Henriette Gärtner ist am Ostermontag wieder in Oberndorf zu Gast. Ihre Klavierkonzerte in der ehemaligen Klosterkirche haben Tradition. Foto: Nadja Dosterschill

Henriette Gärtner ist bekannt für beredte Konzertprogramme – und die Pianistin hat eine besondere Verbindung zu Oberndorf.

Ein Wiedersehen mit Henriette Gärtner gibt es am Ostermontag in der ehemaligen Klosterkirche. Auch für das diesjährige Konzert hat sich die Pianistin ausgiebig Gedanken gemacht.

 

Der Ostermontag scheint für Ihre Konzertplanung eine feste Größe zu sein. Was hat es mit diesem Termin auf sich?

Zunächst waren wir mit dem Termin am Ostermontag etwas skeptisch: Viele Menschen nutzen die Osterfeiertage für einen Kurzurlaub oder für eine Skiausfahrt. Dann hat sich aber sehr schnell herausgestellt, dass auch viele Menschen zu Hause bleiben, oder alleine sind. Diese sind dann sehr dankbar, wenn an diesen besonderen Tagen Veranstaltungen angeboten sind, insbesondere im kulturellen, musikalischen Bereich.

Dass Sie an diesem Termin regelmäßig in Oberndorf zu erleben sind, hat Gründe. Woher rührt Ihre Verbindung zu Oberndorf?

Meine Familie mütterlicherseits kommt aus Oberndorf. Meine Oma Maria Neumann war eine beliebte Klavier- und Musiklehrerin. Immer wieder stellen sich ehemalige Schüler von ihr bei mir vor oder bringen mir sogar noch Aufschriebe mit aus ihrem Unterricht mit meiner Oma. Zu Jahrgängern von meiner Mutter sind wunderbare Freundschaften entstanden, so zum Beispiel zum früheren Bürgermeister Klaus Laufer, der mich über viele Jahre begleitet.

Wie ist diese Verbindung so gewachsen, dass sich daraus eine regelmäßige Präsenz etablieren konnte?

Jedes Kulturprogramm braucht „die Abstimmung mit den Füßen“ – die Teilnahme. Die Corona-Pandemie ist ein tragisches Beispiel dafür, wie schwierig es war, mit Veranstaltungen wieder in die Gänge zu kommen. Für mich war es elementar wichtig, den direkten Kontakt über viele Jahre hinweg aufzubauen und zu pflegen. Das schätze ich sehr.

Wie stellen Sie Ihre Programme zusammen?

Über die Freiheit, meine Programme selbst zusammenstellen zu können, bin ich sehr glücklich. Ich versuche stets, Bekanntes mit Unbekanntem zu mischen. Standardwerke, an denen ich auch gemessen werden kann, stehen neben selten gespielten Werken beziehungsweise Komponisten. Ebenso versuche ich, verschiedene Epochen und Stile in einem Programm abzubilden, um möglichst für jeden Geschmack etwas dabei zu haben.

Sie geben Ihren Konzertprogrammen Titel. Wie haben Sie das diesjährige überschrieben?

Dieses Jahr heißt mein Konzerttitel: Kompass.

Und was werden wir in der Klosterkirche zu hören bekommen?

Muzio Clementis Sonate in B-Dur, opus 24 Nummer 2, Robert Schumanns „Kinderszenen“ opus 15 und Beethovens Sonate opus 111.

Auf dem Programm stehen also drei Komplexe, die ein vielfältiges Musikerlebnis versprechen. Da ist viel Wiedererkennungswert, der Eindruck von musikantischer Virtuosität – und philosophische Tiefe. Das ist ein beachtlicher Bogen. Wie kam es dazu?

Wie der Titel „Kompass“ schon andeutet, hat die Auswahl etwas mit meiner Biografie zu tun. Genau genommen mit meinen Anfängen am Klavier als Dreijährige bis heute. Als Hauptwerk habe ich Beethovens grandiose letzte Sonate für Klavier dabei, die opus 111. Diese Sonate beinhaltet einfach alles, alles an Größe und Einfachheit, an Bedeutungstiefe und klarer, plastischer Form. Die Sonate schließt am Ende nicht ab, sondern schließt etwas auf, nämlich die Stille. Die Musik wirkt so umfassend mehrdimensional, das kann in Worte nicht gefasst werden. Der Ausklang ist endgültiger, beglückender und erlösender nicht zu denken. Dieser Weite und diesem Vermächtnis stelle ich Muzio Clementi gegenüber. Mit einer seiner Sonatinen habe ich als Dreijährige am Klavier begonnen – und ich weiß nicht warum, doch ich habe Clementi nun über 45 Jahre nie in meinen Konzertprogrammen gespielt.

Die Musikerfahrung muss jeder selbst machen, aber lösen Sie diesen Bogen auf, beziehungsweise füllen Sie ihn am Ostersonntag für das Publikum aus, um einen weiteren Zugang zur Musik zu öffnen?

Oh ja, natürlich! Es ist ein Vorurteil, dass klassische Musik ernst, streng und steif ist. Wir sind genauso am Leben und Lachen interessiert wie andere Menschen und Musiker auch. Klassische Musik ist sehr nah am Leben. Auch möchte ich mit dem Vorurteil aufräumen, dass das Publikum eine besondere Bildung mitbringen muss, um einem klassischen Konzert folgen zu können. Das ist überhaupt nicht notwendig! Es ist meine Aufgabe, die Musik zu verstehen und diese meinem Publikum zu vermitteln. Deshalb moderiere ich meine Konzerte und bringe die Werke auch auf verbaler Ebene meinem Publikum nahe.

Info und Tickets

Das Klavierkonzert
am Ostermontag, 1. April, in der Klosterkirche Oberndorf beginnt um 18 Uhr.

Tickets
gibt es im Vorverkauf für 15 Euro unter www.reservix.de oder im Rathaus (ohne Vorverkaufsgebühr), an der Abendkasse für 20 Euro.