Beim Eurosymposium zeigten Meister, Gesellen und Amateure ihre Kreativität zum Thema „Holz und Wasser“. Ein Höhepunkt war der internationale Wettbewerb mit beeindruckenden Arbeiten.
Das Gasthaus „Drei Könige“ war am Wochenende erneut Zentrum der Drechsler, die nicht nur aus der ganzen Republik bis zur Ost- und Nordsee, sondern auch aus der Schweiz und aus Österreich zum Eurosymposium der Drechsler angereist waren.
Einer der Höhepunkte war erneut der Internationale Drechslerwettbewerb mit der Siegerehrung am Samstagabend, dem eine Ausstellung und eine intensive Juryarbeit vorausgegangen waren.
Thema in diesem Jahr war „Holz und Wasser“
Bereits ein Jahr voraus wird das Thema vorgegeben, und das lautete dieses Mal mitBlick auf das 750-Jahre-Jubiläum der Gastgemeinde Oberwolfach „Holz und Wasser“. „Ein Thema, das „unsere Heimat perfekt widerspiegelt, zwei Elemente, die das Wolftal prägen“, sagte Bürgermeisterstellvertreter Martin Dieterle in seinem Grußwort. „Man sieht nicht nur bearbeitetes Holz, man sieht materialisierte Leidenschaft und man sieht, was herauskommt, wenn Herz und Hand im Einklang arbeiten.“
Der fünfköpfigen Jury unter Vorsitz des Landesinnungsmeisters Markus Günther gehörte dieses Mal als Gastmitglied auch die Ulmer Kunsthistorikerin Heidrun Heil an, die das Wochenende mit dem Vortrag „Was kann gute Kunst sein“ bereichert hat. Sie habe selbst über das Drechslerhandwerk sehr viel gelernt und sei begeistert, mit welch enorme Kreativität die Wettbewerbsteilnehmer das Thema umgesetzt hätten, sagte sie.
„Holz schwimmt – Fake news“, hatte Drechslermeister Peter Klein sein Werk überschrieben, mit dem er den ersten Platz in der Meisterklasse belegte. Die Buchstaben H OL Z aus heimischer Robinie schwammen in einer flachen Wasserschale, die Buchstaben S C H W I M M T aus Eisenholzsanken zu Boden. Es gibt mehrere Hölzer, die schwerer sind als Wasser. An der Arbeit zählte nicht nur die Idee, sondern auch die technische Umsetzung: Alle Buchstaben hat Klein über mehrere Achsen oder mit der Technik der Reifendreherei an der Drehbank hergestellt.
Ideenreichtum überzeugt die Jury
Die beiden weiteren Preisträger der Meisterklasse waren Thomas Zemp mit einem Hygrometer und Mario Nagel mit einer Dünenlandschaft in der Holzschale. Bei den Amateurdrechslern ging der erste Preis an Florian Fuchs aus Sachsen für seine „Nussschale auf wogendem Meer“.
Der Deckel einer Schale aus einer Maser-knolle zierte ein Boot mit ebenfalls an der Drehbank hergestelltem Segel. Peter Rückert aus Hessen freute sich über den zweiten Preis der Jury und den Publikumspreis für seinen 75 Zentimeter großen Hydranten mit funktionsfähiger Zapfanlage.
Der dritte Preis ging an Wolfgang Frank aus Stimpfach bei Crailsheim für seine „Stumpen am Bach“. Die Preise der Auszubildenden sahnten drei junge Frauen aus Michelstadt ab: Der erste Preis ging an Joanna Flaig für ihre aus Mammutelfenbein geschnitzte Galionsfigur, der zweite an Julia Keller für ihren Regenbogenfisch und der dritte an Abigail Edelmann für ihre Fischbrosche.
Da die Elfenbeinschnitzer zur Drechslerinnung gehören, galten hier andere Anforderungen. Rund 40 Drechslermeister, -gesellen, -lehrlinge und ambitionierte Amateure nutzten das mit Vorträgen und Vorführungen gespickte dreitägige Programm zur Weiterbildung, zum Austausch und zum Ausbau von Freundschaften. Hinzu kamen viele Tagesgäste, die nur am Samstag wegen der Ausstellungen und der Vorführungen kamen.
Die regionale Wirtschaft brachte sich ein
Auch Unternehmen und Referenten der Region brachten sich ein. Am Freitag stand eine Besichtigung der Hausacher Firma Richard Neumayer an, am Sonntag hielt der Hornberger Fotograf Joshua Rzepka einen informativen Vortrag über Produktfotografie.
Die am Freitag in der Versammlung der Drechslerinnung Baden-Württemberg frisch bestätigten Landesobermeister, Markus Günther und Kurt Knauber, zeigten sich denn auch hoch zufrieden mit dem Verlauf. Ein ganz besonderes Geschenk brachten die Drechsler Wirt Eddy Echle zum 70. Geburtstag mit: Eine Schale, gefüllt mit von den Teilnehmern gedrechselten individuellen Kreiseln.
Seltenes Handwerk
In den Hobbybereich verlagert: Das Drechslerhandwerk ist zwar immaterielles Kulturerbe in Deutschland, trotzdem ist es nur noch ein Nischenhandwerk mit geringer Ausbildungsnachfrage. Nach der Rückkehr zur Meisterpflicht im Drechslerhandwerk im Jahr 2021 rechnete der Berufsverband zwar wieder mit mehr Ausbildungsbetrieben, doch zählte laut Bundesinstitut für Berufsbildung der Datenreport für das Jahr 2024 weniger als 20 neue Lehrverträge.