Der Ötlinger Künstler Stefan Winterle hat eine Reproduktion eines Daur-Werks erstellt. Foto: Ines Bode

Das Bild wird Ende Juli in der Dorfstube Ötlingen versteigert.

Wenn Stefan Winterle im Dorf unterwegs ist, hört er derzeit freundliche Erkundigungen: Ob es vorangehe, wie es laufe oder wann er fertig sei? Das Interesse der Ötlinger freut den Maler, der mit der Reproduktion eines Hermann Daur-Werks beauftragt wurde.

 

Zum 100. Todestag

Das Daur-Jahr anlässlich seines 100. Todestages ist in vollem Gange. Als Ute Korom vom „Verein zur Förderung der Dorfstube Ötlingen“ als Ausrichter die Anfrage der Mitwirkung stellte, habe er natürlich zugesagt. Es galt, das Gemälde „Über den Dächern“ von 1922 nachzubilden.

Ein „Ja“ bekommen nun auch all jene, die sich für den Fortschritt der Reproduktion interessieren.

„Es ist vollbracht“, schmunzelt der Künstler bei einem Atelierbesuch. Mehrere Wochen Arbeit stecken in seinem Bild. Korom habe ihm alle Freiheiten gelassen. Diese habe er genutzt. Teilweise, weil ihm nichts anderes übrig blieb, teilweise weil ein simples Abmalen nicht in Frage kam.

Schablonentechnik

Sein Stil sei ein völlig anderer, betont der Künstler. Wer seine Arbeiten kennt, wird den Winterle-Duktus sofort erkennen. In der Fachsprache heiße sie „Schablonentechnik“, eine uralte Methode, die international Einsatz finde. Sein Bildnis kommt heller und farb-fröhlicher daher, so viel sei verraten.

Das Original wurde vom Verein erworben und im April der Öffentlichkeit vorgestellt. Es punktet mit kräftigem Terrakotta, Grün und Blau. Im Wesentlichen bestimmen den Vordergrund eine Baumkrone und Dächer, dem sich eine Ebene als changierende Blauzone und ein weiter lichter Horizont anschließen.

Winterle tippt auf einen winzigen hellen Fleck: „Das ist der Isteiner Klotz“. Er hält ihn für den Mittelpunkt des Werks. Ein Laie würde eines der Scheunendächer als Mitte wählen. Dieses Anwesen habe einem früheren Ortsvorsteher gehört, weiß Winterle zu berichten. Viel habe er dazu gelernt, sagt der Weiler, der vor gut einem Dutzend Jahren ins „ART-Dorf“ zog. Durch die Auseinandersetzung mit der Daur-Vorlage sei ihm etwa das viele Grün im Ort aufgefallen.

Am Anfang stand die Suche

Zu den ersten Schritten der Umsetzung gehörte die Suche nach jenem Platz, den Daur damals gewählt hatte. Und wie das Künstlerleben so spielt, führte sie in die heutige Hermann-Daur-Straße. Allerdings „versperrt“ Bebauung den Blick, sagt Winterle, der gar an Haustüren klingelte, um das Optimum zu erreichen. Gewählt habe er letztlich ein höher gelegenes Anwesen als Standort.

„Portrait vom Ort“

Nahezu zehnmal begab er sich in die Ecke mit den Rebhängen, bis er zufrieden war. Mal stimmte die diesige Sicht nicht, mal war die Natur noch nicht so weit, mal passte die Perspektive nicht. Es war später Vormittag im Frühsommer als der Maler loszog, so Winterles Erkenntnis. Es galt, Daur so nah wie möglich zu kommen, aber auch völlig anders zu sein.

„Neu und Alt sollen korrespondieren.“ Seine Intention war, dass die Jahreszeit wegen des Lichts, das Format und der Aufbau identisch seien. Er nennt sein Werk profan „Porträt vom Ort“. Weil sich jedoch die alte Stelle mit den Daur-Dächern von 1922 nicht finden ließ, zog Winterle mit seiner Replikation linkswärts ins Dorf. Seine eigene Technik schildert er mit Begriffen wie Fotovorlage, Schablonen, Dimension, Winkel, Motiv zerlegen und Farbe.

Benutzt habe er letztlich nur vier Farben, die Illusion seines Bildes suggeriere indes, dass weit mehr Farbtöne drinstecken. Die Vorbereitung für das 60 mal 80 Zentimeter große Kunstwerk habe die meiste Zeit beansprucht. Daur hingegen dürfte einen Großteil der Zeit für die Schicht zwischen Dächern und Himmel benötigt haben.

Landschaft der Auslöser

Nicht nur, dass neben erwähntem Klotzen auch die Vogesen plus Besiedlung, der Rhein und gar Eimeldingen sichtbar sind, diese diffizile Landschaft darzustellen, könnte der Auslöser für das Bild gewesen sein, mutmaßt Winterle. Er selbst kannte es nicht und fand es sehr speziell. Es habe etwas „Unaufgeregtes“, präzisiert er.

Die Versteigerung findet am Sonntag, 27. Juli, in der Dorfstube statt – der Verein wünscht sich viel Publikum, das bei der Auktion fleißig mitbietet.