Das Heringsessen der Narrengilde Lörrach bot zum traditionellen Ausklang der Fünften Jahreszeit Gelegenheit zum Rückblick auf eine Fasnachtssaison der besonderen Art.
Als Obergildenmeister Michael Lindemer am Fasnachtsdienstag das traditionelle Heringsessen eröffnete, brach die Sonne durch die Wolken und hüllte den Saal des Bonifatiushauses in helles Licht. Leider zu spät, um die Wetterbilanz des eher verregneten Fasnachtswochenendes noch entscheidend aufzupolieren.
Seit 15 Jahren habe es nicht mehr so viel geregnet während der Straßenfasnacht in Lörrach, sagte Lindemer. Trotzdem seien die Plätze „von morgens bis abends gefüllt“ mit Menschen gewesen.
Obergildenmeister dankt der Stadt und dem Werkhof
Lindemer nutzte das Heringsessen, das dieses Jahr erstmals auf den Nachmittag angesetzt war, für einen Dank an die Stadt, „dass wir Lörrach von seiner besten Seite präsentieren konnten“. Es sei bei der Witterung Gold wert gewesen, dass der Burghof für verschiedene Programme und zur Verpflegung der Guggemusiker zur Verfügung gestanden habe. Lindemer dankte dem Werkhof für die kurzfristige Unterstützung bei Problemen mit Pollern und matschigen Baumscheiben sowie für die nächtliche Reinigung der Stadt. Dankbar zeigte er sich auch gegenüber dem Roten Kreuz, der Feuerwehr und der Polizei, die keine Auffälligkeiten festgestellt hätten. Für Veranstalter gebe es nichts Schöneres als zu wissen, dass die Notfallhelfer bereit stünden, aber letztlich nicht gebraucht würden.
Lindemer zu den Stillständen beim Umzug
Die neue Streckenführung beim Umzug bezeichnete Lindemer als „kleines Experiment“. Der gleichzeitige Start an zwei Standorten sollte dazu beitragen, Lücken zwischen den Gruppen zu vermeiden und die Dauer des Umzugs zu verkürzen, um die Kosten beispielsweise für Security-Mitarbeiter und die zeitliche Belastung der Gildenmeister zu senken. Der Umzug habe dann tatsächlich auch gut eine Stunde kürzer gedauert als im Vorjahr. Probleme mit Pollern und ein abgestellter Traktor hätten indes zu den kritisierten Stillständen geführt. Man werde am Konzept schrauben, um die Probleme im nächsten Jahr in den Griff zu bekommen.
Dass sich die Fasnächtler über die Grenzen hinweg besuchen und am Wochenende verschiedene Gruppen aus der Schweiz und dem Elsass mit von der Partie waren, bezeichnete der Obergildenmeister als „Bereicherung für die Region“. In diesem Zusammenhang erinnerte Werner Kaufmann, der Präsident der Basler Trachtengruppe, bei seiner Rede humorvoll an die Teilnahme der Narrengilde bei der Basler ESC-Parade im vergangenen Sommer.
Protektorin Luitgard Ehmsen, die in ihrem kurzen Rückblick die Kinderfasnacht am Dienstag und ihre Fahrt im Cabriolet beim Fasnachtsumzug Revue passieren ließ, eröffnete den kurzen Schnitzelbangg-Reigen. Zur Melodie von Udo Jürgens‘ Song „Mit 66 Jahren“ machte sie unmissverständlich klar, dass „mit 88 da vorne jetzt Schluss“ ist.
Ein letztes Mal dabei als Sänger bei dem von der Lerche-Clique gestemmten Heringsessen waren auch die Soggeflicker, die eine Schnitzelbangg-Auswahl aus den vergangenen 15 Jahren präsentierten. Und die Rätschgosche sangen erleichtert zum gefundenen Fasnachtskompromiss zwischen Stadt, Gemeinderat und Narrengilde: „Fasnacht z’Lörrach isch schön, wenn sich alli wieder richtig verstöhn“.
Kurfeß: „Wichtig, dass die Fasnacht in Lörrach bleibt“
„Es war eine schöne Fasnacht“, stellte auch Stadträtin Margarete Kurfeß fest, die in Vertretung der Rathausspitze sprach. „Wichtig war und ist uns, dass die Fasnacht in Lörrach bleibt“, sagte sie. Man freue sich aufs nächste Jahr – dann „hoffentlich mit ein bisschen weniger Streit“.