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Hermann-Hesse-Museum Mitarbeiter trotz Schließung in Calw aktiv

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Timo Heiler und Ute Lilly Mohnberg mit dem Gemälde "§218" von Richard Ziegler. Foto: Becker

Zwar sind auch die städtischen Museen von der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg betroffen, doch trotz erneuter Schließung sind die wissenschaftlichen Angestellten alles andere als untätig. Warum Museumsarbeit weit mehr als Publikumsarbeit ist, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Calw - Viele Tätigkeiten geschehen nämlich hinter den Kulissen und bleiben dem Besucher somit verborgen. So muss der umfangreiche Sammlungsbestand betreut werden, Exponate digital erfasst, gelagert oder umgelagert werden. Auch restauratorische Arbeiten müssen hin und wieder in Auftrag gegeben werden, erklärt der Leiter im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten.

Gerade bereiten Heiler und seine Kollegin Ute Lilly Mohnberg einen Umzug vor, schließlich stehen umfangreiche Sanierungsarbeiten am Gebäude des Hermann-Hesse-Museums an. Eine Menge Umzugskartons, Buchbinderkartons und auch säurefreie Kartons wurden hierfür geordert, um eine langfristige und vor allem sichere Lagerung gewährleisten zu können. Ein wichtiges Utensil hierbei: weiße Baumwollhandschuhe, denn nur so lassen sich die Kunstwerke anfassen, ohne einen möglichen Schaden davonzutragen. Wohin die Reise für die Exponate geht – ein möglicher Zwischenlagerungsort – stehe allerdings noch nicht fest, sagt Heiler.

Barrierefreiheit dank Aufzug

Im Laufe des kommenden Jahres wird das Hesse-Museum nämlich für zwei Jahre schließen und voraussichtlich erst wieder 2023 für den Besucherverkehr zugänglich sein. Rund 2,8 Millionen Euro werden in die Umbaumaßnahmen investiert. Jüngst wurde bekannt, dass 50 Prozent der Kosten vom Bund getragen werden.

Es gibt eine Menge zu sanieren. Heiler spricht von Fensterrahmen, Wänden, Böden, der Hauselektrik, der Fassade, einer Dachuntersuchung, und dem veralteten Nachtspeicherofen, dessen trockene Luft für die Langlebigkeit der Exponate nicht gerade zuträglich sei. Nicht zuletzt bekommt das Museum einen Aufzug, der im Zuge der Schaffung der Barrierefreiheit eingebaut wird.

2020 wäre eigentlich das letzte Öffnungsjahr vor einer langen Schließzeit gewesen. Der zweifache Lockdown hat entsprechend auch das Hesse-Museum stark getroffen. So mussten viele Veranstaltungen kurzfristig abgesagt werden. Die Pandemie zum einen, die sanierungsbedingte Schließung zum anderen habe dann zur Überlegung geführt, "wie wir unsere Arbeit nach außen hin sichtbar machen können, wie wir unsere Angebote auch außerhalb des Hauses anbieten können", sagt Heiler.

Pop-up-Ausstellungen sollen Neugierde wecken

Er und sein Team beschlossen, Themen der Dauerausstellung im Stadtgebiet sichtbar zu machen. Kleinere Pop-up-Ausstellungen sollen die Neugierde wecken, damit die Besucher nach Corona und der Sanierung wiederkehren. Eine dieser Themeninseln befindet sich derzeit im Foyer des Rathauses. "Steppenwolf und Malerfreund" sollte eigentlich bis 28. Februar die Illustrationen Gunter Böhmers zu Hesses Roman Steppenwolf zeigen und zudem die Freundschaft der beiden Künstler beleuchten. Während des November-Lockdowns ist natürlich auch diese zurzeit geschlossen, allerdings bleibt sie digital abrufbar. Eine weitere Themeninsel sei außerdem im Palais Vischer geplant, sagt Heiler.

Nicht ganz nachvollziehen kann der Leiter der städtischen Museen, warum die Stadtbibliothek während der Schließung weiter geöffnet sein darf, aber die Museen nicht. Schließlich seien Museen alles andere als Freizeiteinrichtungen, wie es in einem Beschluss der Kultusminister hieß, sondern ebenfalls Bildungseinrichtungen, mit einem wichtigen Auftrag als Vermittler und Bewahrer von kulturellem Erbe und Bindeglied zwischen Wissenschaft und Bevölkerung.

Kunst und Kultur helfe den Menschen, besser durch die Krise zu kommen, sagt Heiler. Sie sei für viele ein "Rettungsanker in schwierigen Zeiten". Und schließlich: "Wenn die Kultur wegbricht, wie arm ist dann eigentlich das Leben?"

Hygiene-Konzept im Museum

Auch das Hermann-Hesse-Museum hat in ein Hygiene-Konzept investiert: So wurde unter anderem die Besucheranzahl auf zehn Personen reduziert, das Zeitfenster des Besuches auf 90 Minuten festgelegt, und ein Einbahnstraßensystem durch die Dauerausstellung etabliert.

"Auch wenn dem (DMB) Deutschen Museumsbund kein einziger Fall einer Coronainfektion in einem Museum bekannt ist, und unsere Einrichtungen dank des Hygienekonzeptes kein erhöhtes Risiko darstellen, muss die Reduktion von Infektionsmöglichkeiten natürlich das wichtigste Ziel bleiben", sagt Heiler. Schließlich habe die Gesundheit der Menschen oberste Priorität.

Und schließlich, wie soll es bei dem Leiter eines Literaturmuseums auch anders sein, gibt Heiler noch ein Lektüretipp mit an die Hand, schließlich sei das Werk Hesses "tagesaktueller denn je". Pandemien oder Viren tauchten in seinen Schriften zwar nicht auf, sagt Heiler, doch sei einiges über den Umgang mit weltpolitischen Krisen wie Weltkriegen zu finden, oder über Nationalismus.

Der Autor sei auch ein wichtiger "Brückenbauer" gewesen. "In seinem ersten ­Roman ›Peter Camenzind‹ legt Hesse sehr viel Wert auf Umweltschutz", sagt Heiler, "die Natur wird hier als schützenswerter Kosmos dar­gestellt." Empfehlungen für alle, die einen "Rettungsanker in schwierigen Zeiten" be­nötigen.

Der Gemeinderat hat die Architekturleistungen für die Sanierung des Museums einstimmig an das Architekturbüro Humpert & Humpert-Kösel aus Karlsruhe vergeben. Mehrere Architekturbüros hatten sich für das zweistufige Vergabeverfahren beworben. Durchgesetzt hatten sich schließlich die Brüder Patrick und Nicolaus Humpert.

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