Das Gasthaus Sonne in Truchtelfingen hat Hermann Steinhart gekauft und liebevoll restauriert. Nun ist er im Alter von 84 Jahren gestorben. Foto: Karina Eyrich

Hermann Steinhart, von 1981 bis 1999 Erster Bürgermeister in Albstadt, ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Er war fleißiger Schultes mit „weichem Herz in einer rauen Schale“.

„Gesellschaft gesucht hat er nie, aber wenn er in Gesellschaft war, konnte er einen ganzen Saal unterhalten“, sagt Thomas Haas, einst sein persönlicher Referent, über Hermann Steinhart, von 1981 bis 1999 Erster Bürgermeister der Stadt Albstadt, der am Sonntag im Alter von 84 Jahren verstorben ist.

 

Am Nikolaustag 1940 geboren, war Steinhart in Mengen aufgewachsen und besaß bis zu seinem Tod das Haus seiner Eltern, in deren Grab nun auch seine Urne beigesetzt wird.

Kommunalpolitik nicht nur für, sondern mit dem Bürger

Zunächst Kämmerer in Bietigheim-Bissingen, dann Erster Beigeordneter in Schwäbisch Gmünd, hatte sich der Verwaltungsfachmann und Betriebswirt im Dezember 1980 gegen drei Kandidaten durchgesetzt – und sich gleich das klare Ziel gesetzt, zusammen mit dem Oberbürgermeister – zunächst Hans Pfarr, ab 1991 Hans-Martin Haller – Impulse zu setzen, die Stadt als Lebensraum lebenswerter zu machen, eine krisenfeste Wirtschaftsstruktur aufzubauen und „Kommunalpolitik nicht nur für, sondern auch mit dem Bürger“ zu machen.

„Er war ein sehr sozialer Mensch, hatte ein weiches Herz, wenn auch in einer rauen Schale“, sagt Thomas Haas. „Und sehr humorvoll – nach 10 Uhr morgens!“ fügt er lachend hinzu. Haas hat seinen damaligen Chef als einen erlebt, der „Akten fressen“ konnte, sich „unglaublich reingekniet“ habe, perfektionistisch gewesen sei und viel gefordert habe. „Aber er hat mir auch unheimlich viel beigebracht und stand auch hinter einem, wenn man Fehler gemacht hat – sofern man ihn nicht absichtlich hintergangen hat.“

Hermann Steinhart (Zweiter von links) beim ersten Bürgerfest der Stadt Albstadt zwischen Rainer Mänder, Axel Pflanz, Hans-Martin Haller und Hans Pfarr Foto: Karina Eyrich

Die Schulen und Kindergärten, der Aufbau eines Seniorenzentrums in Tailfingen und der Ausbildungs- und Berufsförderstätte ABA, deren Gründung er vorangetrieben habe, seien ihm besonders wichtig gewesen, sagt Haas. „Sehr am Herzen lagen ihm immer hilfsbedürftige Menschen, auch Asylbewerber, und er war immer sehr an der Sache orientiert und ist standhaft geblieben“, betont Haas. „Widerstand hat ihn eher gereizt.“

Eine Stadt in geordneten finanziellen Verhältnissen

Geordnete finanzielle Verhältnisse waren Steinhart nicht genug – mit Weitblick habe er Grundstücke in guter Lage und zu vernünftigen Preisen für die Stadt gekauft, um Tausch-Immobilien oder Erweiterungsmöglichkeiten zu schaffen. Steinharts Sparsamkeit war freilich zuweilen Anlass, ihn aufs Korn zu nehmen: Über eine zwei Mal reduzierte Schokolade zum Geburtstag soll er sich gefreut – und herzlich gelacht – haben.

Offen für Feste und Kleinkunst

Weil Steinhart auch jeden Samstag gearbeitet habe, hatten seine Frau Brigitte und seine drei Töchter wenig von ihm. In seiner knappen Freizeit restaurierte Steinhart gerne alte Möbel und hat mit viel Herzblut und Liebe zum Detail das „Gasthaus Sonne“ in Truchtelfingen wieder zum Scheinen gebracht, es auch einige Male für Feiern und Kleinkunst geöffnet, was Zweck der aufwendigen Restaurierung war. Auch in sein Haus in der Tailfinger Wasenstraße hat Steinhart viel Energie gesteckt, doch vor sieben Jahren traf ihn ein Schlaganfall, der ihn eingeschränkt, ihn seine große Energie gekostet hatte. Nach Sri Lanka reisen, in seinem Boot auf dem Bodensee den Ruhestand genießen, den er nach zwei Wiederwahlen mit 58 Jahren 1999 angetreten hatte – all das war nicht mehr möglich.

Seine Tochter Claudia, Thomas Haas und sein Nachfolger Axel Pflanz waren für Hermann Steinhart da, der so viel für die Stadt und für andere getan hatte. Wann er beigesetzt wird, steht noch nicht fest.