Um die Mittagszeit am Dienstag hob der SC Freiburg vom Lahrer Flugplatz in Richtung Türkei ab. Foto: Endrik Baublies

Der Einzug des SC Freiburg ins Finale der Europa League elektrisiert Fußballbegeisterte in der Ortenau. Auch prominente Fans fiebern heute mit. Zwei konnten sogar Tickets ergattern.

Es ist schon jetzt der größte Erfolg der Vereinsgeschichte und es könnte ein wahres Märchen werden: Der SC Freiburg spielt heute Abend im Tüpras Stadium von Istanbul gegen Aston Villa um den Sieg der Europa League. Um die Mittagszeit am Dienstag hob die Mannschaft vom Lahrer Flugplatz in Richtung Türkei ab.

 

Ein Erfolg würde den ersten großen Titel des Vereins bedeuten – und die Teilnahme an der Champions League in der kommenden Saison. Wir haben bekannte Fans des SCF gefragt, wie sie mit ihrem Verein mitfiebern, und warum sie dem Team von Julian Schuster den Titel zutrauen.

Markus Ibert: Wann immer es der Terminkalender zulässt, verfolgt der Lahrer OB die Heimspiele seines SC im Stadion. Beim Final-Einzug gegen Braga zitterte er vor dem Fernseher mit, wie er erzählt. Und zwar zusammen mit Freunden und Bekannten. „Allesamt Fans des SC Freiburg. Entsprechend groß war der Jubel“, so Ibert.

Markus Ibert Foto: Stadt

Eine Reise nach Istanbul lässt die Agenda nicht zu, stattdessen wird er das Spiel gegen Aston Villa „wenn möglich“ bei einem Public Viewing verfolgen. Vorzugsweise in Lahr, falls ein Gastronom oder ein Verein eines anbietet. „Ansonsten daheim vor dem Fernseher.“ Der SC Freiburg, sagt Ibert, wird die Europa League gewinnen, weil er ein weiteres Mal über sich hinauswachsen wird. „Toller Trainer, tolles Team“, meint der Lahrer OB.

Johannes Fechner: Der SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Emmendingen-Lahr brennt für Fußball – und schnürt immer wieder selbst die Fußballschuhe. Mit dem FC Bundestag wurde er erst am Wochenende Europameister der Parlamentarier. Die Spiele seines Herzensclubs verfolgt er in Sitzungswochen normalerweise von Berlin aus. „Das Rückspiel gegen Braga etwa habe ich mit rund 200 SC-Fans in der Berliner SC-Kneipe angeschaut gemeinsam mit dem Berliner SC-Fanclub Spree Bobbele“, berichtet Fechner. „Die meisten waren im Trikot und mit Schal da und es war eine Superstimmung.“

Johannes Fechner, hier beim Halbfinale in einer Berliner Bar, tauscht auch fürs Finale die rote Krawatte gegen Fankluft. Foto: privat

Höhepunkt sei nach dem Abpfiff gewesen, gemeinsam mitten in Berlin das Badener-Lied zu singen. Die aktuelle Sitzungswoche lässt Fechner für seinen Verein sausen: „Ich habe tatsächlich ein Ticket für das Finale und fahre mit meinen Kindern nach Istanbul. Wir sind schon sehr aufgeregt und freuen uns riesig auf dieses Fußballspektakel.“ Fechner hofft, dass dieses Finale besser ausgeht als das DFB-Pokalfinale 2022. „Nach der damaligen bitteren Niederlage war ich schon sehr traurig.“ Doch der 53-Jährige ist zuversichtlich: „Der SC gewinnt knapp, weil er mit Herz, Leidenschaft und einem Superteam das Finale rocken wird.“

Martin Herrenknecht: Nicht nur seine Firma ist Premiumpartner des Vereins, auch Martin Herrenknecht selbst ist großer SC-Freiburg-Fan. „Das Rückspiel gegen Braga habe ich natürlich live im Stadion verfolgt. Die frühe rote Karte für Braga, der Doppelpack von Kübler, der Knaller von Manzambi und das 1:3 kurz vor Schluss – ein Wahnsinnsspiel“, sagt der Schwanauer Unternehmer. „Als dann nach dem Abpfiff die Fans den Platz gestürmt haben, war das Gänsehaut pur, einfach unvergesslich.“

Martin Herrenknecht Foto: Bender

Die Mannschaft habe mit dem Einzug ins Europa-League-Finale Historisches geleistet. In Istanbul wäre er natürlich gerne dabei. „Ich bin diese Woche allerdings beruflich beim World Tunnel Congress in Kanada – und Arbeit geht bei mir immer vor.“ Aston Villa sei ein gestandener Premier League-Club, das werde „noch einmal eine echte Challenge“. Warum der SC Freiburg heute Abend trotzdem gewinnt? „Weil unsere Jungs nicht nur richtig gut kicken können, sondern weil sich in diesem Team jeder auf den Nebenmann verlassen kann – ohne Wenn und Aber. Und darauf kommt es an.“

Nicolai Hoch: Der Musiker hat den Einzug ins Finale ebenfalls live im Stadion erlebt. „Ich war den ganzen Tag nervös und aufgeregt“, berichtet er. Ab der sechsten Minute, der roten Karte gegen Braga, „dachte ich, ich habe hier eine Fata Morgana vor Augen“, beschreibt er seine Emotionen. „Nach Abpfiff stand ich einfach nur da, war fertig und habe geweint.“ Der Bassist der Metalcore-Band „Setyøursails“ geht seit 28 Jahren zum SC Freiburg, sein Großvater hatte ihn einst als Kind mitgenommen. „Ich habe Abstiege und Aufstiege mitgemacht. Jetzt stehen wir im Finale der Europa League. Das ist völliger Wahnsinn.“

Nicolai Hoch Foto: Köhler

Nach Flügen Richtung Istanbul hat der 32-Jährige noch während des Halbfinals geschaut, ein Ticket konnte er auch ergattern. Das Spiel gegen Aston Villa will er auf keinen Fall verpassen – vor allem weil er auf das DFB-Pokalfinale 2022 wegen einer Tour seiner Band verzichten musste. Um nach Istanbul zu kommen und dort im Stadion zu sein „hätte ich wahrscheinlich meine Niere verkauft“, scherzt er. Hoch traut seinem SCF – vor allem nach dem letzten Ligaspiel gegen Leipzig – „alles zu. Von einer krachenden Niederlage bis zum dominanten Sieg.“ Aber: „Wir haben nichts zu verlieren, wir haben gewonnen, weil wir überhaupt da sind.“