Nach Jahren der Planung ist es so weit: Am Freitag wird auf dem Schnürbuck der neue Ettenheimer Windpark eingeweiht. Das Projekt musste viele Hürden nehmen – ein Rückblick.
Knapp 250 Meter hoch sind die drei weißen Bauwerke, die den Bergrücken östlich von Wallburg und Schmieheim zieren. Jörg Bold, Vorsitzender der Ettenheimer Bürgerenergiegenossenschaft, kann die Einweihung kaum erwarten:
„Die Vorfreude ist sehr groß“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Nicht ohne Grund spricht er vom „Finale eines langen Projekts“. Ein Rückblick.
Erneuerung wird beschlossen
Bereits im Juli 2019 hat die Ettenheimer Bürgerenergiegenossenschaft bei ihrer Hauptversammlung bekanntgegeben, die fünf Windräder auf dem Schnürbuck erneuern zu wollen. 20 Jahre hatten die Anlagen da schon auf dem Buckel, neuere sollten effizienter Strom produzieren.
Ende des Jahres wurde es konkret: Aus fünf sollten drei deutlich größere Windräder werden. Das Vorhaben nahm die Genossenschaft gemeinsam mit der Ökostromgruppe Freiburg und der Firma Alterric in Angriff. Geplante Fertigstellung: Herbst 2022. Es sollte doppelt so lange dauern.
Windräder werden abgebaut
In den folgenden Jahren wurden die fünf Windräder auf dem Schnürbuck nach und nach außer Betrieb genommen und abgebaut. Das letzte, das auf Kippenheimer Gemarkung, im März 2022. Mit einem gewaltigen Kran wurden Rotorblätter, Nabe und schließlich der Turm abmontiert. Die Teile wurden jedoch nicht verschrottet, sondern nach Polen transportiert, wo das Windrad wieder aufgebaut wurde.
Kurios aus heutiger Sicht: Der Kran sollte, wie es damals beim Besuch unserer Redaktion hießt, an Ort und Stelle bleiben, um das neue Windrad aufzubauen. Bekanntlich kam es anders.
Herrenknecht blockiert Baugenehmigung
Es war eine Sitzung des Regionalverbands im Juli 2022, in der Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz der Kragen platzte und die Gründe für die Verzögerung öffentlich machte. Metz gab bekannt, dass der Lahrer Flugplatz um Martin Herrenknecht, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, schon 2021 Widerspruch gegen den Windpark eingelegt hatten.
Warum? Der Flugplatz gab an, dass aufgrund der Höhe der neuen Anlagen einige Flugrouten angepasst werden müssten. Metz – und viele andere – nahmen Herrenknecht diese Argumentation jedoch nicht ab und vermuteten Ideologie dahinter: Der Schwanauer Unternehmer hat sich in der Vergangenheit mehrfach gegen Windkraftanlagen im Schwarzwald ausgesprochen, betonte in der Debatte jedoch, er wollte „die Rechte des Flugplatzes verteidigen“.
Der Streit endete im Oktober 2022 damit, dass sich die Parteien auf eine Einmalzahlung der Windrad-Betreiber an die Flugplatz-Gesellschaft einigten. Die wiederum beantragte beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung neue Abflugrouten. Freie Bahn für den Windpark, oder?
Genehmigung ist hinfällig
Weit gefehlt. Als Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Juni 2023 Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz die Genehmigung für die Windräder übergab, war das für letzteren nur bedingt ein Grund zu Freude. Denn die damals geplanten Anlagen, für die man nun die Genehmigung hatte, waren nach der Verzögerungen durch den Flugplatz-Streit gar nicht mehr auf dem Markt.
Die Betreiber des Windparks mussten einen Änderungsantrag stellen, durften dies jedoch erst vornehmen, als der ursprüngliche Antrag genehmigt war. Metz kritisierte damals im Gespräch mit unserer Redaktion das „unerträglich und unverantwortlich lange“ Verfahren scharf, denn es sei darum gegangen, die Energiewende voranzutreiben.
Der Bau beginnt
Im Februar 2024 waren dann alle bürokratischen Hürden überwunden. Der Änderungsantrag wurde genehmigt, die Betreiber konnten mit den Vorarbeiten beginnen. Zunächst wurden die Wege ertüchtigt, damit das schwere Gerät seinen Weg zu den Anlagenstandorten findet. Im Herbst 2024 wurde mit dem Bau der Fundamente begonnen.
Im März diesen Jahres startete der Turmbau, in den folgenden Monaten wurden die Rotorblätter auf den Schnürbuck transportiert, was spektakuläre Bilder lieferte. Seit einigen Wochen sind die drei Anlagen fertiggestellt. Eine davon – jene, die Ettenheim am nächsten steht – gehört der Bürgerenergiegenossenschaft.
Feier zur Einweihung
Die Ettenheimer laden daher für den morgigen Freitag an „ihrem“ Windrad ab 15 Uhr zur großen Einweihungsfeier. „Es haben sich bereits 350 Menschen angemeldet“, so Bold, der hofft, dass es noch mehr werden. Auf dem Programm stehen Grußworte von Metz und seinem Kippenheimer Amtskollegen Matthias Gutbrod.
Bold betont, dass die Gäste einiges erleben können. So werden sich die Rotorblätter der Anlage einmal testweise drehen und auch ein Blick ins Innere des Windrads wird möglich sein. Wer dabei sein möchte, kann sich unter www.ettenheimer-buergerenergie.de anmelden. Dort erhält man weitere Infos, etwa zum Shuttle-Service zur Anlage. Wie blickt Bold heute auf den langen Weg zur Einweihung zurück? „Bei jeder Projektentwicklung treten Probleme auf, die man lösen muss“, meint er. Alle Querelen werde er bald schon vergessen haben: „Sobald die Mühle sich dreht, sehe ich das ganz entspannt.“
Auch Bruno Metz „freut sich wirklich“ auf die Einweihung morgen, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es war einiges an Arbeit, es ist schön, dass wir dieses Projekt gemeinsam umsetzen können.“ Der Streit mit Herrenknecht „ist vergessen“, so Ettenheims Rathauschef. Bei ihm überwiegt nun die Vorfreude auf die Inbetriebnahme des Windparks, „der erheblich dazu beitragen wird, unsere Umwelt- und Strombilanz zu verbessern“.
Technische Daten
Die drei Anlagen, zwei auf Ettenheimer, eine auf Kippenheimer Gemarkung, haben eine Nabenhöhe von 166 und einen Rotorblattdurchmesser von 160 Metern. Hergestellt wurden sie von der Firma Enercon. Gemeinsam sollen sie künftig bis zu 30 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen, was dem Verbrauch von 10 000 Haushalten entspricht. Über die Genossenschaft sind Ettenheimer Bürger an einem Windrad beteiligt.