Dorothee Müller (Leiterin Jugendkunstschule, von links) Nagolds OB Jürgen Großmann und VHS-Leiter Mario Gotterbarm zogen Bilanz. Foto: Geisel

Die VHS Oberes Nagoldtal und die Jugendkunstschule haben Bilanz gezogen. 2020 war ein schwieriges Jahr, das seine Schatten noch mindestens bis in den Haushaltsplan 2021 wirft. Näheres besprach der Zweckverband bei der Versammlung vergangenen Montag in Wildberg.

Wildberg - 2020 war ein Krisenjahr, das stellte Geschäftsführer Mario Gotterbarm gleich zu Beginn fest. Aufgrund der Schließungen hat sich die Unterrichtsleistung der VHS Oberes Nagoldtal halbiert. So kamen rund 11 400 Einheiten á 45 Minuten zusammen, was 825 Veranstaltungen mit rund 8700 Teilnehmern entspricht. Dafür konnten gleich im ersten Lockdown unter dem Titel "vhs Nagoldigital" Onlinekurse starten. Knapp 2000 Einheiten konnten online stattfinden, das sind mehr als 17 Prozent der gesamten Unterrichtsleistung.

Der Präsenzbetrieb war schließlich mit Hygienekonzept wieder möglich. Das bedeutete unter anderem kleinere Gruppen. Eine Kostendeckung sei teils nur durch Erhöhung der Gebühren möglich gewesen. Eine große Hilfe, so Gotterbarm weiter, sei der neue Standort in Nagold, im Atrium des ehemaligen Gertrud-Teufel-Seniorenzentrums, gewesen. Dadurch konnte die Raumsituation entzerrt werden.

"Die Herausforderung war enorm", erkannte Jürgen Großmann an. "Sie waren ausgesprochen flexibel." Der Betrieb der VHS habe aufrecht erhalten werden können, was zu Beginn der Pandemie "nicht selbstverständlich" gewesen sei, so der Vorsitzende des Zweckverbandes. "Das war eine herausragende Leistung, eine Führungsleistung, aber auch eine Teamleistung." Bürgermeister Ulrich Bünger betonte den hohen Stellenwert der VHS und der Jugendkunstschule. Es sei elementar für die Demokratie, die persönliche Fortbildung zu fördern. Bünger dankte der Verbandsführung und der Geschäftsstelle für "die hervorragende Arbeit in der schweren Zeit".

Beispielhaft berichteten Mario Gotterbarm, Britta Schwarte-Straube und Sylvia Ehmann-Oulad aus ihren Fachbereichen. André Dreier als neuer Leiter des Bereichs IT und Beruf stellte sich kurz vor. Seit 2015 unterrichtet er bereits an Volkshochschulen. Insgesamt 25 Jahre hat er Erfahrung als Geschäftsführer gesammelt. Im Jahr 2020 war er zudem EDV-Berater und Digitalisierungsexperte bei der Gemeinde Ebhausen.

Nicht dramatisch eingebrochen

An der Jugendkunstschule seien die Zahlen "nicht ganz so dramatisch eingebrochen", freute sich Leiterin Dorothee Müller. Der Rückgang der Einheiten durch Schließung belaufe sich auf 25 bis 27 Prozent. Die Zahl der Veranstaltungen und Schüler ist sogar gestiegen. "Wir haben sehr schnell reagiert im Team mit der Sommerkunstschule." Über 50 kleinteilige Workshops konnten auf den Weg gebracht werden.

Dass die Kommunen hinter Jugendkunstschule und VHS stehen, habe man gespürt. Auf Gebührenanpassungen konnte verzichtet werden, da Kommunen und Land das Delta ausglichen.

"Die Zahlen spiegeln natürlich das besondere Jahr wider", stellte Stefanie Fischer, Fachbeamtin für das Finanzwesen, mit Blick auf den Jahresabschluss fest. Dennoch sei das Ergebnis "deutlich besser als geplant", was im Wesentlichen auf Zuweisungen vom Bund, eine Corona-Hilfe vom Land und eingesparte Honorare zurückgeht. Der Zahlungsmittelüberschuss beläuft sich auf rund 60 500 Euro.

Für 2021 sei mit knapp 71 000 Euro weniger an Erträgen und Aufwendungen zu rechnen. Die Umlage, welche die Kommunen an die vhs zahlen, bleibt unverändert. Diese beträgt seit 2004 1,95 Euro je Einwohner für die vhs, seit 2019 90 Cent pro Einwohner für die Jugendkunstschule. Zusätzlich rechnet Fischer für 2021 mit einer Sonderumlage in Höhe von 4,90 Euro je Einwohner, damit das Ergebnis des laufenden Betriebs ausgeglichen werden kann. Davon befinden sich aber noch 4,06 Euro an Ersparnissen aus den Vorjahren in der Rücklage. Für die geplanten Investitionen in Höhe von 50 000 Euro dürfte eine Investitionsumlage von 83 Cent pro Einwohner anfallen.

Bürgermeister Bünger wies darauf hin, dass man rechtzeitig mit der Bürgerschaft diesbezüglich in Dialog treten müsse, da die Steuerzahler hier ein Stück weit zur Kasse gebeten werden. Allen Berichten stimmte die Versammlung geschlossen zu.

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