Vor dem großen Publikum brachte die Band VON WELT die nötige Lautstärke mit. Foto: Thomas Fritsch

Auch auf das Hermann Hesse Festival wirkte sich Corona aus. 2020 von der Udo Lindenberg Stiftung ausgeschrieben, konnten die Träger des Panikpreises erst jetzt live zeigen, was sie auszeichnet.

Calw-Hirsau - Alle sechs Finalisten beim Hermann Hesse Festival bekamen ein Preisgeld von 2500 Euro, die ersten drei 5000 Euro. Damit wollte die Udo Lindenberg Stiftung einen Beitrag leisten, damit Musiker in schwierigen Zeiten nicht aufgeben.

"Feiere deine heilige Individualität, mach’ dein Ding", darum geht es dem Stifter. Bei der Förderung der jungen Künstler seien krasse, nicht angepasste Texte gefragt, um einen Kontrapunkt zum "Gesülze im Radio" zu setzen, so Udo Lindenberg.

Deutliche Sprache

Da ging es mit Mola aus München gleich richtig los. "Ob geil oder scheiße – Google nennt das bipolar", heißt es in einem ihrer Lieder. Sie sei eine starke Frontfrau mit einer frechen Stimme, bescheinigte Moderator Arno Köster der Preisträgerin, die mit einer klassischen Rockband auf der Bühne stand. Zuweilen waren Rap-Einsprengsel zu hören, aber auch Anklänge an Italo-Pop, etwa bei "Vino Bianco".

Mit dem Thema Polarität, mit der sich auch Preisträgerin Ronja Maltzahn befasste, ging es weiter, als der von der Sparkasse Pforzheim Calw gestiftete Sonderpreis für die beste Hesse-Vertonung an der Reihe war. Kein leichtes Unterfangen, wie Regina Bucher, Leiterin des Hesse-Museums in Montagnola, bekundete. Die Preisträger Anna-Janina Remsperger und Jascha Nakladal hatten sich den Roman "Narziss und Goldmund" ausgesucht und dazu einen neuen Text verfasst ("Du & Ich").

Nötige Lautstärke

Weiter ging es mit den Panikpreis-Trägern. Vor dem Auftritt der Band VON WELT sprach Köster eine Art Warnung aus. Es werde jetzt so laut wie bei Stadion-Konzerten. Nun, so schlimm kam es nicht. Schließlich ist Rock keine Kammermusik. Und so brachte die Gruppe, die von Südbaden in den Nordschwarzwald keine allzu weite Anreise hatte, schon die nötige Lautstärke mit. Zuweilen fühlte man sich an Rammstein oder andere schwere Kaliber erinnert. Die Texte lassen an Deutlichkeit nichts missen: "Wir sind Vorkriegskinder, fahren Vollgas an die Wand." Das sind Zeilen von erschreckender Realität.

Auftrittsverbot wegen Dreadlocks – so ist es Ronja Maltzahn ergangen. Wegen "kultureller Aneignung" wurde sie von "Fridays for Future" wieder ausgeladen. Sie sollte bei einer Demo in Hannover auftreten. Auch Arno Köster geht das zu weit, "auch wenn ich jetzt einen Shitstorm riskiere". Ohne die kulturelle Aneignung des schwarzen Rhythm‘n‘Blues hätte es die Rolling Stones nie gegeben, schob der Moderator zur Begründung nach.

Schönes Durcheinander

Musikalisch bot Maltzahn den wohl ungewöhnlichsten Auftritt. Das trifft auf ihre Stimme genauso zu wie auf die Besetzung ihrer Band, die rund ein Dutzend Musiker mit Streichern und Bläsern umfasst. Tänzer und Tänzerin kommen hinzu.

Ronja bezeichnet ihren Sound als "Beautiful Mess", so auch der Titel eines ihrer Alben. Als schönes Durcheinander lässt sich das übersetzen. Die Sängerin und Multi-Instrumentalistin aus Osnabrück hat erst spät zu ihrer Muttersprache gefunden, sang zunächst auf Englisch, Französisch, Italienisch. Jetzt hat sie mit ihrem brandaktuellen Album "Heimat" erstmals auf Deutsch gesungen.

Geld für die Ukraine

Geld gab es auch noch. Die Ukraine-Hilfe der Unicef bekam einen Scheck über 20 000 Euro überreicht. Das brachte der Verkauf von T-Shirts ein, die während der Tour "Udopium Live 2022" verkauft worden waren. Sie tragen die Aufschrift "Wozu sind Kriege da?" und wurden in der Druckerei von André Heinze von Insassen einer Berliner Justizvollzugsanstalt hergestellt. Gut 31 000 Euro für die Projekte der Lindenberg-Stiftung in Afrika hatten die Dosenpaten gesammelt. Sie stellen ihre Büchsen bundesweit in Geschäften auf und ließen sie auch während der Tour kräftig klappern. Sie sind seit vielen Jahren treue Begleiter der Stiftung, wie Köster erläuterte.