Die Bauarbeiten für die Erneuerung der Betonpiste der Helios-Arena in Schwenningen ist im Zeit- und Finanzrahmen. Details wurden vorgestellt, vor allem im Blick auf die Wild Wings.
Fertigstellung des 3,4 Millionen teuren Projekts soll der 15. September sein. Zwei Tage später startet die DEL in die Saison 2026/27.
Gleich nach dem Saisonaus der Wild Wings im Play-off-Viertelfinale gegen Köln am 31. März haben die Arbeiten an der Sanierung der Betonpiste der Helios-Arena begonnen. Die Stadt Villingen-Schwenningen hat hierfür 3,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Die Piste hatte sich altersbedingt infolge des Frostes im Boden angehoben, außerdem hat sie Risse aufgewiesen. „Die Piste hätte man für die neue Saison nicht mehr in Betrieb nehmen können“, so Architekt Uwe Schlenker.
Für interessierte Gemeinderäte und die Presse gab es jetzt Einblick in den Stand der Arbeiten. „Es trat bislang nichts Unvorhergesehenes auf, wir befinden uns im Zeit- und Finanzrahmen“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Roth. Die Stahlpreise seien zwar derzeit schwankend, würden tendenziell nach oben gehen, dies sei aber auch wie steigende Energiekosten im Budget abgedeckt.
„Die Fertigstellung ist für den 15. September geplant. Schon aufgrund der Zeiten bis der Beton hart wird, wird es keinen Tag früher fertig. Wir gehen aber auch davon aus, keinen Tag später“, sagte Architekt Uwe Schlenker.
Testspiele auswärts
Viel Spielraum hat der Hauptmieter der Halle, die Schwenninger Wild Wings, also nicht. Denn die Deutsche Eishockey Liga (DEL) gab am Mittwoch bekannt, dass die Spielzeit am 17. September eröffnet wird. Die Saisonvorbereitung startet bereits am 1. August.
Die Wild Wings werden also alle Testspiele auswärts absolvieren müssen. So sind sie beispielsweise am 28. und 29. August beim Hockey-Weekend im schweizerischen Chur, wo sie auf den Schweizer Erstligisten HC Ambri-Piotta und den Zweitligisten EHC Chur treffen.
Und bei Verzögerungen?
Sollte sich die Fertigstellung der Betonpiste wider Erwarten doch noch verzögern, wäre aber theoretisch möglich, dass die Wild Wings ihre ersten Spiele allesamt auswärts bestreiten, um so terminlich für die Arbeiten noch etwas Luft zu haben.
Fest steht, ein erstes offizielles Eistraining, das am Neckarursprung traditionell mit vielen Fans zelebriert wird, wird es in diesem Jahr nicht geben. Trainiert werden kann aber in Schwenningen durchgehend und zwar auf Bahn zwei der Helios-Arena.
Hoher Schotterberg
Nachdem das Eis auf Bahn eins abgetaut wurde, wurde die Betonpiste in nicht einmal zwei Wochen in Stücke geschnitten und zerkleinert. Resultat ist ein acht Meter hoher, 1300 Kubikmeter großer Schotterberg auf dem Spielerparkplatz. Etwa zwei Drittel des Schotters sollen für die neue Betonpiste wieder verwertet werden. „Den Rest schauen wir, dass wir ihn im Straßenbau einsetzen können“, so Roth.
144 Rammpfähle
Derzeit werden 144 Guss-Rammpfähle acht Meter tief in den Boden gerahmt. Die Pfähle stehen im Abstand von vier Meter. Damit künftig der Boden unter der Eisbahn nicht friert, wird die Spielfläche mit einer Unterfrierheizung ausgestattet. Mit entsprechender Dämmung wird die Permafrostproblematik so dauerhaft gelöst.
Nächster Schritt ist dann der Aufbau der neuen Eisfläche. Die 22 Zentimeter starke Bodenplatte ist nicht nur mit Unterfrierheizung (sie funktioniert ähnlich wie eine Fußbodenheizung), sondern auch mit einer Dampfsperre (Abdichtung) versehen.
Glykol statt Ammoniak
In der Betonpiste mit Stahlverrohrung für Kältemittel wird Glykol anstelle des für den Menschen gefährlichen Ammoniak verwendet. Zwar werde man auch künftig nicht ganz auf das giftige Gas Ammoniak verzichten können, „aber selbst bei einem Defekt würde dadurch kein Besucher gefährdet“, stellt der Oberbürgermeister klar, im schlimmsten Falle würde Ammoniak lediglich im Maschinenraum austreten können.
Ein Stahlrohr ist 60 Meter lang, 325 Stahlrohre werden verwendet, das ist eine Gesamtlänge von 20 Kilometer und somit 100 mal länger als ein Eishockeyfeld (etwa 60 Meter). Insgesamt werden für die neue Betonpiste rund 835 Kubikmeter Stahlbeton der 2000 Tonnen wiegt, benötigt.
Bessere Eisqualität
Die Eisqualität wird in der kommenden Saison mit der dann ebenen Piste eine ganz andere als noch zum Ende der vergangenen Saison sein. Benjamin Breuer von der Kunsteisbahn GmbH (KEB): „Wir werden dann eine gleichbleibende Eisschicht von drei bis vier Zentimeter haben. Auf der alten Piste hatten wir Unterschied von drei bis zu zehn Zentimeter Eisdicke.“
Neue Bande
Die Helios-Arena hat auch eine neue LED-taugliche Bande. Damit ermöglichen sich für die Wild Wings marketingtechnisch neue Möglichkeiten.
Zu den 29 Spielen der Wildschwäne kamen in der abgelaufenen Saison 139.957 Zuschauer, macht einen Schnitt von 4826 Fans in der 5100 Zuschauer fassenden Helios-Arena. Mehrfach war das Stadion komplett ausverkauft.
Weiterer Ausbau?
Doch die realistische Chance auf einen weiteren Ausbau sieht Schlenker kaum. Lediglich auf der alten immer geschlossenen Stirnseite der Stehtribüne könne man möglicherweise noch nach oben ein paar 100 Plätze gewinnen.
„Dort ist aber die ganze Kältetechnik untergebracht. Der Ausbau wäre schwierig und teuer. Ich sehe nicht unbedingt, dass sich das rechnet“, so Schlenker. Was eher noch möglich sei, die VIP-Räume zu vergrößern.
Die neue große Solar-Anlage auf dem Dach der Helios-Arena rechnet sich hingegen und geht jetzt in Betrieb. Mit den 300 Kilowatt-Peak kann laut dem technischen Leiter der KEB, Benjamin Breuer, der gesamte Jahresbedarf an Strom für die Helios-Arena in Höhe von zwei Millionen Kilowattstunden abgedeckt werden. Die 260 Kilowatt-Peak der alten Anlage würden in das Stromnetz eingespeist.