Alexander Scheer legt Wert auf die Feststellung, dass er in seinem David-Bowie-Programm nicht als David Bowie, sondern als Alexander Scheer auf der Bühne steht. Foto: Veranstalter/Luna Tscharnt

Der Schauspieler Alexander Scheer will Mitte April im Hegelsaal der Stuttgarter Liederhalle unter dem Motto „Heroes“ Musik mit Literatur mischen und David Bowies Werk ergründen.

Alexander Scheer sieht David Bowie als Außenseiter. Im Interview erklärt der Berliner, was er an dem zwischenzeitlichen Wahl-Berliner faszinierend findet und wann er während seines Bowie-Programms Gänsehaut kriegt.

 

Herr Scheer, Sie haben als Schauspieler außer Keith Richards und dem DDR-Liedermacher Gerhard Gundermann auch David Bowie dargestellt. Weshalb kehren Sie nun für ein Bühnenprogramm zu Bowie zurück?

Musiker im Film zu spielen macht mir großen Spaß, aber tatsächlich Musik auf einer Bühne zu machen, ist noch besser. Wir haben Bowies wunderbare Songs in über 25 ausverkauften Vorstellungen im Berliner Ensemble gespielt. Ein Paar reiste neulich extra aus Stuttgart an und fragte, ob wir auch mal dort auftreten würden. Deshalb freuen wir uns sehr, jetzt in der Liederhalle am Berliner Platz zu spielen.

Aber was fasziniert Sie an dem Künstler David Bowie an sich?

Hauptsächlich der Weg eines Außenseiters. Bowie ging so weit zu sagen, er sei ein Alien und komme aus dem Weltall. Musikalisch schlug er immer wieder neue Richtungen ein. Er ruhte sich nicht auf Erreichtem aus und ging mehr als einmal ins volle Risiko. Davor habe ich tiefen Respekt. Bowie ging durch viele Metamorphosen, bis er am Ende zu sich selbst gefunden hatte. Das fasziniert mich.

Vor fünf Jahren gab Alexander Scheer schon mal ein Bowie-Programm. Es hieß „I’m Only Dancing“. Foto: imago/Votos-Roland Owsnitzki

Wie kommt man einer so expressiven Bühnenfigur wie David Bowie nahe, ohne ihn zu karikieren?

Das weiß ich nicht, weil ich das gar nicht versuche. Ich bin Alexander Scheer auf der Bühne und singe seine Songs so ehrlich wie möglich. Wir nähern uns Bowies popkulturellem Kosmos aber auch über eine von ihm selbst veröffentlichte Liste seiner 100 Lieblingsbücher an, aus denen ich ausgewählte Texte lese.

Ein Beispiel?

Wir klären die Frage, woher die Delphine im Song „Heroes“ stammen. Aus einer Erzählung nämlich von Alberto Denti di Pirajno „Das Mädchen auf dem Delphin“. Bowie ging stets mit einer mobilen Reisebibliothek auf Tournee. In dieser finden sich Klassiker der Weltliteratur wie Dantes „Inferno“ oder George Orwell, sowie Sachbücher zu Geschichte und Musikhistorie und obskure Comics. Aber auch einige deutsche Werke, wie „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin. In Verbindung mit seinen Liedern beleuchten diese Texte den Mythos Bowie näher und fügen seinem Schaffen ungeahnte Dimensionen hinzu.

In einer Ankündigung für Ihren David-Bowie-Abend werden Sie mit dem Satz zitiert: „Niemand im Universum des Pop hat die Grenze zwischen Leben und Kunst authentischer verwischt als David Bowie.“ Weshalb hat Bowie Ihrer Ansicht nach in dieser Disziplin Freddie Mercury und Bob Dylan geschlagen?

Vieles in Bowies Karriere war Zufall, anderes sicher auch Kalkül. In kurzer Folge brachte er in den Siebzigerjahren eine Reihe von Platten heraus, die sich stilistisch zum Teil grundlegend voneinander unterschieden. Permanente Veränderung als einzige Konstante. Mit seinem finalen Album „Blackstar“ schrieb David Bowie dann sein eigenes Requiem. Der letzte, der das getan hat, war Wolfgang Amadeus Mozart.

Haben Sie ein Lieblingslied von ihm?

Da gibt es einige. Ein Kernstück unserer Show „Heroes“ – damit sind auch die Helden der Literatur gemeint – ist sicher „Where Are We Now?“ Mitten im Song lese ich einen Text aus dem Roman „Nachdenken über Christa T.“, auch dieses Buch steht auf Bowies Liste, der Song ist durchdrungen von Christa Wolfs Sprachbildern. An einer Stelle fragt sie: „Wann, wenn nicht jetzt?“ Und in diesem Moment spürt es der ganze Saal: Wir sind jetzt alle an dieser Stelle in unserem Leben zusammen hier, genau jetzt. Da kriege ich jedes mal eine Gänsehaut.

Hommage an David Bowie

Volksbühne
Der Schauspieler Alexander Scheer wurde 1976 in Ost-Berlin geboren und war 16 Jahre lang Teil des Volksbühnen-Ensembles von Frank Castorf. Als Vorbereitung für eine Filmrolle als junger Keith Richards gründete er vor knapp 20 Jahren die Kurzzeit-Band The Rockboys.

Berlin
Prägende Jahre verbrachte der britische Musiker David Bowie (1947 – 2016) zwischen 1976 und 1978 in Berlin, wo er unter anderem das Album „Heroes“ mit dem berühmt gewordenen Titelsong aufnahm. In den Achtzigern wurde er mit „Let’s Dance“ zum globalen Superstar.

Termin
Alexander Scheer tritt am 17. April mit dem Programm „Heroes – Alexander Scheer singt David Bowie“ im Hegelsaal der Stuttgarter Liederhalle auf.