Die Fachkräfteallianz Schwarzwald-Baar-Heuberg begegnet den wirtschaftlichen Entwicklungen mit einem neuen Instrument. Ziel ist es, die Unternehmen zu vernetzen.
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg (SBH) hält an. Sie erhöhte sich im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent gegenüber 2024 und im ersten Monat 2026 um 4,5 Prozent gegenüber Januar 2025, das ist ein Plus von 600 Menschen. 14 028 Personen waren in diesem Januar erwerbslos, das bedeutet eine Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent.
Am stärksten betroffen sei das verarbeitende Gewerbe mit der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie, erklärte Mike Kalinasch, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Rottweil – Villingen-Schwenningen, bei einem Pressegespräch. In diesen Bereichen sei auch die Kurzarbeit hoch und bewege sich zwischen monatlich 5500 und 6000 Beschäftigten, „da wissen wir nicht, wohin die Reise geht“.
Gleichzeitig sei viel Dynamik auf dem Arbeitsmarkt, betonte Kalinasch. Während kein Mangel an Arbeitskräften mehr herrsche, seien Fachkräfte durchaus noch gefragt. Und es gebe die ambivalente Situation, dass auf der einen Seite Betriebe Stellen abbauen, und auf der anderen Seite Unternehmen händeringend nach Mitarbeitern suchen, stellt Thomas Bleile, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Villingen-Schwenningen, fest.
Die Initiative Um all diesen Entwicklungen zu begegnen, hat die Fachkräfteallianz Schwarzwald-Baar-Heuberg die Arbeitsmarktdrehscheibe SBH im vergangenen Jahr ins Leben gerufen und setzt sie jetzt inhaltlich wie strukturell breiter als bisher fort. Während das Projekt zunächst mit der Agentur für Arbeit, der Südwestmetall-Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau und der Wirtschaftsförderung SBH startete, sind nun auch die Industrie- und Handelskammern (IHK) und die Industriegewerkschaft (IG) Metall mit Boot.
Chancen der Vernetzung Ziel dieser digitalen Plattform sei es, Unternehmen zusammenzubringen und den Dialog untereinander über Themen wie den Fachkräftebedarf oder den Personalabbau zu fördern, beschreibt Lisa-Maria Allramseder, Geschäftsführerin der Südwestmetall-Bezirksgruppe, das neue Instrument. Über dieses Netzwerk sei es schon gelungen, Arbeitskräfte zwischen Firmen zu vermitteln, wenn die eine im Tief stecke und die andere Bedarf habe. „So kann es gelingen, die bedrohliche Situation der Arbeitslosigkeit zu vermeiden“, verdeutlichte Lisa-Maria Allramseder. Die direkte Vernetzung eröffne die Chance, Personal ohne zwischengeschaltete Institutionen weiterzugeben.
Zudem habe der Tarifvertrag zum regionalen Personaleinsatz den Weg geebnet, Arbeitskräfte über einen kurzen Zeitraum an eine andere Firma abzugeben, um in Krisenzeiten flexibel reagieren zu können, ohne sie auf Dauer zu verlieren, stellte Bleile fest. Das biete für die Beschäftigte den zusätzlichen Vorteil, sich weiter qualifizieren und Einblick in neue Tätigkeitsfelder gewinnen zu können.
Rolle der Qualifizierung Ohnehin schreiben alle Partner der Drehscheibe der ständigen Weiterqualifikation eine zentrale Bedeutung für Arbeitnehmer und -geber zu. Das läuft laut Bleile aber „suboptimal“. Die Arbeitgeber wüssten nicht genau, in welche Richtung sich die Weiterbildung orientieren solle, und die Beschäftigten seien ebenso verunsichert.
Wandel des Arbeitsmarkts Steckt der Arbeitsmarkt doch mitten in der Transformation. Die Frage, wie sich die Künstliche Intelligenz (KI) auf die Region auswirkt, treibt alle Partner der Fachkräfteallianz um. Durchaus Sorgen bereitet ihnen eine Studie, die 2022 zum Ergebnis kam, dass durch den Einsatz von digitalen Technologien und KI im Kreis Tuttlingen 57,4 Prozent aller Arbeitsplätze wegfallen könnten, das ist der höchste Wert in ganz Baden-Württemberg. Der Anteil ist aber auch im Kreis Rottweil mit 50,7 Prozent und im Schwarzwald-Baar-Kreis mit 46,3 Prozent hoch.
Allerdings sei nicht absehbar, wie die kleineren Unternehmen diese Automatisierungsprozesse umsetzen, sagte Miriam Kammerer, stellvertretende Bereichsleiterin Bildung und Prüfung bei der IHK. Zumal vielen das Geld für Investitionen fehle, ergänzte Bleile. Gerade der Mittelstand versuche trotz der Krise und das schon seit der Pandemie, die Beschäftigten zu halten. Das sei kostspielig und lasse die Reserve schrumpfen. Deshalb sei die Bundesregierung gefordert, den Unternehmen günstig Kredite für die Transformation zur Verfügung zu stellen.
Die Aussichten Eine Reaktion auf den Wandel sei derzeit auch die Tendenz, dass sich die Zulieferer bei der Ausbildung eher verhalten zeigen und nicht mehr so viele junge Leute einstellen wie früher, hat Miriam Kammerer beobachtet. Und die Übernahme nach der Ausbildung sei längst nicht mehr garantiert.
In der Vermittlung von nicht übernommen Berufsanfängern sehe die Arbeitsmarktdrehscheibe einen weiteren wichtigen Ansatzpunkt, erläuterte Henriette Stanley, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg. Das Tätigkeitsfeld sei kontinuierlich gewachsen. Zunächst hätten die Unternehmen das Format nur zur Suche nach Mitarbeitern genutzt. Inzwischen seien Firmen dazugestoßen, die offen über ihre schwierige Lage informieren und Arbeitskräfte abgeben wollen.
Wandel schafft neue Arbeitsfelder und Berufe
Sicher ist sie sich, dass es trotz der Flaute noch Betriebe in der Region gibt, die Personal einstellen. Um dessen Vermittlung voranzubringen und die Drehscheibe weiter anzukurbeln, steht sie nun ein Mal im Monat an. Und gemeinsam zeigen sich deren Vertreter überzeugt, dass wieder Schwung in den Arbeitsmarkt kommt und der Wandel neue Arbeitsfelder und Berufe schafft.
Die Plattform
Termine
Die Arbeitsmarktdrehscheibe ist eine Online-Plattform für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, die Unternehmen aller Branchen offensteht. Die nächsten Termine sind am Donnerstag, 19. März, von 17 bis 18 Uhr und am Dienstag, 14. April, von 9 bis 10 Uhr. Weitere Informationen gibt es im Internet unter https://fachkraefteallianz-sbh.de/de/services/veranstaltungen.html.