Nach einem Herzinfarkt zurück ins Leben: In Rosenfeld-Isingen trainiert eine Herzsportgruppe unter besonderer medizinischer Aufsicht – und findet dabei mehr als nur Bewegung.
Ein Popsong schallt durch die Eschwaldhalle. Die mitreißenden Beats sind ein musikalischer Vorbote für das, was sich im Inneren abspielt. Die Tür ist sperrangelweit geöffnet, das einfallende Sonnenlicht malt Figuren auf den Hallenboden. „Und jetzt die Arme hoch“, ruft Übungsleiterin Gabi Luppold. 16 Männer und Frauen haben sich im Raum verteilt und folgen ihrer Anweisung. Sie alle haben eine Herzerkrankung. Jeden Freitagnachmittag trifft sich die Gruppe in Isingen, um gemeinsam zu trainieren.
Quietschende Sportschuhe vermischen sich mit Gesprächsfetzen und Lachsalven: „Hier gemeinsam zu trainieren, fühlt sich ein bisschen an wie nach Hause kommen“, bemerkt eine Teilnehmerin mit einem breiten Lächeln. Vor drei Jahren hatte sie einen Herzinfarkt. Auf Rat ihres Arztes habe sie sich nach ihrer Reha bei der Herzsportgruppe angemeldet. Zwischen 25 und 27 Menschen kommen regelmäßig, sagt Luppold. „An manchen Tagen, so wie heute, sind es auch weniger. Aber die Stimmung hier ist besonders, wir sind wie eine große Familie.“ Die Übungsleiterin ist seit 30 Jahren auf Herzsport spezialisiert.
Gemeinsam gegen Unsicherheit
Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Sportstunde wirkt, ist für viele der Teilnehmenden weit mehr als das. Regelmäßige Bewegung gilt als einer der wichtigsten Bausteine in der Behandlung von Herzerkrankungen. Sie kann helfen, den Kreislauf zu stabilisieren, die Belastbarkeit zu steigern und das Risiko für weitere Herzprobleme zu senken, zählt Luppold auf. „Unser Herz ist ein Muskel. Und der muss trainiert werden.“
Gleichzeitig wirke das gemeinsame Training gegen Ängste und Unsicherheit, die viele nach einem Herzinfarkt oder einer Operation begleiten. Herzsportgruppen wie die in Isingen schaffen dafür einen geschützten Rahmen: Unter fachlicher Anleitung lernen die Teilnehmenden, ihrem Körper wieder zu vertrauen – Schritt für Schritt, Übung für Übung. Luppold wünscht sich, dass dieser Schritt noch häufiger direkt in der Reha angestoßen würde. Viele Betroffene erfuhren erst spät von Herzsportgruppen, sagt sie – dabei sei die Anschlussversorgung entscheidend, um langfristig wieder Sicherheit im Alltag zu gewinnen.
Mitarbeiter des DRK dabei
„Der Austausch ist wichtig – der medizinische, aber auch darüber hinaus“, bemerkt die Trainerin. Eine Besonderheit der Herzsportgruppe ist die enge medizinische Betreuung. Während des Trainings ist stets ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes vor Ort, um im Notfall sofort eingreifen zu können. „Das ist Pflicht.“
Auch Luppold kennt die Krankengeschichten der Teilnehmenden genau: Wer einen Herzinfarkt hatte, wer mit Herzrhythmusstörungen kämpft oder nach einer Operation wieder langsam Belastung aufbauen muss. Die Übungen passt sie entsprechend an. Das Zusammenspiel aus Bewegung, fachlicher Anleitung und medizinischer Absicherung gebe vielen erst das Vertrauen, wieder aktiv zu werden. „Manche Teilnehmer lernen hier, die eigene Belastbarkeit auszuloten, und trauen sich das nur, weil eine Fachkraft da ist.“
Absicherung für den Notfall
Diese Fachkraft ist an diesem Nachmittag Stephan Kneer. Der Bereitschaftsleiter des DRK-Ortsvereins Rosenfeld sitzt am Rand der Halle und beobachtet aufmerksam das Geschehen. Die Rosenfelder DRK-Mitarbeiter gehören fest zum Konzept des Herzsports – nicht nur als Absicherung für den Ernstfall, sondern auch als beruhigende Präsenz für die Teilnehmenden.
In den 18 Jahren, in denen sie die Herzsportgruppe in Isingen anleitet, sei selten etwas passiert, sagt Luppold. Dann klatscht sie zweimal in die Hände und bittet die Gruppe in die Mitte der Halle. Die Teilnehmenden stellen sich im Kreis auf. Erst wandern die Arme langsam nach vorne, dann gestreckt nach oben. Einige bewegen sich vorsichtig und konzentriert, andere wirken routiniert. „Und locker lassen“, ruft die Übungsleiterin über die Musik hinweg. Schultern kreisen, Füße schieben über den Hallenboden.
Es geht um die Mischung
Rosi Baur trainiert seit drei Jahren in der Herzsportgruppe. „Manchmal kostet es Überwindung, aber wenn man dann hier ist, ist es einfach wohltuend“, beschreibt sie die Wirkung. „Langweilig wird es hier nie“, betont ein Teilnehmer. Keine Stunde gleicht der anderen. Vor jedem Training überlegt sich Luppold neue Übungen für die Gruppe. „Wir haben schon mit Handtüchern trainiert, Federball gespielt oder Übungen mit Therabändern gemacht“, erzählt sie. An diesem Nachmittag liegen blaue Gymnastikbälle bereit.
Es gehe um eine Mischung aus Koordination, Kräftigung und dem Zusammenspiel von Muskeln und Nerven, erklärt die Übungsleiterin. Dann hebt sie erneut die Stimme, diesmal ruhiger, fast wie ein Taktgeber. Die Musik läuft weiter, ein gleichmäßiger Beat füllt die Halle. Zwei Schritte nach links, zwei nach rechts. Dann einen Arm und ein Bein anheben. Nach dem Aufwärmprogramm steht die erste Trainingseinheit des Nachmittags an.
Die Herzsportgruppe
... trifft sich
jeden Freitagnachmittag zum gemeinsamen Training. Mit gezielten Übungen soll die gesundheitliche Situation trotz bestehender Herzerkrankung verbessert und die körperliche Belastbarkeit gestärkt werden.
Neben der sportlichen Betätigung
spielen auch die sozialen Aspekte eine wichtige Rolle. Die Gruppe unternimmt gemeinsam Ausflüge oder lässt die Übungsabende in geselliger Runde ausklingen. Trainingszeiten: Jeden Freitag, von 16.30 bis 18 Uhr in der Eschwaldhalle Isingen.