Nachdem der CDU-Kreisrat sich öffentlich gegen die geplante Trennwand-Lösung in den Tunneln der Hesse-Bahn ausgesprochen hat, meldet sich der Landesvorsitzende des Nabu zu Wort. Tenor: Der Abgeordnete gehe von falschen Voraussetzungen aus. Und Alternativen wären nicht günstiger.
Als 2019 endlich eine Einigung erreicht wurde, war die Erleichterung groß: Wie ein Damoklesschwert hatte die Frage nach dem Schutz der in den Tunneln der Hesse-Bahn lebenden Fledermäuse über dem gesamten Projekt geschwebt. Denn der Naturschutzbund Nabu hatte 2016 deswegen Klage eingereicht, sogar Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Vermittlung übernommen.
Den Befreiungsschlag ermöglichte schließlich die sogenannte Tunnel-im-Tunnel-Lösung. Der Nabu zog seine Klage zurück, das Vorhaben schien zumindest in dieser Hinsicht gerettet. Am kommenden Montag soll der Bau der Trennwandkonstruktion nun vom Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn vergeben werden – für die stattliche Summe von rund 18 Millionen Euro.
23 000 Euro pro Fledermaus?
Dagegen sprach sich am Donnerstag in dieser Woche allerdings Kreisrat und Zweckverbands-Mitglied Simon Klass (CDU) aus. Einige seiner Argumente: Bei 775 Tieren, die in den Tunneln bei Hirsau und Althengstett etwa überwintern, bedeute das Kosten von 23 000 Euro pro Fledermaus. Das sei „unangemessen“ und grenze„schlicht an Wahnsinn“. Zumal es aktuell überall an Geld fehle und pro Schüler und Jahr lediglich rund 10 000 Euro in Bildung investiert werde. Daher werde er das Bauvorhaben am Montag ablehnen.
Eine Stellungnahme, die der Nabu nicht unerwidert lassen will. „Offenbar hat der Kreistagsabgeordnete Simon Klass seine Hausaufgaben als Abgeordneter nicht gemacht“, schreibt der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle als Reaktion auf die Berichterstattung unserer Redaktion. „Vielleicht sollte er darüber nachdenken, sein Sitzungsgeld zurückzugeben oder es für den Naturschutz zu spenden.“
„Große Menschheitskrise“
Enssle erklärt, Klass habe „offensichtlich“ seine Unterlagen nicht gelesen: „Es geht nicht nur um 775 überwinternde Tiere, sondern um mehrere Tausend, die vor den Tunnelportalen schwärmen und Partner finden. Immerhin handelt es sich um eines der bedeutendsten Überwinterungs- und Schwärmquartiere im süddeutschen Raum, mit vom Aussterben bedrohten Fledermausarten.“ Nicht zuletzt, so führt Enssle aus, „müsste eigentlich inzwischen bekannt sein, dass neben dem Klimawandel die Artenkrise eine der beiden großen Menschheitskrisen ist, die uns alle massiv betreffen wird“.
Alternativen zur Trennwandkonstruktion (wie eine Tempo-Reduzierung in und vor den Tunneln) sind zudem rar – und könnten das ganze Projekt in Gefahr bringen. Das dürfte auch für eine Alternative gelten, die der Nabu-Landesvorsitzende abschließend nennt: „ein Ersatztunnel, der den Hirsauer Tunnel umfährt.“ Und, so Enssle: „Ich bezweifle, dass Herr Klass damit Kosten einsparen würde.“