das große zu beheizende Gebäudevolumen und die engstehende Nachbarbebauung äußerst ungünstig", heißt es darin.
Schließlich habe man sich, nicht zuletzt wegen der holzzerstörenden Pilze, für eine "monovalente Beheizung mit hohen Vorlauftemperaturen und der Energieerzeugung durch eine Brennwert-Gastherme" entschieden.
Die Fenster sollen im Zuge der Sanierung "ganz bewusst nicht auf Neubauniveau gebracht" werden, sondern dem Gesamtsystem des historischen Gebäudes angepasst werden, wie es weiter heißt. Besonders klimaempfindliche Ausstellungstücke würden zukünftig in speziellen Vitrinen ausgestellt.
Zeitplan
Apropos künftig – wann ungefähr wird das sein? Dieser Tage sei der Bauantrag fertig, im November die Unterlagen für die Genehmigung in Sachen Denkmalschutz, führte Humpert aus. Im Dezember könne ein Förderantrag eingereicht werden, der, so hoffen die Verantwortlichen, im Januar positiv beschieden wird. Im Februar wird mit der Baugenehmigung gerechnet, im zweiten Quartal 2023 mit dem Beginn der Abbrucharbeiten und Ende des Jahres 2024 mit dem Abschluss der Arbeiten.
Wie geht es weiter?
Dieter Kömpf (Freie Wähler) und Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw) zeigten sich im Bauausschuss trotz aller Widrigkeiten guter Dinge, dass zumindest die Baustoffpreise und vielleicht auch die Baukosten im kommenden Jahr wegen der sinkenden Nachfrage ebenfalls sinken könnten. Kömpf, der die Sitzung in Vertretung von Calws Oberbürgermeister Florian Kling leitete, empfahl zudem, den eingeschlagenen Weg trotz der Hindernisse nun weiterzugehen. Die einzige Alternative sei, das Projekt aufzugeben.
Und das kommt wohl für niemandem aus dem Gremium ernsthaft in Frage. Zumindest empfahl der BUA dem Gemeinderat mehrheitlich, für die Sanierung zu stimmen. Der Gemeinderat folgte diesem Votum mit einer Enthaltung und beschloss damit "die Sanierung, den Umbau und die Erweiterung des Hermann-Hesse-Museums entsprechend der vorgestellten Planung, vorbehaltlich der Förderzusage des Bundes und der Zustimmung der Denkmalbehörde".